Kosmos ohne Schöpfer – Antwortet das Weltall wirklich nicht?

Loben die Sterne ihren Schöpfer? Wissen sie von ihm? Gibt er sich überhaupt zu erkennen? Eine Auseinandersetzung über die Erkennbarkeit Gottes im Kosmos. 

Planet Earth in universe, space, galaxy in a nebula clouds

mikiel / fotolia.com

Physik und Gotteserkenntnis

Die Astrophysik als zuständige Wissenschaft hat die Entwicklung des Weltalls in ihren Phasen vom Urknall her rekonstruieren können. Mit dem Teilchenbeschleuniger in Genf ist sie dem Energiezustand wenige Sekunden nach dem Urknall nahe gekommen. Als Physik hat sie allerdings keine Messverfahren, um Geistiges dingfest zu machen. Das gilt schon für den Menschen. Die Hirnforschung kann kein Nervenzentrum ausmachen, in dem das Ich sich aufhalten könnte. Ebenso wenig kann die Astrophysik mit physikalischen Verfahren andere menschenähnliche Lebewesen auf einem anderen Stern in einer anderen Milchstraße ausmachen. Denn menschliches Bewusstsein kann man nicht messen. Deshalb müssten sich andere, dem Menschen ähnliche Lebewesen, irgendwie mit Zeichen verständlich machen. Ebenso entzieht sich Gott den Messungen der Naturwissenschaften. Kann man aber deshalb behaupten, es gäbe ihn nicht, nur weil er unter keinem Mikroskop erscheint oder, wie das Higgs-Teilchen, unter energiereichen Elementarteilchen entdeckt werden könnte.

Kosmos – ein ordnender Geist

Wenn wir von einem Weltall reden, dann gelten in diesem System überall die gleichen Gesetze. Da wir inzwischen wissen, dass dieses All nicht eine ewig statische Größe ist, sondern voller Energie Neues hervorbringt und sogar aus einem energiereichen Einerlei komplexere Strukturen entwickelt , Atome, Moleküle und dann sogar lebende Zellen, ist dem Urknall bereits eine Zielrichtung eingegeben. Die variationsreichen Aminosäuren bieten dann die vielen Kombinationsmöglichkeiten, dass sie als komplexestes Materiebündel das Gehirn ausbilden konnten. Wegen der Ordnungen, die sich bis in die biologische Ebene immer komplexer ausbilden konnten, nannten die Griechen die Welt „Kosmos“ – ein von einem Geist geordnete Wirklichkeit, die dem Menschen das Milieu bietet, in dem er leben und handeln kann. Weil der Mensch in der Vielfalt der ihn umgebenden Welt eine ordnende Hand erkennen kann, behauptet Paulus mit der griechischen Philosophie, dass jeder Gutwillige in den Werken der Schöpfung ihren Urheber erkennen kann. Nicht zuletzt die Schönheit einer Landschaft, die Eleganz eines Tieres, die Staatskunst der Bienen und Ameisen weisen auf einen schöpferischen Urheber hin, der mit dem Weltall mehr vorhatte, als dass Materieklumpen in den Weiten des Weltalls ihre Runden drehen. Jedoch, aus dem „Kann“ folgt kein „Muss“. Der Mensch, der sich von der Existenz Gottes nicht überzeugen kann, wird durch die kosmische Ordnung nicht gezwungen, hinter dem Weltall ein absolutes geistiges Wesen zu erkennen. Es gibt einen weiteren Zugang:

Zugang des Menschen zum Absoluten

Wenn Gott der absolute Geist ist, dann „muss“ gerade der Mensch als das mit dem höchsten Geist ausgestattete Wesen Gott erkennen können. Offensichtlich verbirgt sich Gott aber hinter seiner Schöpfung. Selbst die Bibel sieht das so. Im 1. Johannesbrief heißt es: „Niemand hat Gott gesehen.“ Jedoch wird der Mensch „absolut“ in seiner Geistigkeit in Anspruch genommen. Im Spruch des Gewissens erfährt er einen Anspruch, der ihn unbedingt verpflichtet. Er kann gegen das Gebot „Du sollst nicht töten!“ zwar verstoßen, aber damit nicht die Unbedingtheit des Gebotes aufheben. Der Mensch kann auch eine Aussage, „So und nicht anders ist es“, relativieren, aber diese nicht außer Kraft setzen Das Absolute erreicht ihn also in Form eines ethischen Anspruchs oder einer Aussage über die Wirklichkeit. Gödel hat gezeigt, dass logisch aus dem Aufscheinen des Absoluten folgt, dass es aus keiner Ecke der Wirklichkeit vertrieben werden kann. So sehr wir unser Leben von Zufällen bestimmt erfahren, durch alles, was auch anders sein könnte, erreicht uns ein Strahl mit dem Anspruch“: „So – und nicht anders!“

Wenn aber etwas einen unbedingten Anspruch an uns stellen kann, dann kann das Absolute dieses Anspruchs nicht der Zufälligkeit der Evolution entspringen. Denn das Prinzip der Evolution ist „zufällige Veränderung des Erbgutes“ und „Bewährung im Kampf ums Überleben“. Dieser Kampf ums Überleben selektiert die Mutationen aus, die eine Lebewesen lebensfähiger machen. Aus dem Prinzip „Zufall“ kann daher nicht „Notwendigkeit“ folgen. Das Unbedingte der Wahrheit kann nicht im Zufall seinen Ursprung haben. Das gilt noch mehr für die menschliche Freiheit:

Nur das Absolute garantiert Freiheit

Freiheit ist mehr als das Ausnutzen des Zufalls. Der Mensch braucht zwar für die Verwirklichung seiner Freiheit eine Welt, die ihm mehrere Möglichkeiten offen hält. Denn wäre die Welt in allem bestimmt, könnte der Mensch zwar innerlich frei sein, diese Freiheit aber nie nach außen umsetzen. Jedoch ist mit der Offenheit der Umwelt nicht schon die menschliche Freiheit gegeben. Sie verlangt ein Beitrag ansehenZentrum, das aus sich heraus handelt. Ohne solch ein Zentrum, das also Vorhaben entwickeln kann, gäbe es keine freien Subjekte. Vielmehr würde das Lebewesen entsprechend vorgegebenen Verhaltensmustern auf Gegebenheiten seiner Umwelt reagieren. Bei Tieren nennen wir diese Muster „Instinkte“. Auch der Mensch entwickelt für wiederkehrende Situationen Muster, auf die er ohne Nachdenken zurückgreift. Wenn er jedoch aus eigner Überlegungen, abwägend, urteilend, planend handelt, dann greift er nicht auf ein Muster zurück, sondern ist selbst Ausgangspunkt eines Eingriffs in die Gegebenheiten. Diese Fähigkeit, aus eigener Entscheidung zu handeln, wird noch mehr als durch die physikalische und biologische Umwelt durch die soziale Welt eingeschränkt. Sie hat Regeln und Gewohnheiten aufgebaut, in die ich hineingeboren werde. Da ich nur überleben kann, wenn ich mich dieser sozialen Umwelt einfüge, mache ich mich von dieser Umwelt abhängig, bis hin zu der Dimension, wie meine Kultur die Welt erklärt. Vor allem bin ich davon abhängig, ob die anderen es gut mit mir meinen oder mich loswerden wollen. Diese hohe Bedeutung der sozialen Umwelt für mein Überleben bewirkt Abhängigkeiten, nicht nur, wohin ich mich bewege, sondern auch, wohin ich meine Gedanken entwickle. Ich übernehme erst einmal die Vorurteile, die Animositäten gegenüber Fremden, die Perspektive, was aus mir werden soll. Dieses soziale Gefüge schickt mich durch Kindergarten, Schule, Studium, Ausbildung, will mich als Steuerzahler und auch in anderen Bereichen als Konformist. Wäre da nicht meine Freiheit, die mir auch anderes eröffnet. Sie kann nicht aus den vielen Vorgegebenheiten entspringen, in die ich hineinverwoben bin. Auch kann die Freiheit nicht aus dem Prinzip des Zufalls herkommen, durch das die Evolution erklärt wird. Denn die Mutationen sind nicht geplant. Die Umwelt und nicht das Lebewesen entscheidet, ob eine Mutation überlebensfähig ist. Freiheit zeigt sich aber gerade dann besonders deutlich, wenn ich dem Drängen wie den Zwangsmaßnahmen der Umwelt nicht nachkomme. Sie muss ihren Ursprung aus einer Dimension haben, die der Mensch nicht beherrschen noch mit den Naturwissenschaften erforschen kann.

Eine geschichtliche Beobachtung zeigt, dass die Freiheit gerade nicht aus der menschlichen Welt kommt. Die Systeme, die auf der atheistischen Philosophie Nietzsches wie von Marx aufgebaut wurden, waren die bisher größten Feinde der menschlichen Freiheit. Aber obwohl sie die Freiheit fast zum Verschwinden gebracht haben, sind sie von den Menschen, die sich nicht angepasst, sondern die ihre Freiheit in Anspruch genommen haben, überwunden worden. Die Geschichte zeigt, dass eine Freiheit, die allein dem Menschen überlassen wird, jeweils zu Systemen führt, die die diese Freiheit berechenbar machen wollen. Der neue Anlauf von Google, Facebook, Appel in Verbindung mit den Geheimdiensten setzen eine noch perfektere Steuerung des Menschen Werk. Sollte der Freiheit die Kraft ausgehen, wird dieser Angriff die menschliche Rasse in ihrer Selbstbestimmung und damit auch Kreativität und dem Streben nach Gerechtigkeit lahm legen.

Eckhard Bieger S.J.

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