Der Alte Peter in München – Die barocke Festung

Im Herzen von München erhebt sich ein barockes Biotop. Der Alte Peter, in der Nähe des Marienplatzes gelegen, stellt selbst im pompverliebten Bayern eine Besonderheit da. 

Foto: WikiCommons Luc

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Der Gottesdienstbesucher merkt sofort, der Alte Peter ist etwas Besonderes. Denn hier blickt der Priester nicht den Gläubigen an, während er zelebriert, sondern er schaut auf das Gold des Hauptaltares. Den „Volksaltar“, in fast allen Kirchen des katholische Erdkreises nach dem Konzil eingeführt, fehlt hier. Aus Prinzip. Denn am Alten Peter versteht man sich bewusst als Biotop, indem von der liturgischen Entwicklung der Nachkonzilskirche wenig zu sehen ist. Weibliche Messdiener sucht man hier vergeblich, dafür gibt es Priester in Bassgeigenkaseln und mit Spitzenalbe.

Die barocke Schau entfaltet ihre ganze Pracht, wenn es zu Sakramentsprozessionen kommt. Dann fährt das Allerheiligste von der Höhe des Altarretabels auf die Mensa herunter und wird feierlich in einer gewaltigen, juwelengeschmückten Prunkmonstranz, begleitet von Kerzen und Weihrauch, durch die Kirche getragen.

Eine weitere Besonderheit ist die Petrusstatue. Auf ihrem Kopf thront eine Tiara, die dreifache Krone der Päpste. Wenngleich die realen Nachfolger des Apostelfürsten schon vor Jahrzehnten die Tiara ablegten, ist sie im Alten Peter immer noch in Verwendung. Während der Sedisvakanz wird sie der Statue abgesetzt, nach der Wahl eines neuen Papstes wird Petrus in München noch immer feierlich gekrönt.

Ein barockes Spiel, das erfolgreich ist. An Zählsonntagen nehmen wesentlich mehr Gläubige an der Messe teil, als in der Pfarrei wohnen. Natürlich besucht nicht jedes Mitglied der Gemeinde den Alten Peter. Aber für jene Katholiken, die sich noch mit barocker Frömmigkeit identifizien können, ist diese Kirche ein Ort, um ihren Glauben jenseits der oft konturlosen Pfarrkirchen zu leben. Gerade der Alte Peter, in der Vorkonzilszeit verhaftet, vollzieht damit eine Bewegung gegen das Pfarreibild des Trienter Konzils. Die Gläubigen suchen sich ihre Kirche selbst, anstatt sich im Prinzip der Territorialpfarrei einsperren zu lassen. So bietet der Katholizismus in München Orte für verschiedene Charismen und Frömmigkeitskonzepte.

Maximilian Röll

Foto: WikiCommons Luc

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