Harald Stollmeiers „Märchen von Liebe und Mut“: Eine Einführung ins Christentum für die säkulare Zeit

Gute Märchen sind keine „Gutenachtgeschichten für Kinder“, sondern erzählen Lebensweisheiten, erziehen Erwachsene und schöpfen dafür aus den Tiefen der Mythen und Legenden. Sie wollen uns erzählen, wer und wie wir sind und zeigen echte Menschlichkeit. Genau das tun die Märchen von Harald Stollmeier. Das Christus-Motiv schwingt dabei immer implizit mit.

Das Buch:

Das Buch: „Märchen von Liebe un Mut“

Sieben „Märchen von Liebe und Mut“

Das Buch selbst ist eher ein kleines Büchlein, es enthält sieben Märchen und umfasst – je nach Format -, etwa 100 Seiten. Das erste Märchen handelt von einem Mann und einer Frau im Paradies. Die Gemeinsamkeiten zum zweiten und dritten Kapitel des Buchs Genesis in der Bibel sind für Bibelkenner unüberlesbar. Dann folgt ein Märchen über die Faszination eines Jungen von einem Eisvogel, danach eines über zwei Brüder und eine fantastische Reise mit unterschiedlichem Ausgang. Sodann handelt das nächste Märchen von einer Prinzessin, die von einer Eule mit trauriger Vergangenheit heimgesucht wird. Das darauf folgende Märchen mit dem Titel „Das Landschaftsbild“ fällt insofern etwas aus dem Rahmen, als explizit christliche Begriffe wie „Rosenkranz“ und „Kreuzzeichen“ vorkommen und es daher nicht mehr indirekt, sondern explizit den Bezug zum Christentum deutlich macht. Das vorletzte Märchen, „Der gläserne Würfel“ ist spannend erzählt und entführt einen in eine dunkle Fantasywelt. Das Buch endet mit einem Märchen über Mobbing, damit ist ein aktueller Bezug hergestellt. Auch beschreibt dieses Märchen gut die Psychologie des Mobbings auf Seiten der Täter und Opfer. Überhaupt gelingt es Harald Stollmeier in seinem Buch gut, die Schwächen, aber auch die Stärken des Menschen aufzuzeigen. Nicht naiv, sondern hoffnungsvoll und ermutigt, so lassen einem die Märchen zurück.

Das Christus-Motiv

Die Märchen passen gut in die säkulare Zeit, weil sie nicht Glaubenskenntnisse voraussetzen, sondern genau umgekehrt: Sie ermöglichen es zum Glauben zu gelangen. Die einzige Voraussetzung dabei ist, sich einzulassen und sich zu fragen, was es genau ist, dass die Personen in den Märchen „rettet“. Dabei kommt einem als Christ immer das in den Sinn, was das Christus-Motiv schlechthin ist: Ein Opfer aus Liebe bringen. Das Opfer ist dasjenige, was in allen Märchen das erlösende und rettende Moment ist. Das Wort „Opfer“ ist heute deswegen in Verruf geraten, weil man damit oft irgendwas Blutiges, Grausames, Paganes oder Vormodernes verbindet. Genau darum geht es aber nicht. Es geht um neues Leben, um Mut, der zur Liebe befreit. Die Märchen machen dies sehr deutlich. Jedes Märchen ist eine kurze Geschichte, die ähnlich wie ein klassisches Drama aufgebaut ist, zumindest kommt es am Ende immer zu einem Dénouement, zur „Auflösung der Knoten“, indem sich nach der Peripetie, dem Höhepunkt, die Situation des Protagonisten ins Gegenteil verkehrt. Die Katastrophe bleibt aus, denn immer ereignet sich durch ein Opfer die Rettung aus der vermeintlichen Tragödie in eine frohe Botschaft. Den Märchen liegt das Evangelium zu Grunde. Daher lässt es sich auch leicht verstehen, wenn es mit den Worten endet: „Ich bin immer bei dir […] fürchte dich nicht.“

Josef Jung

Link zum Buch: https://tredition.de/autoren/harald-stollmeier-15463/maerchen-von-liebe-und-mut-hardcover-46064/

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