Die Antibabypille: Freiheitssymbol und Risiko

Ein optimiertes Aussehen, sexuelle Befreiung und Selbstverwirklichung, aber auch Geburtenknick und Todesfälle. Seit ihrer Markteinführung 1960 in den USA ist die Antibabypille zu den beliebtesten Verhütungsmitteln weltweit aufgestiegen. 5-10%  der Mädchen ab dem 12. Lebensjahr verwenden die Pille zur Empfängnisverhütung. Bei den 18 bis 20-jährigen sind es sogar 80% (Quelle). Als die Antibabypille vor rund 50 Jahre zugelassen wurde, konnte noch keiner die Folgen der Wunderpille absehen. In den Medien häufen sich jedoch vermehrt kritische Stimmen. Von Thrombosen mit Todesfolgen liest man immer öfter oder hört es im Fernsehen. Wird das Freiheitssymbol also zum gesundheitlichen Risiko für Frauen und unsere Gesellschaft?

Hand hlt Pille

Foto: thingamajiggs / fotolia.com

Die sexuelle Revolution der Frau

Ein kurzer Blick zurück in die Geschichte: Die Einführung der „Wunschkindpille“ ab dem 1. Juni 1961 in der BRD und vier Jahre später in der DDR fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Der Spiegel“ berichtete 1961 lediglich von einer Einführung der Pille in die USA und Australien. Dass ein ähnliches Präparat auch bald in Deutschland verfügbar sein wird, wurde jedoch nicht erwähnt. Ärzte verschrieben zunächst nur speziellen, ausgewählten Patientinnen – vorwiegend verheirateten Müttern über 30, die unter Menstruationsbeschwerden leiden – die Pille. Die Vorstellung dahinter war, dass unverheiratete Frauen keinen Sex haben und folglich auch kein Verhütungsmittel benötigten. Erst ab dem Jahr 1966 können Meinungsforscher eine eindeutige Bekanntheit der Pille nachweisen. Auf Umwegen durch Mütter, Schwestern oder Tanten gelangten junge Frauen an das empfängnisverhütende Medikament und somit auch an eine neue Freiheit – denn von nun an konnten Frauen losgelöst von Schwangerschaft über ihre Sexualität bestimmen. Aktiv selbst entscheiden wann und ob sie schwanger werden möchten. Dieses Faktum löste innerhalb der Gesellschaft eine heftige Diskussion aus. In der „Ulmner Denkschrift“ wollten Hochschulprofessoren sogar die Pille vollkommen verbieten lassen, mit der Begründung, dass Frauen die Angst vor der Schwangerschaft verlieren und somit enthemmter würden (Quelle).

Eine bittere Pille für die Demographie?

Der kürzlich verstorbene Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) bezeichnete die Pille in einem Interview als die „hervorstechendste Wandlung“ unserer Gesellschaft. Sie sei die Ursache sinkender Geburtenraten und der Überalterung unserer Gesellschaft. Man spricht vom so genannten Pillenknick, einem Einbruch der Geburtenzahlen in den 70er Jahren in Westdeutschland. Seitdem stagniert die Geburtenrate auf demselben Niveau (Quelle).

Doch ist dies wirklich Schuld der Pille? Der Journalist und Demographiexperte Björn Schwentker schreibt in seinem Blog bei Spiegel Online, dass der Begriff „Pillenknick“ in die Irre führe, da meist auf die falsche Kurve geschaut würde. Eine reine Geburtenzahl sage wenig über das genaue Verhalten einer Gesellschaft aus. Viel eher zähle die Zahl der „Frauen im gebärfähigen Alter“. Diese Zahlen belegen, dass erst im Jahr 1967 ein Rückgang der Geburten zu verzeichnen ist. Zuvor, nach der Einführung der Pille, blieb die Anzahl der Kinder bei 2,5 pro Frau (Quelle). Eine weitere Statistik aus Japan beweist, dass auch in Industrieländern ohne Antibabypille Frauen weniger Kinder bekommen. Dort spielt die Art und Weise der Verhütung selbst heute keine größere Rolle. Trotzdem setze ab 1950 ein signifikanter Geburtenrückgang ein. Warum? Ein möglicher Erklärungsansatz ist hierbei, dass Frauen heute die zunehmenden Bildungsmöglichkeiten länger lernen und sich die Familienplanung dadurch nach hinten verschiebt. Als weiterhin bedeutend gilt der größere Wohlstand durch kinderlose Lebensführung und die Betonung der Frauenrechte (Quelle).

Was tun?

Angesichts der Beliebtheit der Pille bei (jungen) Frauen der heutigen Zeit, wirken Schreckensmeldungen von plötzlichen Todesfällen verursacht durch die Pille wie Einzelfälle. Doch die Liste der – auch tödlichen – Nebenwirkungen sind lang und reichen von Schlaganfällen bis hin zu Depressionen. Auch, wenn die Dosierung der Pille, nicht mehr den Anfangspräparaten in ihren Dosierungen gleicht, sollten die Risiken der Pille nicht unterschätzt werden. Gerade Gynäkologen, stehen in der Pflicht mehr Aufklärungsarbeit zu leisten und die Pille als ernstzunehmendes Medikament den Frauen näher zu bringen. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Gerade deshalb darf die Pille nicht mehr als Lifestyleprodukt präsentiert werden, hübsch drapiert in schönen Döschen und der Eindruck erweckt werden, es handle sich um so etwas lapidares wie Pralinen. Letztlich handelt es sich um ein medizinisches Produkt, das wie ein typisches apothekenpflichtiges Mittel Chancen, Risiken und Nebenwirkungen birgt.

Jill Graw

Siehe auch: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2015-12/antibabypille-bayer-yasminelle-thrombose-klage

 

Ein Gedanke zu “Die Antibabypille: Freiheitssymbol und Risiko

  1. „…Als weiterhin bedeutend gilt der größere Wohlstand durch kinderlose Lebensführung…“
    Wie realitätsfern ist das denn?
    Sicher, es gibt zum Teil auch Leute, die aus Hedonismus oder Karrierestreben keine Kinder wollen. Das sind aber zumeiste jene, die sich Kinder vom Enkommen her leitsen könnten.
    Es gibt jedoch mehr junge Menschen, die Kinder haben wollen, als Leute wie die Autorin dieses Artikels (und viele andere in den Medien) denkt.
    Unter den heutgen Einkommensverhältnissen – Mindestlohn, Teilzeitarbeit, Leiharbeit, Arbeitslosigkeit – ist es oft kaum möglich, Kinder aufzuziehen. Und hat man einen Job, ist man derart gefordert (Schichtarbeit, Wochenendarbeit, Überstunden), dass die Kraft für Kinder gar nicht mehr reicht. Ich rede hier nicht allgemein daher, sondern habe im Umfeld mehr Beispiele als genug. Hören Sie doch endlich auf, immer nur eine egoistisch-materialistische Einstellugn als Grund für unsere Kinderarmut vorzuschieben, liebe Medien. Es ist auch die mangelnde Bereitschaft der Wirtschaft, den Menschen ein Leben mit Kindern UND Beruf zu ermöglichen. Profit ist doch alles!

    Ein mehrfacher Vater ud Großvater

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