Echt und in Farbe

 „Du brauchst einen guten Internetauftritt und bei Facebook musst Du mitmachen, die Social Media auch bedienen, Du musst bekannt sein, dann kommt der Erfolg.“ So hört es jeder, der eine Geschäftsidee hat und sein Produkt oder seine Dienstleistung an den Mann oder die Frau bringen will. Auf der anderen Seite wird von Authentizität gesprochen, die Kundenbeziehung wird betont, es soll alles echt und in Farbe sein. Das Märchen vom Sieg ohne Kampf wird zum Dogma erklärt: Wer nur reichlich Energie ins Promoten steckt, wird König sein. Wahrscheinlich sind auf diese Weise nur ganz wenige reich und glücklich geworden. Ein Sieg hat nun mal den Kampf zur Voraussetzung und der wird nicht gegen virtuelle und anonyme Gegner geführt, sondern echt und in Farbe gegen reale Menschen.

Foto: hinsehen, E.B.

Foto: hinsehen, E.B.

Lässt man die martialische Sprache mit Begriffen wie Kampf, Gegner u. ä. einmal weg, dann ändert sich der Tatbestand nicht. Die Weisheit ist sehr alt und schon Gottvater wusste, dass man nur mit schönen und frommen Botschaften, manchmal auch mit heftigen Zeichen wie Blitz und Donner, das Ziel nicht erreicht. Es geht nur über Personen. Da musste der Sohn auf die Erde geschickt werden, damit in konkreter und realer Begegnung das Programm von Menschlichkeit „verkauft“ werden kann. Der Sohn erregte Aufmerksamkeit, Weise kamen, die Story war einmalig, rührte an. Schon früh fing der Knabe an, Netzwerke zu knüpfen. Er baute einen inner circle auf, dessen Mitglieder wiederum gute Beziehungen in die Gesellschaft bis nach ganz oben hatten. Er war klug genug, die Frauen das Geld verwalten zu lassen und wusste, dass die Männer sich um die ersten Plätze streiten werden. Selbst, dass ein faules Ei dabei ist, war mitbedacht und eingeplant. Die weitere Erfolgsstory ist bekannt, es entstand ein weltweites Netz, das bis heute unübertroffen ist. Die Regeln gelten auch heute in gleicher Weise.

Persönliches Risiko

Wer Erfolg haben will, der muss anpacken, riskieren. Der Erfolg ist nicht garantiert, das Leben kann in den Miesen enden. Das Scheitern schließt die eigene Existenz mit ein. Von daher geht es nur ganz oder gar nicht. Die Begeisterung muss so groß sein, dass bestimmte Gefahren und Vorbehalte einfach übergangen werden. Die Gewissheit oder auch Verbohrtheit in eine Sache ist größer als die Hemmung, sich von Widerständen und Risiken irritieren zu lassen. Und „ wer Vater und Mutter mehr liebt als mich“, konstatiert Jesus, der bleibt beim Altbekannten, zieht die gewohnte Sicherheit dem Sprung ins kalte Wasser vor.

Ein klares Wort

Mit weichgespülten Mitstreitern, die jammern, wenn mal eine klare Ansage erfolgt, wird man die Zielgerade nicht erreichen. Damit der Teufel, das Verharren bei einer Meinung oder das Verstocktsein nicht im Wege stehen, bedarf es einer exorzistischen Sprache. Es muss der Nagel auf den Kopf getroffen werden, der andere fällt um und ist befreit von seinen Fixierungen. Er kann aufstehen und mit dann ungebremster Kraft mitstreiten. Es wird nicht drumherum geredet, es wird sogar deutlich gesagt, wenn jemand um den heißen Brei herum redet. Das Ziel ist für alle klar, es fühlt sich echt an und leuchtet in allen Farben.

Eine gute Story

Die Sache zu vertreten, weil man von ihr überzeugt ist, dürfte eigentlich selbstverständlich sein. Es reicht jedoch nicht. Zu der eigenen Sache ist man nicht durch Überzeugung gekommen. Es ist kein Produkt eigenen Denkens, sondern da wurde einem etwas erzählt, da waren Typen, die spannend von ihren Erfahrungen berichten konnten. Man hat einen tollen Event erlebt. Man hat sich glücklich und erfüllt gefühlt. Das Feuer sprang über. So etwas lässt sich nicht in einer nüchtern-sachlichen Sprache erklären. Man erzählt davon, fügt ein bisschen hinzu, lässt einige Details weg, damit es runder klingt. Die Welt der Zuhörer wird bedacht und die Berichte werden quasi mit den Ohren der Adressaten vorgetragen. Eine Geschichte, die eine klare und einfache Dynamik und Struktur hat, lässt sich leichter erzählen und damit auch schnell verbreiten.

Die stete Präsens

Irgendwann kommt die Frage, wer steckt dahinter? Wer sind die Personen, die da etwas ‚verkaufen‘ wollen. Echt und in Farbe will man diese Vertreter sehen, man will sie anfassen, erleben, um glauben zu können, dass Botschaft und Botschafter zusammengehören. Es muss passen. Und der Botschafter selber wird zu einer Botschaft. Wenn es stimmig ist, muss er eine Sandale verlieren, über die dann die Fans wie bei Brian sagen können: Er hat uns ein Zeichen gegeben. Der Botschafter macht die Botschaft glaubwürdig, wenn er sich anfassen lässt und nicht nur die Botschaft herumträgt. Und manchmal muss man auch die richtigen Leute an einen einsamen Ort locken, weil sie nur dort intensiv mitbekommen, welche Kraft die Botschaft hat. Die werden losziehen und berichten.

Der Anfang

Dem Anfang wohnt ein Zauber inne, ich habe nur etwas gefunden. Mein Beitrag war lediglich das Finden. Doch dieser Zauber hat mich verwandelt, angespornt, ich brenne und bin zum Risiko bereit. Der Erfolg wird nicht ausbleiben, es könnte nur sein, dass er anders aussieht, als ich anfangs gemeint habe.

Thomas Holtbernd

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