Promi Big Brother: „Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.“

Promi Big Brother 2015 (PBB) ist nun zu Ende gegangen. Es war eine Staffel zum Fremdschämen und Wegsehen. Vor allem die vermeintlichen „Prominenten“ haben sich blamiert und peinlich zur Schau gestellt; ihr „Marktwert“ dürfe nicht gestiegen sein. Doch bei dem, der nicht im Menschlich-Allzumenschlichen aufgeht, kann gerade diese Staffel genau eines wecken: religiöse Sehnsucht.

 

Foto: dpa / picture-alliance

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Big Brother und biblische Anthropologie

Das  im Titel benutze Zitat stammt aus dem Römerbrief (Röm 8,22). Paulus schreibt in die Situation von Leid, Elend und Hoffnungslosigkeit hinein. Er mag gefangen sein, eingesperrt, jedoch im Unterschied der Big Brother Kandidaten unfreiwillig und nicht aus Spaß. Aber selbst ein gutes Spiel bleibt nicht ganz im ernstfreien Raum, sondern verweist auf eine bestimme Art auch immer auf die  Sorgen des Lebens. Paulus macht sich gerade aus seinen Leiderfahrungen und –begegnungen keine fromme Verklärung des Lebens zu Eigen, sondern schreibt über den menschlichen Status quo, „dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.“ Das ist die Welterfahrung. Die Verheißung wiederrum ist das, was in der kommenden Welt erhofft wird: „Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden. Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung.“ (Röm 8; 23,24)

Promi Big Brother ist Fremdschämen ohne Erlösung

Keine Hoffnung gibt es bei Promi Big Brother. Die Kandidaten werden meist nicht „VIPs“ (very important persons) genannt, sondern gerne mit der Andrede „VUPs“ (very unimportant persons) veräpplet. Und in der Tat, es ist so, dass nicht die High Society der Medienwelt in solchen Formaten vertreten ist, sondern ehemalige Stars, Sternchen und überschuldete Ex-Prominente. So wird diese pseudo „reality show“ zum Schuldenabbau benutzt. Moderatoren und Zuschauer wissen das jedoch, aber der peinlichen Zurschaustellung tut dies dennoch keinen Abbruch. In gewisser Hinsicht mag es für den einen oder anderen eine Genugtuung sein, zu sehen wie sich ehemalige oder halbberühmte Promis für Geld die Würde nehmen lassen. Jetzt ist man selbst derjenige, der gleichsam herab blicken kann. Was Geldnot doch alles bewirken kann.

Konkret bestand die Peinlichkeit diesmal im Beleidigen, Heulen, Haarausfall, mangelnder Körperhygiene, Exibitionismus und allerlei weiterem „Seelestriptease“, der mitunter auch Mitleid wecken könnte, würden die mediale Präsentation nicht alles überlagern. So kann aber nicht Mitleid aufkommen, sondern nur „oh mein Gott“ Gedanken und der Wunsch umzuschalten. Jetzt haben einige der „Insassen“ den Ruf sich nicht zu waschen, zu stinken, an Haarausfall zu leiden Heulsusen, Heuchler oder Charakterschweine zu sein. Einige mögen ihren Ruhm, wie der diesjährige Sieger, der Ex-Nationalspieler „Odonkor“, kurzfristig gesteigert haben, doch im Grunde gehen alle als mediale Verlierer vom Platz; eine Teilnahme bei Promi Big Brother steigert nicht den einen Ruf und das ist doch die Kernwährung im medialen Business. Die Arena der Eitelkeiten ist kein barmherziger Platz für persönliche Abgründe. Es ist ein trauriger Karneval.

Die Kandidaten machen sich für andere zu öffentlichen Narren und am Ende bleibt nur Häme.

Die menschliche Komödie stellt menschliche Abgründe deutlich vor Augen. Der Mensch wird auf Trieb, Instinkt und Affekte getrimmt und reduziert. Das Haus ist bewusst so eingeteilt, dass die Bewohner in „arm“ und „reich“ geteilt werden, damit Neid, Missgunst und Lästereien wachsen. Als letzte Gewissheit bleibt dort nur Vergänglichkeit. Um dieser zu entgehen haben nicht wenige Promi Big Brother Teilnehmer Schönheitsoperationen unternommen.

In allem kann auch religiöse Sehnsucht geweckt werden

Doch die Operationen sehen öfter eher schlimm als schön aus. Der Glaube an die Leiblichkeit wird so zur Tragödie. Wenn auch nur ein Hauch von religiösem Sinn in einem besteht, kann man sich bei all dem leicht die Frage stellen, ob das alles sein soll. Weckt nicht gerade diese radikalpeinliche Darstellung die Sehnsucht nach etwas, dass diese Tragödie überschreitet? Wohlgemerkt, nicht als billiges Opiat, darum geht es auch Paulus nicht, aber als Hoffnung, die nicht im Elend das Ende sieht. Als Hoffnung, die gerade antiopiatische Wirkung haben kann, indem sie zur Antriebskraft wird, um  das Gute zu tun.

Promi Big Brother stellt jedenfalls die alte Sinnfrage implizit neu: Soll das wirklich schon alles gewesen sein?

Josef Jung

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