Ich bin ein „Hurra-Katholik“ – Eine Replik auf den Artikel: “Die falsche Mission”  

Was ist die Botschaft des Artikels: „Die falsche Mission: Warum „Hurra-Katholizismus“ gefährlich ist“? Sei kein froher Christ? Pass auf und nimm die katholische Lehre nicht zu ernst? Moderne Technologie und Arbeitsweisen sind nichts für dich? Bei dir ist eh alles nur Show? Du interessierst dich nicht für die Armen und dienst nur den Reichen?

Foto: aradaphotography / fotolia.com

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Kunst zur Ehre Gottes macht den Unterschied

Nur damit das von Anfang an klar ist: Ich bin ein „Hurra-Katholik“. Denn ich habe einen guten Grund froh zu sein: Jesus ist auferstanden. Er hat Sünde und Tod besiegt. Ja es gibt immer noch Leiden, wir sündigen und es sterben Menschen. Aber der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Umgeben von Krisen, Problemen und Prüfungen, habe ich Hoffnung. Hoffnung, dass Gott uns nicht im Stich lässt, dass Er unseren Geist und Körper heilen wird. Dass er uns aufrichten wird, unsere Tränen trocknet und uns zu Seinem himmlischen Hochzeitsfest führt. Ich weiß, ich bin geliebt von meinem Schöpfer und Herrn.

Hollywoods Qualität als Ziel

In der Kirchengeschichte sehen wir viele verschiede Arten, den Glauben durch Kunst und Medien zu verkünden. Augustinus‘ Confessiones, Dantes Divina Commedia, John Chrysostomus‘ Predigten, Michelangelos Fresken, Antoni Gaudís Sagrada Família, um nur ein paar wenige zu nennen. Sie haben die beste Kunst ihrer Zeit geschaffen, wobei sie neue Technologien nutzen und neu Formen der Literatur, Malerei und Architektur entwickelten. Sie haben ihren Glauben gelebt und weitergeben nicht nur als Wahrheit, sondern als etwas Gutes und Schönes. Gott verehrend durch Meißel, Stifte, Pinsel, Tinte, Papier, Stein, Mund und letztendlich durch ihr Leben. Warum sollten wir damit aufhören? Können wir nicht Kameras, Mikrophone, Licht und Schnittprogramme nutzen, um Gott die Ehre zu erweisen? Warum sollen wir nicht die beste verfügbare Technologie verwenden, um die das bestmögliche Ergebnis zu kreieren?

Wenn wir etwas kritisieren sollen, sind es die unausgegorenen, schlecht gemachten und abstoßenden Präsentationen unseres Glaubens. Sie verfehlen ihr Ziel. Gute Absichten und der Einsatz sind anzuerkennen, trotzdem darf ein bestimmtes Niveau nicht unterschritten werden, will man ernst genommen werden. Niemand will „unterirdisch“ schlechte Sachen anschauen. Wir erwarten von Videos auf unsern Computern dasselbe wie von den Filmen, die wir ebenfalls auf unseren Computern schauen. Die Zeit, in der man im Internet frei experimentieren konnte, ist vorbei. Es ist nicht mehr Neuland, das erforscht werden muss. Wir sind online zu Hause und wir wissen, wie unser Zuhause aussehen soll. Wir sind die „Apple Generation“. Wir wollen eine durchgestylte Präsentation. Wir wollen gut produzierte Videos, bevor wir den Inhalt auch nur beachten. Jede Geschichte ist tot und sinnlos, wenn sie ästhetisch abschreckt.

Die Medien, die wir benutzen, um Menschen zu erreichen und ihnen etwas mitzuteilen, müssen gut gemacht und ansprechend sein. Andernfalls wird die Wahrheit, die sie transportieren, abgelehnt. Der beste Weg, eine gute Qualität zu garantieren, heißt, alles für die größere Ehre Gottes zu tun.

Alter Wein in neue Schläuche

Neue Medien und Technologien scheinen auch neue Ideen und Überzeugungen zu fordern. Aber das Evangelium bleibt das gleiche, nur haben Christen jeweils alle vorhandenen Möglichkeiten genutzt, um das Evangelium zu den Menschen zu bringen. Sie veränderten die Art des Schreibens, Malens und Predigens, ohne den Inhalt zu verändern. Dabei wurden die Methoden genutzt, durch die die meisten Menschen die gute Nachricht empfangen konnten. Nehmen wir als Beispiel die Kunst des Mittelalters. Die ausführlichen Abbildungen der Heilsgeschichte ermöglichten es, diese Geschichten der analphabetischen Mehrheit der Menschen greifbar zu machen. Wir brauchen Methoden, um sie der religiös analphabetischen Mehrheit heute greifbar zu machen. Diese mit Artikeln wie „Die falsche Mission“ erreichen zu wollen, ist Illusion. Sie mit langen Argumenten zu erreichen, ist vergebliche Mühe. Sie werden spätestens abschalten, wenn die üblichen paar Minuten eines YouTube Videos abgelaufen sind. Deshalb müssen wir ihnen den Zugang bieten, nach dem sie verlangen: Von Schönheit beeindruckt zu werden und das möglichst schnell. Natürlich reicht das nicht als Grundlegung des christlichen Lebens aus. Glaubensinhalte werden so jedoch erst einmal vereinfacht dargestellt. Die guten Seiten des Glaubens werden hervorgehoben. Das kann ein erster Schritt sein, eine Einladung, sich näher zu kommen und mehr zu lernen.

Arbeiter im Weinberg

Diese Maßnahmen sind nur der Anfang. Glauben ist eine Reise, auf die wir Tag aufs Neue aufbrechen. Deshalb bieten „Hurra-Katholiken“ in den Neuen Geistlichen Gemeinschaften Hilfe durch Jugendarbeit, missionarische und karitative Programme, Exerzitien und Konferenzen. FOCUS ist dafür ein gutes Beispiel. Diese Bewegung engagiert sich in Universitäten. Father Mike Schmitz, einer der beiden Priester aus dem Video, ist ein regelmäßiger Gast auf ihren Konferenzen. Er betont immer wieder den Einsatz und die Kämpfe, die ein authentisches christliches Leben fordert. Er fordert einen größeren Einsatz um besser in der Nachfolge Christi zu stehen, im Wort und im Tun. Aber er macht auch sein Anliegen ganz deutlich: Es ist es wert. Im christlichen Leben ist eine Schönheit. Etwas, das in uns wiederhallt, wonach wir uns sehnen. Das sprechen die Videos an. Sie pflanzen keine neuen Ideen und Sehnsüchte ein, sondern sie machen Sehnsüchte sichtbar, die schon in uns allen sind.

Ja, diese Videos sind an wohlhabende Menschen gerichtet, die tatsächlich die Möglichkeit haben, Videos anzuschauen. Aber ist dies nicht ein Liebesdienst? Viele Menschen haben genug, um ein gutes Leben zu führen, aber ihnen fehlt Hoffnung, echte Gemeinschaft und letztendlich Liebe. Warum ist es kein Dienst, sich um sie zu kümmern? Wir betonen materielle Armut und leiden so sehr, dass wir die spirituelle Armut und das daraus folgende Leiden vernachlässigen. Aber sie müssen ebenso bekämpft und gelindert werden. Deshalb hat jede Gruppe und jeder Orden eine einzigartige Mission. Sie sind zu bestimmten Aufgaben berufen. Einige machen Katechesen, manche kümmern sich um Jugendliche, manche um die Ärmsten der Armen und manche um die alte, einsame Damen im Altersheim.

Die Neuen Gemeinschaften alle Bereiche der Gesellschaft. Sie arbeiten in Entwicklungsländern und wachsen substanziell.

Falsch Verbunden

Ganz schön mutig, jemandem vorzuwerfen, er führe bei seinem persönlichen Zeugnis nur eine Show auf. Wobei es auch interessant ist, wenn man liest, sie ignorierten die Mühen des Lebens, wenn sie von ihren Problemen mit dem Glauben erzählen. Übrigens hat Fr. Josh Johnson in seinem Zeugnis den Verdacht bestätigt, dass Priester nicht notwendigerweise heilig sind. Ziemlich oft machen sie Sachen falsch, begehen Sünden und müssen dringend umkehren. Deshalb scheint mir das Video kein gutes Beispiel, um Manipulation vorzuwerfen.

Zwei lohnende Fragen

Was mache ich, wenn mein Leben anders ist, als ich es mir vorgestellt habe? Ich vertraue auf Gott und akzeptiere die Konsequenzen. Wenn ich auf den Richtigen setze, kann es ja nicht schlecht ausgehen. Wenn ich falsch liege, ist das halt für mich unangenehm. Wenn der Anspruch auf die Realität trifft, müssen wir damit rechnen, dass Gott unsere Erwartung zerstören kann. Aber er kann nicht seine Versprechen brechen. Also können wir deren Erfüllung sicher erwarten.

Und: Ich bin ein Sünder, fehlerhaft und schwach. Für viele wichtige Fragen habe ich die Antworten nicht gefunden. Aber ich weiß: Gott ist die Liebe und er ist auferstanden. Hier berührt mich die Realität. Wenn ich echtes Leiden nicht erklären kann, weiß ich, dass es einen objektiven Standard geben muss, damit das Leiden real und objektiv sein kann. Die den Menschen innewohnende Würde haben sie sich nicht selbst gegeben und bei manchen Heiligengeschichten ist klar, dass dies kein menschliches Werk war.

Philipp Müller

Dieser Artikel erschien in einer englischen Version bereits auf bonifati.us

Eine Antwort auf diese Replik gibt folgender Artikel:

Warum die Replik den Kern nicht trifft

 

3 Gedanken zu “Ich bin ein „Hurra-Katholik“ – Eine Replik auf den Artikel: “Die falsche Mission”  

  1. Pingback: Die falsche Mission: Wie mit Hollywood-Methoden Menschen zum Glauben verführt werden sollen | hinsehen.net

  2. Pingback: Warum die Replik: “Ich bin ein Hurra-Katholik” den Kern der “falschen Mission” nicht trifft | hinsehen.net

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