Modernes Allerheiligen: Hollywood erbarme Dich

Heilige als Vorbilder gelten oft als „uncool“. Jemanden zu verehren, weil er aus dem Glauben gelebt hat, gilt als nutzlos und weltfremd. Dennoch werden auch heute noch Menschen verehrt. Oft liegt die Verheißung dabei jedoch nicht im Jenseits, sondern im Diesseits. Stars sind die modernen Vorbilder: reich, schön, berühmt. Hollywood, erbarme Dich.

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Religion wird nicht aufgelöst, sondern nur ersetzt

In der Moderne gibt es die Vorstellung, Religion könne man auflösen und begraben. Der moderne Mensch brauche weder Gott, noch eine Kirche und Priester. Wie Heilige damals Menschen als Vorbilder gedient haben, so sollen nun oft Stars dazu herhalten. Hollywood wird zum Himmel des Diesseits. Die Verehrung der Hollywoodund-Stars steht dem Heiligenkult des Mittelalters – der nicht selten missbräuchlich war – in Nichts nach. Stars haben die Heiligen ersetzt und ins Diesseits zurückgeholt. Magazine, Fernsehserien, Reportagen, Mode, Kosmetik, Poster – sie zeigen den Star gleichsam als religiöses Vorbild. Dem Star will man nacheifern in Reichtum, Schönheit und Berühmtheit.

Allerheiligen als Alternative

Genau anders will das Allerheiligenfest sein. Heilige verkörpern eine Alternative im Namen des Evangeliums. Arm und gezeichnet haben viele gerade jene Lebensjahre verbracht, in denen ihre wichtigsten Entscheidungen und prägendsten Jahre fielen. Hier stellt sich natürlich direkt die verständliche Frage: Wieso soll man  so einen/so eine als Vorbild ansehen? Was nützt das? Was ist daran schön und ansprechend? Auf diese Frage gibt es keine Antwort, die mit modernen Selbstverwirklichungsvorstellungen vereinbar ist. Was man sagen kann, ist die Aussage Jesu: „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“ (Mk 8,35). Doch das wirkt unmodern, weltfremd und nicht erstrebenswert. Ein modernes Leben scheint ja dann „gerettet“ zu sein, wenn es eben nicht um Jesu willen verloren gegeben wird, sondern das Selbst mit allen Annehmlichkeiten gerettet wird. Sich zu nehmen, was man kann gilt oft als der wichtigste Imperativ. Wenn die Heiligen auch keinen weltlichen Ruhm vorweisen können, so doch einen inneren Frieden, der zeigt worum es eigentlich geht.

Wir bitten Dich, erhöre uns

Heilige stehen nicht für sich selbst, dürfen nicht angebetet werden, denn nur Gott allein gilt die Anbetung. Heilige sollen Fenster sein, in denen die Herrlichkeit Gottes durchstrahlt. Wenn sie den Weg versprerren, sind sie nicht dienlich. Wie Hollywood-Stars für den ganzen Glanz der Welt stehen, stehen Heilige für den ganzen Glanz des Glaubens. Weil das eben nicht auf den ersten Blick einsichtig ist, wird der Glaube schnell als „unsinnig“ abgetan. Die Kirche weiß um die Schwachheit des Glaubens. Nicht umsonst wird in der Allerheiligenlitanei gebetet: „Erfülle alle Glieder der Kirche mit der Kraft des Heilgen Geistes“ – „wir bitten Dich erhöre uns“. Was ist nun die tiefste Wahrheit des Lebens? Gottvertrauen oder säkulare Selbstverwirklichung? Die persönliche Antwort gibt jeder mit seinem Leben.

Josef Jung

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