Technik als Religionsersatz?

Religion und Technik – zwei sehr unterschiedliche Themen mag man meinen, aber vielleicht gibt es ja doch den einen oder anderen Zusammenhang? Was behandelt die Technik? Was sind die eigentlichen Funktionen der Religion?

Fotlia, DigitalGenetics

Fotlia, DigitalGenetics

Gott ist allgegenwärtig. Doch inzwischen ist die Technik das doch auch – oder?

Mittlerweile kann man sich die Technik aus unserer Welt nicht mehr wegdenken. Sie ist da – und das in den verschiedensten Bereichen unseres alltäglichen Lebens. Heute ist die Lösung für ein Problem oder die Antwort auf eine Frage meist nur einen Mausklick entfernt – wobei ja selbst die Maus heute veraltet ist: Touch it! Wenn wir etwas wissen möchten oder einen Rat brauchen, dann schicken wir nicht etwa Gebete zum Himmel, sondern fragen einfach Google. Die Einkaufsliste wird nicht mehr mit der Hand geschrieben, sondern wird ganz schnell in die App eingetragen.
Wo man auch nur hinschaut – Technik scheint überall – allgegenwärtig – zu sein und einen sehr hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft und Zeit zu haben.
Aber brauchen wir in solch einer technisierten Welt überhaupt noch die Religion? Oder löst die Technik die Religion ab? Vielmehr – ist die Technik etwa schon die neue Religion von heute? Ist das 2015? Wenden wir das doch nun auf die drei Tugenden aus der Theologie an:

 Technik als Religion: Glaube, Hoffnung und Liebe.

Das kalifornische Unternehmen Apple ist wohl die Anlaufstelle überhaupt, wenn es um Technik geht. Vom iPhone über die MacBooks bis hin zu iTunes, den eigenen Betriebssystemen und der Anwendungssoftware eingeschlossen, bietet Apple genau das an, was wir Nutzer uns wünschen. Nicht nur die große Auswahl verschiedener Geräte macht die Marke Apple interessant, sondern auch die äußerst aufwändige und hippe Inszenierung des Unternehmens.

Apple kann sich sehr gut vermarkten – sei es das schlichte, aber dennoch luxuriöse Verpackungsdesign der iPhones oder die perfekt inszenierte Werbung, mit der Apple uns zeigt, was das aktuelle Musthave ist, um up to date zu sein.

Gibt es hierbei eine Gemeinsamkeit mit der Religion? Ja! Diese Form der Technik spielt mithilfe der Ritualisierung ihrer Produkte mit dem Glauben. Denn durch das rituelle In-Szene-Setzen ihrer Produkte, wie z.B. in der Werbung, verleiht Apple seinen Produkten automatisch und klammheimlich einen religiösen Touch, der aber von den Nutzern meist gar nicht so offensichtlich wahrgenommen wird.

Wir Menschen müssen scheinbar immer an irgendetwas glauben: Ob es nun die Religion ist oder eben die Technik – in Apple we trust!

Was die Hoffnung angeht, wird diese heute weniger religiös, aber dafür mehr technisch interpretiert. Wir hoffen heute nicht mehr auf Wunder oder haben Wünsche, die in Zukunft in Erfüllung gehen sollen. Heute setzen wir größere Hoffnungen denn je in die Technik! Wir hoffen, dass sie all unsere Probleme löst und unsere Welt ‚noch besser’ und einfacher macht.

Ob wir nun traurig oder verzweifelt sind und Trost suchen – die Technik scheint für uns da zu sein und das zu jederzeit: Sie ist immer verfügbar und abrufbreit! Aber in erster Linie hoffen wir auf noch mehr und noch schnelleren Fortschritt – noch mehr Möglichkeiten – immer weiter, schneller und besser!

Ähnlich verhält es sich mit der Liebe im gemeinsamen Miteinander: Heutzutage ist jeder von uns zuerst mit sich selbst bzw. mit der Technik beschäftigt. Wer braucht schon noch soziale Kontakte, Freundschaften, Partnerschaften oder eine Gemeinde, mit der man sich austauschen und Dinge teilen kann, wenn es all das auch bei Facebook gibt? Facebook oder andere soziale Netzwerke sind für uns mittlerweile zu einer Art Gemeinde geworden. Wir können mit viel mehr Menschen auf der ganzen Welt kommunizieren und das über alle möglichen Themen.

Religionsersatz: Ja oder nein?

Vielleicht hat die Technik die Religion noch nicht vollständig und bei jedem Menschen ersetzt, aber sie tut es immer mehr – Stück für Stück, sodass wir es gar nicht bewusst mitbekommen. Die Religion wird also immer weiter zurückgedrängt, während die Technik stark auf dem Vormarsch ist.
Gerade die jüngere „Generation Z“, die schon mit dem Internet, Tablets und Smartphones aufgewachsen ist, kennt ja gar keine Welt, die ohne digitale Technologien auskommt. Dieser Generation wurden eventuell auch nicht mehr so starke religiöse und traditionelle Werte vermittelt, wie es noch bei den Generationen zuvor der Fall war. Es spielen also ein paar Faktoren eine entscheidende Rolle.
Die Religion wird wahrscheinlich nie ganz von der Bildfläche verschwinden, jedoch wird sie durch die Technik allmählich ersetzt bzw. in die Technik integriert – Technik und Religion werden eins!

Technik transzendiert auch den Tod

Demzufolge müsste die Technik dann aber auch die Fragen klären können, die das Ende unseres Lebens betreffen. Wie verhält es sich mit dem Tod und der Technik? Was kommt nach dem Tod oder ist dann etwa endgültig Schluss?

Nein – noch lange nicht! Denn mithilfe neuer Technologien wird versucht, das Unmögliche wahr zu machen! Das Verfahren heißt Kryonik: Organismen oder einzelne Organe z.B. meist das Gehirn, werden mittels Eis/Frost bzw. flüssigem Stickstoff konserviert, um sie in der Zukunft wieder ‚aufzutauen‘ bzw. wiederzubeleben. Frei nach dem Motto: Forever young!

Ob dies tatsächlich funktionieren wird? – das werden die Zukunft und ihr technischer Fortschritt zeigen.

Isabel Stagen

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