Warum die Replik: “Ich bin ein Hurra-Katholik” den Kern der “falschen Mission” nicht trifft

Die Replik “Ich bin ein Hurra-Katholik” wollte auf meinen Artikel “Die falsche Mission” antworten. Doch das tut sie nicht. Stattdessen wird über Kunst und Technik als gute Methoden zur Glaubensverbreitung geschrieben. Der Kern der Missionskritik ist aber ein ganz anderer. Eine Reaktion.

Foto: dpa / picture-alliance

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“Was ist die Botschaft des Artikels: „Die falsche Mission: Warum „Hurra-Katholizismus“ gefährlich ist“? Sei kein froher Christ? Pass auf und nehme die katholische Lehre nicht zu ernst? Moderne Technologie und Arbeitsweisen sind nichts für dich? Bei dir ist eh alles nur Show? Du interessierst dich nicht für die Armen und dienst nur den Reichen?“

So lauten die einleitenden Fragen an meinen Artikel. Doch in meinem Artikel geht es um keine dieser Fragen. Es geht um eine These, die nach der Beziehung zwischen Wahrheit und Show fragt und totalitäre Gefahren sieht:

„Grundproblem bei all dieser Inszenierung [Hollywood-Mission] ist, dass sie, vor allem wegen der Methoden, nur eines sein kann: Show. Und das ist das große Problem. Gefährlich wird diese Show, weil sie mit dem Anspruch auftritt, rechtgläubig zu sein. Der mediale Schein wird mit einem Wahrheitsanspruch verbunden. Es wird der Eindruck vermittelt, rechtgläubig hieße, sich mit Hollywood-Methoden lobpreisend durch die Welt zu bewegen, ohne Zweifel, im Besitz ewiger Wahrheit und Heiterkeit zu sein. Hier rückt der Glaube sogar gefährlich nahe in den Bereich des Totalitären, denn Zweifel und Widerspruch sind nicht erlaubt, weiß man sich doch als „romtreuer“ „Praise the Lord“-Anhänger auf der richtigen Seite. So macht man aber Menschen gefügig und manipulierbar.“

Es geht weder darum, die Lehre nicht ernst zu nehmen, noch darum kein froher Christ zu sein oder um Technologiekritik. Ich meine, dass eine gefährliche Schieflage erreicht wird, wenn Mittel der Unterhaltung zur Wahrheitsmission benutzt werden. Das hilft meiner Ansicht nach weder dem Glauben, noch der Unterhaltung. Es kann, so meine ich, kein Glaube, der das Leben trägt, vermittelt werden, wenn man eben das wirkliche Leben zugunsten einer Show ausklammert. Daher auch meine Anfragen:

„Doch was ist, wenn das Leben anders ist, als es der Hollywood-Katholizismus darstellt? Was, wenn Beziehungen und Ehen auch bei „romtreuen“ Katholiken scheitern? Was, wenn man arbeitslos wird? Was, wenn die Priester doch nicht so heilig sind, wie die Videos und Predigten es einem weißmachen wollen? Was, wenn wir trotz allem doch Menschen mit Fehlern, Schwächen und Sünden blieben, die sich nur zweifelnd und fragend, aber keineswegs sicher dem Glauben nähern können? Was, wenn das Leben viel bunter, viel facettenreicher ist, als das Schwarz-Weiß-Schema des ständigen Lobpreises?“

Mit Augustinus Confessiones und religiöser Kunst zu antworten, geht am Problem vorbei. Zumal Augustinus Confessiones weinende Bekenntnisse sind. So starb er auch weinend, die Psalmen betend, während die Vandalen Nordafrika verwüsteten.

Es geht um die Frage wie man die eigene als wahr erkannte Überzeugung vermitteln kann, ohne dass man Zweifel, Kritik und berechtige Anfragen ausklammert. Im Katholizismus der Hollywood-Methoden, den ich in den USA kennengelernt habe, habe ich keine Freiheit und Weite des Denkens kennengelernt. Man wähnte sich im Besitz der Wahrheit, die man mit Shows präsentierte. Dabei wurde die Wirklichkeit aus dem Blick verloren und ein schiefes Bekenntnis herbei-emotionalisiert. Wahrheit wird so zur Macht und Besitzfrage, auch über andere. Man kann sogar fragen, ob hier nicht eine Art Indoktrination zugange ist, um nicht Schlimmeres zu schreiben. Daher auch mein Vorwurf der Manipulation und der Gefahr. Der ehemalige Bischof von Aachen, Klaus Hemmerle, sagte einst: „Jesus kam leise.“ In diesem Satz ist alles ausgesagt, was an der Show falsch läuft.

Josef Jung

Die beiden Artikel:

Die falsche Mission

Ich bin ein „Hurra-Katholik“

3 Gedanken zu “Warum die Replik: “Ich bin ein Hurra-Katholik” den Kern der “falschen Mission” nicht trifft

  1. Pingback: Die falsche Mission: Wie mit Hollywood-Methoden Menschen zum Glauben verführt werden sollen | hinsehen.net

  2. Pingback: Ich bin ein „Hurra-Katholik“ – Eine Replik auf den Artikel: “Die falsche Mission”   | hinsehen.net

  3. Als ich den Artikel gelesen habe, dachte ich mir, „hier schreibt jemand, der nicht untergetaucht ist in dieser amerikanischen Variante des Katholizismus“. Schade, denn er versteht auf diese Weise nur so wenig und platziert deshalb alles in dem Referenzrahmen eines Deutschkatholiken. Vorweggenommen; auch in Jesu Nähe waren viele mit ihm im persönlichen Kontakt, ohne dass der Funke sprang.

    Wer viel im amerikanischen Netz unterwegs ist, nicht nur surfend, sondern auch herumlümmelt auf den Foren, der kriegt so einiges mit an amerikanischer ‚Netzologie‘. Eigentlich ist es ganz einfach. Wir sind dazu gerufen, allen die Frohbotschaft zu bringen. Nur hört nicht jeder auf die gleiche Weise zu, vergleiche die Intelligenzen von Howard Gardner. Wenn jedenfalls, auf welcher Weise auch, die Interesse geweckt ist, geht es darum, die intrinsische Motivation zu wecken.

    Es wird des Öfteren von Europäern behauptet, die sog. Hollywood-Mission kann nur eines sein; Show. Dafür hätte ich gerne Beweise. Vieles in der Bibel ist genau das gleiche; Show. Denke Elia und die Baalspriester. Nur Show. David und die Arche. Nur Show. Noach und die Arche. Nur Show. Salomon mit seinem Supertempel und seine 1000 Frauen. Nur Show.

    Show jedoch lenkt die Aufmerksamkeit auf sich. Gott weiß wie wahr! Bei seiner Geburt als Kind Mariens machte er auch wieder eine Show; aus dem Osten kamen sogar Sterndeuter die ’sein Zeichen‘ gesehen hatten. Außerdem kam ein Engel zu Maria, dann zu Josef, dann zu den Hirten, dann zu den Weisen, dann wieder zu Josef. Nur Show. Ach, und diese Show mit dem Tempel, als der Herr gerade mal 12 war. Nur Show. Und dann bei seiner Taufe. Musste denn das unbedingt sein – mit dem Himmel und dieser Taube?! Nur Show. Etwas später dann die Hochzeit in Kana. Nur Show.

    Problem in unserer Gesellschaft – die amerikanische ist eine Extremform von dem was wir kennen – ist wohl, dass wir über die Medien uns an solche Formen der Kommunikation gewohnt haben. Ich als Lehrer brauche nicht mit den alten Episoden von Lassie, Skippy oder Flipper kommen. Zu wenig Bildschnitte pro Minute. Also muß die Geschichte neu verfilmt werden. Und nichts anderes machen menschen wie P. Roderick Vonhögen oder Bischof Robert Barron. Sie sind die neue Variante von Erzbischof Fulton J. Sheen.

    Dann dieser Satz; „Ich meine, dass eine gefährliche Schieflage erreicht wird, wenn Mittel der Unterhaltung zur Wahrheitsmission benutzt werden.“ Sagen Sie das mal dem hl. Don Bosco. Was hat er nochmal gemacht; Seiltanz, Akrobatik, Jonglage… „Das hilft meiner Ansicht nach weder dem Glauben, noch der Unterhaltung.“

    „Es kann, so meine ich, kein Glaube, der das Leben trägt, vermittelt werden, wenn man eben das wirkliche Leben zugunsten einer Show ausklammert.“ Jetzt befindet man sich wieder auf der richtigen Spur. Genau! So isses! Wenn die Menschen erstmal wieder kommen, dann kann man auch in Kommunikation treten. Die Hollywood-Mission behauptet – soweit ich weiss – nicht, es gäbe keine schlechte Priester, Bischöfe, Kardinälen, Päpste. Aber warum immer weisen auf die schlechten Seiten der Kirche? Wollen wir alle in den Himmel bringen und kommen, oder hier herumtrauern?

    Ja, das Leben ist bunt! So war die Schöpfung von Anfang an. Aber; man preist Gott, oder man preist ihn nicht. So schwarz-weiß ist die Realität im gleichen Moment. „Jesus kam leise.“ Vonwegen! Erstens steht dieser Satz soweit ich weiss nirgends in der Hl. Schrift. Vielleicht war der eine oder andere Zuhörer schwerhörig?

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