Content is King: Das Medienjahr 2015 – Blick in die Glaskugel 2016

Im zu Ende gehenden Jahr wurde die digitale Medienwelt durch neue Entwicklungen wie Facebooks Instant Articel oder Periscope kräftig durcheinander gewirbelt. 2015 war zudem das Jahr, indem Soziale Netzwerke – allen voran Facebook – verstärkt auf Nachrichten und Videos setzten und damit vor allem Google und seinem Videokanal YouTube angegriffen haben. Denn noch niemals wurden so viele Nachrichten und Suchanfragen über Soziale Netzwerke gelesen bzw. gestellt, wie 2015. Facebook war dabei allgegenwärtig und knackte mit 1,5 Milliarden Nutzern weltweit (davon einer Milliarde täglich), 700 Millionen Mitgliedern des „Messanger“-Kurznachrichtendienstes und 400 Millionen Mitgliedern seines Fotodienstes „Instagram“ die eigenen Bestmarken. Zudem gaben das Angela Merkel-Interview des Youtubers „Le Floid“ und die Spekulationen über die Zukunft eines Urgesteins der Sozialen Netzwerke – Twitter – Stoff für Diskussionen in der Medienwelt.

Fotolia, Gordon Bussiek

Fotolia, Gordon Bussiek

Das Jahr 2015 hat dabei gezeigt, dass die Medien(häuser) weiterhin auf der Suche nach geeigneten Möglichkeiten sind, Inhalte an die User zu bringen und damit auch Geld zu verdienen. Und gerade das Erzeugen von Umsatz wird zukünftig nach den Ideen von Mark Zuckerberg vor allem über Facebook stattfinden. Die „Instant Articels“ des blauen Netzwerkriesen sind da wohl erst der Anfang: Soziale Netzwerke wie Facebook und Google wollen immer stärker die Rolle der Nachrichtenaggregatoren und Nachrichtenverbreiter übernehmen. Und die ersten Medienhäuser (wie die „Washington Post“) springen auf den Zug auf und verlagern die Veröffentlichung ihrer Inhalte auf Facebook, um etwas vom Einnahmekuchen abzubekommen. Dabei nehmen diese auch (stillschweigend) in Kauf, dass Facebook, Google und Apple immer stärker die Inhalte auswählen oder durch eigene Redakteure selber produzieren. Hier deutet sich bereits jetzt eine Verlagerung der Hoheit der Nachrichtenproduktion auf die sozialen Netzwerke an. Ob die Medien damit ihre die Funktion als „vierte Gewalt“ im Staat weiterhin wie bisher ausüben können ist – aus medienethischer Sicht – bedenklich…

Am Ende zählen wieder die Inhalte
Im Jahr 2016 wird in den digitalen Medienwelten wieder stärker das Credo lauten: „Content is King“. Und da „der Content dorthin muss, wo die User sind“, wird es dabei darum gehen, gute Geschichten zu erzählen und diese auch zu verkaufen. Doch dies wird nur gelingen, wenn die Inhalte genau auf die einzelnen Medien und Sozialen Netzwerke abgestimmt sind („shareability“). Und: Der Konsum der digitalen Inhalte wird 2016 noch stärker als 2015 „mobil“ auf Smartphone und Tabletts erfolgen. Neben dem Ausbau der Bewegtbilder (bald auch verstärkt im Hochformat!) wird auch der Bildermarkt 2016 vor Umbrüchen stehen. Denn Web und Social Media brauchen immer mehr und immer schneller Bilder, um rund um die Uhr ihre Newsfeeds zu füttern und den wachsenden (Bewegt-) Bildhunger zu stillen. Doch dabei droht in der Masse und der Austauschbarkeit der Bilder die Qualität unterzugehen. Doch was in gedruckten Medien gilt, gilt auch digital: Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte und daher sollte gut sein sowie angemessen honoriert werden.

Welche Sozialen Netzwerke werden 2016 aufsteigen und welche absteigen?

Einige Analysten und Journalisten sehen in Snapchat den nächsten Anwärter für ein TOP-Ranking, auch mit Chancen für den Journalismus. Dieser ist bei WhatsApp bereits angekommen und bringt Bewegung in die Frage, wie Medien über Push-Dienste ihre Inhalte verbreiten können. Auch Facebook wird immer wieder für einen TOP-Rankingplatz benannt, da sich das weltgrößte Online-Netzwerk immer stärker als Universaldienst positionieren will, welches den Wechsel zu Google & Co. überflüssig macht – inklusive Pay- und Banking-Diensten. Darüber hinaus will Facebook einen „persönlichen Assistenten“ (namens „M“) entwickeln, über den Nutzer Alltagsdienste, wie einen Tisch in einem Restaurant zu buchen, direkt erledigen können. Zudem wird es im Jahr 2016 weiterhin einen Kampf zwischen Facebook und Google um die Vorherrschaft im Bereich Video und Live-Streaming geben, der Dienste wie Periscope an den Rand drängen wird. Nicht nur deswegen wird Twitter als möglicher Kandidat für ein FLOP-Ranking angesehen. Zu wenig Innovationen und stagnierende Nutzerzahlen werden hier als Indiz genannt. Doch da Totgesagte bekanntlich länger leben, sollte man Twitter um den neuen Chef Jack Dorsey nicht voreilig abschreiben, zumal auch der blaue Vogel mit „Moments“ derzeit neue Wege versucht. Abschreiben sollte man übrigens auch Online-Newsletter und Podcasts nicht, die derzeit einen nicht erwarteten „zweiten Frühling“ erleben…

Andere Arbeitsverfahren der Journalisten
Der immer schneller fortschreitende Wandel der digitalen Medienwelt bedingt Änderungen für die Arbeitsweise von Journalistinnen und Journalisten: Diese werden zukünftig neben der Erstellung – immer stärker multimedialer – Inhalte und ihrer Arbeit als Social Media Manager auch als Distributoren / Marketing Manager tätig sein müssen, um die (selbst) erstellten Inhalte dann auch medien- und zielgruppengerecht zu vermarkten. Statt Spezialisten für einzelne Medienformen werden derzeit stärker Universalisten gesucht, die die schnell wechselnden Medien mit passenden Content bestücken können. Dabei heißt es auch hier: „Content is king“ und die einzelnen Medien(formen) treten dahinter zurück. Ebenso verschwindet die Grenze zwischen Inhaltserstellung auf der einen und Inhaltspräsentation sowie Inhaltsvermarktung auf der anderen Seite, wie es klassisch im Print mit den separaten Arbeitsbereichen Redaktion, Layout und Vertrieb gibt bzw. gab. Und dies wird wiederum auch die Ausbildung von Journalisten und Autoren verändern…

Neue journalistische Formen
Daher zum Schluss noch ein keiner Appell an die Medienschaffenden selber: Journalisten, Autoren und Medienhäuser sollten den Wandel der digitalen Medienwelt vor allem auch als Chance sehen, um abseits der allgegenwärtigen Klick-und Share-Zahlen-Jagd neue Formen des transmedialen Erzählens und vor allem auch neuer Vermarktungsformen für digitale Medien auszuprobieren. Dazu sollte auch ein Bezahlsystem für digitale Medieninhalte gehören, welches verlags- und medienübergreifend funktioniert und damit auch die (Über-) Macht von Amazon im Bereich der Distribution von gedruckten und digitalen Inhalten begrenzt. Anstelle kurzfristiger Klickzahlen sollte es dabei vor allem darum gehen, wieder Beziehungen („relations“) zwischen Kunden und den Medien aufzubauen und im Sinne eines echten „community managements“ verstärkt den direkten Kontakt zu den Kunden zu suchen, um diese aktiv in die Medien einzubinden. Zudem zeigt nicht nur die Debatte um das Thema „product placement“ in Fernsehbeiträgen und Kinofilmen (wie zuletzt dem neuen James Bond „Spectre“) sowie um „sponsored articels“ in Print, Web und Social Media, dass Marken nach wie vor eine große Bedeutung für die Medienwelt haben. Doch gerade in diesem Bereich haben deutsche Medienhäuser in den letzten Jahren zu wenig investiert, um die klassische „Leser-Blatt-Bindung“ aus dem Print auch in die digitale Welt zu übertragen. Das Jahr 2016 wird dafür Möglichkeiten bieten, nicht zuletzt auch gerade in den Sozialen Netzwerken. hinsehen.net und explizit.net werden darüber berichten…

Christian Schnaubelt
Ressortleiter Digitale Medienwelten 

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