Luxus richtig!

Gibt es das luxuriöse Leben im einfachen? Kann es falsch sein, wenn man richtig viel Geld ausgibt, um sich einen besonderen Luxus zu gönnen? Solche Fragen lassen sich moralisch beantworten und das Argument einer gerechten Verteilung der Güter sozialisiert den Luxus. Umgekehrt wird behauptet, dass wahrer Luxus nicht an Geld gebunden sei. Wer z. B. Zeit habe, der schwelge quasi im Luxus. Lässt sich Luxus gebunden an die Frage von Gerechtigkeit oder falschem und richtigem Luxus überhaupt in seiner Bedeutung für das Wohl des Menschen sinnvoll erfassen?

Various types of cheese

Lukas Gojda / Fotolia.com

Das Wort Luxus ist aus dem Lateinischen entlehnt und meint üppige Fruchtbarkeit, aber auch Pracht sowie Ausschweifung, Liederlichkeit und Schlemmerei. Es ist ein Zuviel, ein Mehr als normal, ein grenzenüberschreitendes Nehmen. Um zum Kern zu kommen, würde die Frage nach Gerechtigkeit eine weitere Frage vor die erste stellen. Im Luxus liegt ein Ungleichgewicht. Wer sich irgendeinen Luxus gönnt, nimmt mehr als er braucht und überlässt dieses, was er sich nimmt, nicht mehr dem Ganzen, das gerecht auf alle verteilt werden könnte. Gesteht man dem anderen das gleiche Recht zu, dann bedeutet dies gleichzeitig, dass der andere es nicht geschenkt bekommen kann, sondern es sich aus dem gemeinsamen Topf nehmen und im Sinne einer einfachen Verteilungsgerechtigkeit ein Unrecht begehen muss.

Schlichter Egoismus

Luxus ist nur möglich, wenn jemand ganz egoistisch seine Vorteile sieht. Gleichzeitig wird dieser Egoismus präsent und präsentiert. Luxusgüter sehen die anderen. Wer eine teure und luxuriöse Uhr trägt, macht sichtbar, was er über das Notwendige hinaus aus dem Kreislauf genommen hat. Mit einer Luxuskarosse durch die Stadt zu fahren, ist nicht nur bequem, sondern auch Machtdarstellung. Es wird deutlich, wer die Früchte gepflückt hat, wer einen größeren Egoismus bewiesen hat als andere. Dass ein solcher Auftritt Neid erweckt, ist seit Kain und Abel bekannt. Während aber der Beneidete seinen Luxus genießen mag, ist der Neider immer einer, der unzufrieden ist und nach gewaltsamen Taten drängt. Der Entschluss, seinen Luxus nicht zu zeigen, mag durchaus in manchen Situationen klug sein, doch ist es für den Neider kaum eine Hilfe und schmälert den eigenen Genuss. Die Unzufriedenheit dessen, der vor Neid gerne ganz gelb wird, ist durch eine solche Einschränkung lediglich reduziert, aufgehoben ist sie nicht.

Luxus ist auch Teilhabe am Überwältigenden

Auch wenn der Egoismus der Antrieb oder die Ursache dafür ist, dass jemand sich Luxus leisten kann, so ist der Genuss eines opulenten Mahls, einer schicken Kleidung, einer teuren Zigarre, eines exzellenten Weins, mit dessen Preis man einen Kleinwagen erwerben könnte, auch die Erfahrung davon, dass man dazugehört, dass man sich zu denen zählen kann, die es verstehen, die guten Seiten des Lebens zu erkennen und in angemessener Weise zu genießen. Nur weil etwas teuer ist, ist es noch nicht Luxus. Es muss als üppig erkannt werden können. Das Außergewöhnliche, der besondere Geschmack, die extravagante Ausstattung wird mit dem Üblichen abgeglichen und bewertet. Und weil man Teilhabe an diesem Besonderen hat, ist man auch etwas Besonderes. Neid bezieht sich wohl eher darauf und nicht auf die Luxusgegenstände als solche. Deshalb verändert sich das Gefühl auch nicht, wenn jemand einen Luxusgegenstand nur in seinen Besitz bringt. Man könnte sogar behaupten, dass Liebhaber von Luxus dem Materialismus abgeschworen haben.

Kapitalismus zerstört den Luxus

Die auf Geld angelegte Wirtschaft, wo reich nur der werden kann, der mit Geld sein Geld macht, vernichtet die Teilnahmemöglichkeit an einer besonderen Gruppe in der Gesellschaft, die sich Luxus leistet. Luxuswaren können von jedem gekauft werden, der auf irgendeine Weise zu Geld gekommen ist. Der ‚Luxuswert‘ ist orientiert am reinen Geldwert und Luxusgüter werden zu Spekulationsobjekten. Es wird nicht präsentiert, was man sich leisten kann, sondern das, womit man einen großen Gewinn machen kann. Nicht die Teilnahme an der Gruppe, die sich Luxus leisten kann, steht im Vordergrund, sondern die geschäftliche Fähigkeit und die schlaue Aktion innerhalb eines bestimmten Netzwerks. Üppige Fruchtbarkeit wird nicht zugelassen, da sie kurz vor dem Verblühen stehen und dann nicht mehr als Geldvermehrer eingesetzt werden kann. Es werden teure Weine gekauft, um darauf zu wetten, dass sie bei einer Auktion in einigen Jahren einen vielfachen Wert erreichen können. Was als Luxus präsentiert wird, ist nur das, was wiederum Symbol für einen hohen Preis ist. Wahrer Luxus ist es jedoch erst dann, wenn der Erwerb astronomische Summen verschlingen würde und in Euro oder Dollar gar nicht vorstellbar ist. Das Unerreichbare macht Luxus aus und hat sich wohl deshalb zu einem Artikel entwickelt, den man mit Geld nicht kaufen kann.

Thomas Holtbernd

Ein Gedanke zu “Luxus richtig!

  1. Luxus…
    es ist der Futterneid der Dummen und Armen, der die Reichen reich macht.
    Entsprechend offenbart der Krieg die Dummheit der Reichen :
    „pax et iustitia „…!

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