Der Kult um das Veggie Kalb

Im Alten Testament glaubte das Volk nicht mehr an die Verheißung Gottes und wollte stattdessen sichtbare Götter, ein goldenes Kalb. Heute glauben viele ebenfalls nicht mehr an einen allmächtigen Gott, aber an das Heilsversprechen des Salates. Anstatt ewiges Seelenheil verfolgt man Gesundessen im Veggie-Lifestyle.

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Traditionelle Religiosität verschwindet, das schlechte Gewissen nicht

Traditionelle Formen der Religion, besonders innerhalb der katholischen Kirche, verschwinden. Sie wirken wie Dinosaurier in den letzten Tagen. Die sich verändernden Umweltbedingungen zerstören die Lebensmöglichkeiten. Beim Katholizismus scheint die Moderne die Änderung zu sein, die alles Bisherige zerschlägt. Sichtbar wird diese Umwälzung unter anderem in der Beichtpraxis, die nahezu ausgestorben ist. Doch sind damit keineswegs Schuld und schlechtes Gewissen gestorben. Der Mensch fühlt sich nach wie vor schuldig und sucht irgendwie das Heile, Heilige und Erlösende, halt nur nicht mehr in den traditionellen Formen. Nein, der Theismus ist weitgehend einem Naturalismus oder einer pantheistischen Verklärung gewichen, anstatt eines metaphysischen Gottes sucht man nun woanders sein Heil. Handfester soll es sein und das Gewissen beruhigen.

Der Veggiekult als neue Form des Bußsakraments

Der Vegane- oder Veggiekult ist eine neue Weise, mit Schulderfahrungen und Heilssehnsüchten umzugehen. Tiere sollen von der Schuld erlösen. Oder besser gesagt: Der Verzicht auf Tiere, die mitunter auch als beseelt und damit menschennah betrachtet werden, soll dazu beitragen, sich weniger schuldig zu fühlen. Der Fleischverzicht oder das Essen rein pflanzlicher Produkte dient als Akt der Buße. Der Vegetarier ist damit der moderne Büßer, der seine Absolution durch die Pflanzen erhalten will. Vegetarismus ist der heutige Büßerstand, wenn man es noch eine Nummer härter will, kann man zum Veganismus übergehen. Wenn Tofu auf dem Teller liegt, das Gute siegt. Man weiß sich eine Stufe über dem Bösen, dem Fleischverzehr. Man rettet die Welt und zumindest auch seinen Körper vor dem giftigen Fleischkonsum. Denn allgemein wird propagiert, dass Pflanzen, und alles, was irgendwie Bio- und Ökosiegel hat, besser ist; man somit was für eine Gesundheit, sein körperliches Heil tut. Der Wettlauf um das Körperheil kennt keine Grenzen und keine Pausen. Man kann dafür nicht genug Kräuter, Körner und Salate essen. Gesundheit als Eigenverantwortung. Selbst schuld, wer da nicht mitmacht. Wie kann man sich noch beklagen, wenn man als „Falschesser“ mit Krankheit bestraft wird? Weiß man als aufgeklärter Mensch doch, dass man ist, was man isst.

Eines fehlt in der modernen Buße

„Ego te absolvo“ – Ich spreche dich los so lautet der Satz in der Beichte, durch den der Priester in der Person Christi Sünden vergibt. Eine Lossprechung gibt es beim Veggiekult nicht. Klar, vegane Gesundesser versuchen sich die Absolution anzuessen, aber es klappt nicht. Es gibt keine Barmherzigkeit im Öko- und Pflantenkult, nur den stetigen Antrieb des schlechten Gewissens, das permanente Zurückbleiben hinter dem eigenen Anspruch, hat man doch trotz aller Mühe zu viel CO2 ausgestoßen oder versehentlich ein Medikament gekauft, für das Tiere leiden mussten. Krankheit und Klimawandel mögen nun als Strafen des Universums auf einen herabkommen. Wer kann da noch sagen, das Christentum habe in der Vergangenheit zu sehr einen strafenden und unbarmherzigen Gott verkündet?

Josef Jung

5 Gedanken zu “Der Kult um das Veggie Kalb

  1. Dem kann ich als Veganer in keinster Weise zustimmen. Diese Sichtweise teile ich nicht. Mir scheint, du gehst davon aus, dass die Schuld die Ursache des Verzichts sei. Allerdings ist es die Vermeidung von unnötigem Leid, was den Verzicht anregt. Daher fällt kein schlechtes Gewissen an. Mit Religion hat das noch nicht viel zu tun, sondern eher mit mündigem Konsum. Dass Religionen viel zu oft Ausreden für unmoralische Verhaltensweisen bieten ist wohl ein anderes Thema. Solange man glaubt Regeln zu befolgen macht einem ‚gut‘ anstatt durch Erfahrungen des Herzens zu wachsen, wird es verstümmelte Reste von Religionen geben, die nicht helfen.
    MfG toe

  2. Also dem kann ich so nicht zustimmen. Ich lebe selbst vegan und das nicht, weil ich mir die Absolution im Pflanzentum verspreche.
    Im Gegenteil, mit Religion hat das überhaupt nichts zu tun. Sondern vielmehr mit moralischer Differenzierung etwas, das unnötiges Leid verursacht nicht länger unterstützen zu wollen.
    Andernfalls müsste man behaupten jeder, der etwas für falsch hält wie z.B. Diskriminierung oder Antisemitismus, und sich dagegen ausspricht bzw. sich dagegen stark macht, täte das nur um sich die Absolution im Nicht-schuldig-sein zu holen. Somit spräche man dem Menschen die grundsätzliche Fähigkeit zur Selbstlosigkeit sowie zur Moral ab. Und meines Erachtens nach sind das ja eigentlich genau solche Werte, die der Glaube an Gott anstrebt und für sinnvoll hält.

    Veganismus ist eine Lebensphilosophie, die gerne mal als Religion herab degradiert wird. Umso bedauerlicher ist es, wenn Vertreter des Glaubens dann versuchen dies ebenso herabzupredigen. Denn meiner Ansicht nach lassen sich viele Werte einer veganen Lebensweise wie z.B. so wenig Leid wie möglich verursachen zu wollen, umweltbewusst und ressourcenschonend, statt blind konsumierend zu leben, gerade mit Glaube gut vereinen. Somit bin ich persönlich der Ansicht, dass man als gläubiger Mensch mindestens vegetarisch und idealerweise vegan leben sollte, statt das Fleischessen in einer Gesellschaft von heute mit Religion zu argumentieren.

    Lg

  3. EIn ganzer Artikel über das angebliche Entsühnungsgehabe der Vegetarier.

    Eine Fülle an Unterstellungen, welche Komplexe, Schuldgefühle, arrogantes Überheblichkeitsgehabe jemanden zur vegetarischen Lebensweise animiert…

    Wie wäre es, stattdessen einmal sachlich positiv über das souveräne Fleischessen zu schreiben, wenn es Herrn Jung ein Anliegen ist. Und wenn dem in der heutigen Zeit nicht viel Positives abzugewinnen ist, kann man immer noch glücklich und unangefochten in sein Antibiotika-Hähnchen beißen und zu dem Thema ansonsten den Mund halten.

    Wieso wird Menschen mit vegetarischer Lebensweise von nicht nur diesem fleischessenden Menschen immer wieder Arroganz und eine Fülle an Komplexen unterstellt? 1. Wer verhält sich hier arrogant? 2. Wieso fallen hier keine sachlichen Argumente für den Fleischkonsum in heutiger Zeit und unter heutigen Bedungungen, statt psychologischer Unterstellungen? (Gibt es vielleicht keine?)

    BItte um eine redliche Auseinandersetzung zu diesem Thema.
    Vegetarisch leben geht überraschend einfach und schmeckt gut. Verglichen mit dem, was meine Eltern und Großelterngeneration über den strafenden Gott erfuhren und was sie an knechtenden Regeln und erniedrigenden Erfahrungen nicht nur im Bereich der Sexualität erlebten, beiß ich doch locker und entspannt in mein Gemüse und kann Ihnen, Herr Jung, ihr Steak gönnen.

    Übrigens kann ich auch als Christin Umweltzusammenhänge sehr ernst nehmen und mich zu entsprechendem Handeln aufgerufen fühlen. Sie können gerne der sein, der auf dem Hausdach bei steigender Flut das Boot und den Hubschrauber vorbei ziehen lässt. In der entsprechenden alten Geschichte fragt das betende Flutopfer – nachdem es ertrunken ist – im Himmel Gott, warum dieser es nicht gerettet habe. „Ich habe dir das Boot, den Hubschrauber geschickt…“
    Aber dass Sie auch noch denen, die die Zusammenhänge der Schöpfung ernst nehmen und wo möglich das Boot wählen, mangelndes Gottvertrauen und Schuldkomplexe unterstellen, ist völlig unnötig.

  4. Moderne als Meteorit…???
    Nein,der katholisch- traditionelle Dinosaurier wurde duch sein – “ Wasser predigen und den Wein saufen“ hinauskatapultiert.
    Vegetarismus und Veganismus sind die nicht nur biblisch tradierten uralten Ernährungsweisen, bei denen die Alten noch“ gesund sterben“ durften.

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