Selbstoptimierung: Me, Myself and I

Wann hat es eigentlich angefangen, dass wir uns selbst in allen möglichen Lebensbereichen optimieren wollen? Es gibt ja schon seit einiger Zeit Ratgeber, die uns mit Tipps zur Selbstfindung, zum glücklich sein, zur Partnersuche, zu gesunder Ernährung oder zu ewiger, jugendlicher Schönheit versorgen. Diese vermeintlich gut gemeinten Tipps aus all den unzähligen Ratgebern, die nur das Beste aus uns herausholen wollen, sind inzwischen weit überholt und das ganze Thema rund um die Selbstoptimierung ist ein wenig ausgeartet.

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Gut? Nein, Besser!

Du kannst noch besser, produktiver, schöner und fitter sein, als du es jetzt bist. Die Selbstoptimierung ist für viele Menschen eine Art Lebensphilosophie, die keinerlei Makel oder Schwächen zulässt bzw. werden diese versucht, maximal zu minimieren. Das Streben nach dem perfekten Ich ist eine tagtägliche Aufgabe, ein ständiger Prozess und er wird wohl niemals abgeschlossen sein. Optimieren kann man immer! Ist das etwa die Aufgabe des Menschseins?

#healthy

Fastfood? No way! Der Trend geht hin zu bewusster, gesunder und ausgewogener Ernährung, die uns Power gibt und uns fit macht. ‚McDonald’s‘, ‚Burger King‘ und Co sind out. Stattdessen gehen die Selbstoptimierer lieber in angesagte Restaurants, wo sie ausgefallene, gesunde Salate zu sich nehmen können. Zu den goldenen Regeln des healthy-Lifestyles gehören viel Wasser trinken und möglichst viele Superfoods wie z.B. Chia-Samen, Goji-Beeren und Avocados zu verzehren. Auch die vegetarische und die vegane Ernährung finden immer mehr Anhänger unter den Selbstoptimierern.

Schüttel‘ deinen Speck

Natürlich gehört zur Selbstoptimierung eine ordentliche Portion Sport und Bewegung aller Art. Der Körper muss schließlich auch perfektioniert – optimiert werden. Straffer, schlanker, beweglicher – ab in die Sportsachen und los geht’s! Challenge accepted!
Jeden Morgen vor der Arbeit laufen gehen? Kein Problem, einfach weniger schlafen und noch früher aufstehen. Schrittzähler für den Tag einschalten? Check. Zwei Mal pro Woche zum Zumba, Pilates oder Yoga gehen? Augen zu und durch.

Gesichtstuning oder auch – wahre Schönheit kommt von Apps

Tuning gibt es schon lange nicht mehr nur bei Autos. Man kann nämlich mittlerweile auch sein Gesicht tunen! Und zwar mithilfe der App ‚Facetune‘. Pickel, Falten, Augenringe und gelbe Zähne – das ist vorbei! Dank dieser App gehören solche Schönheitsmakel der Vergangenheit an. Ob ein strahlender Teint, größere Augen, längere Wimpern oder vollere Lippen – es gibt nichts, was dir diese App nicht in dein Gesicht zaubern kann. Das Ziel: Man möchte natürlich gephotoshopt aussehen! Und wem die virtuelle Optimierung nicht reicht, der greift dann schon mal zu Botox.

Optimierung – selbst im Schlaf!

Man spricht ja nicht um sonst vom ‚Schönheitsschlaf‘, denn auch im Schlaf kann man etwas für die Optimierung seines Selbst tun. Ob nun eine overnight Maske für schöne Haut am Morgen, abnehmen oder lernen im Schlaf – einiges kann optimiert werden. Es geht sogar noch besser: Es gibt Armbänder, die mit einer App auf dem Smartphone verbunden sind und dir genau sagen können, wie lange und wie gut du geschlafen hast, wann deine Tiefschlafphase gelegen hat und wann deine Aufwachphase einsetzt, um dich dann dementsprechend sanft wecken können,  z.B. mit leichten Vibrationen am Handgelenk. ‚Sleeptracking‘ ist für alle Selbstoptimierer ein tolles Spielzeug, mit dem sie ihr Schlafverhalten analysieren und dann optimieren können.

Selbstoptimierung = Selbstüberwachung

Zufall? Nein, den kenne ich nicht. Denn die Selbstoptimierer überlassen dem Zufall schon lange nichts mehr! Es ist einfach keine Zeit für Zufälle. Der Wochenplan steht, die To-Do-Liste liegt fertig ausgedruckt auf dem Schreibtisch – alles ist durchgeplant, die kompletten 24 Stunden des Tages sind effizient mit Aufgaben zur Selbstoptimierung in allen möglichen Bereichen verplant. Selbstoptimierer mögen die Kontrolle über ihr Leben, über ihr Ich. Sie analysieren und überwachen sich genau, damit sie sich möglichst schnell, noch mehr, noch besser optimieren können.
In der Technik heißt es: immer schneller, weiter, besser. Dies gleicht sehr dem, was auch die Selbstoptimierung verfolgt. Irgendwie sind wir wie kleine Roboter – die Selbstoptimierung ist berechnend. Zahlen über Zahlen –  beim Zählen von Schritten und Kalorien, Analysen unseres Sleeptrackers oder auch der Kosten für die Schönheits-OPs.

Das A beim O: Aristotles zur Optimierung

Wozu Selbstoptimierung? Werden wir dadurch etwa bessere Menschen? Naja, vielleicht sehen wir äußerlich, oberflächlich besser aus, ernähren uns gesünder, machen viel Fitness, … Aber was die inneren Werte betrifft – werden diese nicht optimiert.
Schon bei Aristoteles ging es um Optimierung. Ja, um Optimierung des Charakters – um tugendhaftes Handeln, um das Streben nach Glück und einem guten, gelungen und glücklichen Leben. Also: Wenn schon Optimierung, dann aber auch die, des Charakters. Denn wir machen mit der Selbstoptimierung nicht die Welt besser, sondern nur unser eigenes Ich – und das auch nur absolut oberflächlich.

Isabel Stagen

2 Gedanken zu “Selbstoptimierung: Me, Myself and I

  1. Der Begründer der Medizin,Hippokrates von Kos (460-370 v.Ch) gab schon 100 Jahre vor Aristoteles Ratschläge,,die die heutige “ Gesundheits „-industrie mehr oder weniger überflüssig machen könnten:
    -Gehen ist die beste Medizin,
    -Reinlichkeit (auch der Seele – Psycho-Hygiene),
    -gesunde Ernährung.

  2. Pingback: Harmonie oder Leben | hinsehen.net

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