Haus HohenEichen. Ein Geistliches Zentrum am Rand von Dresden

Foto: Maximilian Röll

Foto: Maximilian Röll

Ein Mann gießt aus einer Karaffe stilles Wasser in das Glas seines Nachbarn. Der bedankt sich mit einem wortlosen Nicken. Licht fällt durch eine Glasfront in den warmen Raum, indem die Gäste still Suppe essen. Selbst bei der Mahlzeit herrscht im Exerzitienhaus eine konzentrierte Atmosphäre

, in der die einzigen gesprochenen Worte die Gebete am Anfang und am Ende sind. Das zeichnet das Haus HohenEichen bei Dresden für seinen Leiter, Pater Wilfried Dettling SJ aus: Stille in einem warmen, konzentrierten Hausensemble, indem die Exerzitanten die Freiheit gewinnen, zu Gott und zu sich selbst zu kommen.

Bei Exerzitien Einfachheit bieten und fördern

Die Stille ist das auffallendste Merkmal, das der Besucher wahrnimmt. Es gibt hier keine ablenkenden Geräusche. Hektik kennt dieser Ort nicht. Es wirkt etwas surreal, wenn die Gäste durch den Garten und die Räume gehen. Sie sprechen nicht miteinander, schauen wahlweise ins Weite oder richten ihre Augen auf den Boden. Sie schreiten langsam durch den großen Park. Gerade nach den Mahlzeiten sieht der Beobachter, wie die Gäste vom Seminarhaus ausschwärmen oder hinunter zur Elbe schauen.

Das Haus bietet einen Rahmen, indem alle Lebensfragen Platz haben, so Pater Dettling. Menschen kommen aus einer bewegten und bewegenden Umwelt, in der ständig etwas von ihnen verlangt wird und auf sie einwirkt. Dadurch werden wichtige Fragen zugunsten von dringenden Anforderungen verdrängt. Das Haus HohenEichen will diese Themen wieder zulassen. Der Aufbau des Ensembles hilft dabei. „Persönliche Überlegungen verlangsamen, Einfachheit bieten und fördern“ fasst Leiter Dettling das Konzept zusammen.

Wie in einem Kloster

Neben dem alten Haus, das den Ursprung von HohenEichen bildet, gibt es auch vier neue Bauten, die in den 90er Jahren gebaut wurden, um den Exerzitienbetrieb zeitgemäß zu gestalten. Der Altbau beherbergt die Räume für die Gäste, im Seminarbau liegt das Esszimmer. Daneben gibt es noch eine Kapelle, ein Haus für die Jesuitenkommunität und eine Hütte, in der Gäste als Selbstversorger für längere Zeit wohnen können. Dem Ambiente liegt ein Plan zugrunde, der wie die Stille alle Ablenkungen von den Gästen fern halten soll. Entsprechend verzichtet man auf Bilder, dominant sind die weißen Wände und das viele Holz, das dem Haus einen warmen Charakter verleiht.

So kann HohenEichen seinem Auftrag als Ort der geistlichen Hilfestellung gerecht werden. Denn nicht nur der Raum, auch die hier wirkenden Menschen wollen den Gästen dabei helfen, geistlich zu wachsen. Neben den Angestellten und den geistlichen Begleitern, die aus anderen Städten kommen, stehen die Jesuiten vor Ort für dieses Konzept. Die Atmosphäre des Hauses verbindet Dettling besonders mit der Kommunität, die derzeit aus vier Patres und einem Bruder besteht. Es sei wie in einem Kloster, indem es einen gelebten Inhalt gebe, so Dettling. So feiern die Jesuiten an jedem Tag gemeinsam die Messe. „Sie nehmen vorweg, was sie sie ihren Gästen vermitteln wollen“ hat ein Besucher zu ihm gesagt.

Stiftung der Maria Immaculata von Sachsen

HohenEichen blickt auf eine fast 100-jährige Geschichte zurück. 1921 erwarb die Wettinerin Maria Immaculata von Sachsen das Haus mit dem Ziel, es dem Jesuitenorden zu übergeben. Die Anlage ging nicht direkt an den Orden, da der schon einmal aus Deutschland vertrieben worden war, sondern an eine Stiftung. Die Jesuiten waren aber als Betreiber des Hauses vorgesehen. Das fand im Orden großen Anklang. Der damalige Provinzial erklärte gegenüber der Stifterin: „Ein idealer gelegenes Exerzitienhaus lässt sich kaum denken.“

Nach Umbaumaßnahmen wurde das Haus in Betrieb genommen und die Jesuiten wirkten dort bis zum Zweiten Weltkrieg. Erst 1941 wurde es zusammen mit der Stiftung beschlagnahmt. Doch schon 1945 zogen die Jesuiten wieder ein und ab 1950 fanden die ersten Kurse statt. Eigentümer des Hauses war in der DDR der Bischöfliche Stuhl von Dresden-Meißen als Rechtsnachfolger der Stiftung. Dem Orden gehört das Haus erst seit 1994. In den 90er Jahren wurde das Ensemble dann vollständig umgebaut, aus dieser Zeit stammen auch alle Neubauten.

Ort für Christen und Nichtchristen

Für das Bistum Dresden-Meißen fungiert HohenEichen als bedeutender spiritueller Dienstleister. Zum einen stellt das Haus mit seinen Angeboten einen Kraftort dar, besonders für die kirchlichen Mitarbeiter, aber auch für andere gläubige Menschen. Zudem bemüht sich das Haus um die ökumenische Zusammenarbeit, die im Diasporagebiet Sachsen für beide Kirchen von großer Bedeutung ist. So kooperiert HohenEichen mit dem evangelischen „Haus der Stille“ in Dresden. Das Haus wirkt aber auch auf Nichtchristen. Besonders die kontemplativen Kurse führen Kirchenfremde und Agnostiker nach HohenEichen, das damit den Auftrag des ehemaligen Bischofs von Dresden-Meißen, Joachim Reinelt erfüllt: „Seht zu, dass die Türen weit offen stehen, für Christen und Nicht-Christen.“

Exerzitien: Sich selbst und Gott finden

Nach dem Essen gehen die Gäste durch die großen Türen nach draußen in den Park. Einige setzen sich auf die Bänke und schlagen ihre Bibeln auf. Manche blicken in die Dresdner Innenstadt mit Frauenkirche und Zwinger. Von der Hektik des Zentrums merken sie nichts. Erst, wenn sie das Haus wieder verlassen, werden sie von den Zwängen des Alltags eingeholt. Dann mag ihnen das Haus wie eine Oase der Ruhe erscheinen inmitten der Stadtwüste. Denn sie sind nicht gekommen, um zu bleiben, sondern um etwas mitzunehmen: Sich selbst finden, Gott erfahren und das Erlebte weitergeben. Das ist der Auftrag von HohenEichen.

Zur Homepage des Hauses.

Text und Foto: Maximilian Röll

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