Abtei Kornelimünster

Am Rande der Eifel liegt Aachen, ein historisches Juwel in der Provinz. Doch nicht nur die Kaiserkapelle birgt kirchliche Schätze. Auch außerhalb der Stadt findet sich ein spirituelles und kulturelles Zentrum. In Kornelilmünster haben die Karolingner einst eine Abtei gegründet, in der noch heute Benediktiner beten.

Kornelimünster außenDie Karolinger haben Europa geprägt wie kaum ein anderes Geschlecht der europäischen Geschichte. Sie legten wichtige Grundlagen in Politik, Religion und Kultur, die das Abendland teilweise bis heute wesentlich bestimmen. Dazu gehört auch der Aufstieg des Benediktinerordens. Unter Ludwig dem Frommen, dem Sohn Karls des Großen, wurde die Regel des Hl. Benedikt von Nursia zum Standard der Klosterordnungen im Frankenreich. Die Klöster wurden zu Triebkräften der Karolingischen Renaissance und zu den Bildungszentren des frühen Mittelalters. Zugleich wurden sie von den Königen mit zahlreichen Schenkungen und Stiftungen versehen.

Die Abtei Kornelimünster nahm in der Karolingerzeit einen bedeutenden Rang ein, der sich aus ihrer Nähe zum alten Kaiserhof speiste. Zwar konnte die Abtei mit dem Untergang der Karolinger ihre frühere Bedeutung nicht halten, blieb aber regional einflussreich. So war der Abt von Kornelimünster etwa reichsunmittelbar und damit nur dem römisch-deutschen Königen unterstellt.

Seinen Rang als überregionales geistliches Zentrum verdankte die Abtei auch drei Reliquien, die ihr von Ludwig dem Frommen geschenkt wurden: das Schürztuch, das sich Jesus der Überlieferung nach zur Fußwaschung der Jünger beim Letzten Abendmahl umgebunden hatte; ein Grabtuch, das gemäß alter Tradition bei der Grablegung benutzt wurde; und das Schweißtuch, das jenes Tuch sein soll, das den Kopf Jesu umhüllte.

Diese Reliquienschätze führten schließlich dazu, dass Kornelimünster seit dem 14. Jahrhundert Ziel der Heiligtumsfahrt war, gemeinsam mit der Heiligtumsfahrt nach Aachen neben den Wallfahrten nach Rom, Jerusalem oder Santiago de Compostela zu den bedeutendsten des Mittelalters zählte.

Nach fast 1000 Jahren einer wechselvollen Geschichte waren es die Ereignisse in Paris, die dem Kloster zum Verhängnis wurden. Nach der Revolution marschierten die Franzosen mehrfach im Rheinland ein und setzten unter Napoleon dessen Abtretung durch. 1802 wurde die Abtei wie alle Klöster im Rheinland aufgelöst.

Doch damit war die Geschichte des Klosters nicht zu Ende. Zwar sind die Gebäude der alten Abtei bis heute im Staatsbesitz. Doch 1906 kehrten erneut Benediktiner nach Kornelimünster zurück, um eine neue Gemeinschaft in einem neuen Bauensemble zu gründen. Die Geschichte des Mönche geht durch alle Wirren der Geschichte seit 1200 weiter.

Maximilian Röll

Foto: Eckhard Bieger SJ

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