Revolution im Nachrichtenmarkt?

Foto: dpa / picture-alliance

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Wie Apple und Facebook die Nachrichtenwelt mit dem News App sowie Instant Articles verändern wollen und was dies mit der Rolle der Medien als „vierte Gewalt“ im Staat macht. 

Lange war es ruhig gewesen um die Frage wie man außerhalb des Google Universums mit Nachrichten im Web oder Social Media Geld verdienen kann? Nun starten Apple und Facebook einen neuen Anlauf – der Computergigant aus Cupertino möchte mit seiner personalisierten News-App nach der Musikindustrie und dem Telefonmarkt nun auch den Nachrichtenmarkt revolutionieren.

Beim neuen „News-App“ von Apple sollen die Nachrichten dabei multimedial aufbereitet direkt bei den passenden Zielgruppen auf den mobilen Endgeräten angezeigt werden. Den Verlagen und anderen Inhalteerstellern kommt dabei die Rolle der Zulieferer zu. Aber auch finanziell können die Verlage, die mit eigenen Vermarktungsmodellen bisher gescheitert sind, davon profitieren und 70 bis 100 Prozent des Erlöses einstreichen. Dafür verzichten laut FAZ zum Start der Apple News zwanzig Medienhäuser, wie New York Times, CNN und „Economist“ auf die Hoheit über die Nachrichtenauswahl. Diese behalten sowohl Apple als auch Facebook mit seinen „Instant Article“ fest in den Händen bzw. in ihren Algorithmen.

Mark Zuckerberg hat am 30. Juni in einer öffentlichen Fragerunde erklärt, dass die Weiterentwicklung dieser Algorithmen sowie der Einbindung von Künstlicher Intelligenz (KI) dabei eines der wichtigsten Ziele von Facebook sei. Der Facebook-Chef möchte, dass die KI-Systeme zukünftig nicht nur helfen sollen die Inhalte der User besser auswerten. Auch der gesprochene Text und Videos sollen besser analysiert und in beliebige Sprachen übersetzt werden. Spiegel Online zitiert Mark Zuckerberg wie folgt: „Es geht darum, menschliche Kommunikation zu verbessern. (…) Immersive Erfahrungen wie Virtuelle Realitäten werden die Norm werden und wir werden die Macht haben, unser vollständigen sensorischen und emotionalen Erlebnissen mit anderen Menschen zu teilen, wann immer wir wollen.“ Und die Vision von Facebook, Apple, Google & Co. geht noch weiter. „Eines Tages werden wir in er Lage sein, einander mit Hilfe von Technik vollständige Gedanken direkt zu schicken“.

Verlieren die Medien ihre Rolle als „vierte Gewalt“ im Staat?

So revolutionär und zukunftsweisend diese Ideen auch klingen und endlich Bewegung in das leidige Thema „Geld verdienen mit Online-Nachrichten“ für die Verlage bringen könnte, steht doch die Frage im Raum, ob wir Computer- und Medienkonzernen die Macht über all’ diese Daten geben wollen? Vor allem, wenn zukünftig noch mehr Algorithmen als Menschen darüber entscheiden, welche unserer Daten an wen weitergegeben bzw. verkauft werden. Und auch medientheoretisch birgt die von Apple und Facebook angepeilte Revolution des Nachrichtenmarktes ein Problem: Denn die Funktion der Medien als „vierte Gewalt“ im Staat können die Medien nur wahrnehmen, wenn sie unabhängig sind und die Verbreitung der Medien auch selber frei entscheiden können. Aber gerade dies ist bei den Apple News und Facebook Instant Articel nicht (mehr) der Fall, die „Gatekeeperfunktion der Medien verschwindet“, wie kürzlich auch die FAZ kritisch anmerkte. Zukünftig entscheiden vielmehr die „Community Standards“ von Facebook, welche Medien und welche Nachrichten veröffentlicht werden.

Apple wird zum Nachrichtenersteller

Und Apple geht noch einen Schritt weiter als Facebook und heuert nun selber Journalisten an, um selber Nachrichten zu erstellen. Damit könnten auf lange Sicht auch die Verlage und andere Inhalteersteller wieder auf die Verliererstraße kommen. Aber das zusätzliche Personal könnte sich lohnen, denn laut Medienexperten, wie Ken Doctor aus den USA, sind die Ursachen für ca. 30 bis 40 Prozent des Datenverkehrs in Sozialen Netzwerken Nachrichten. Und somit können allein Apple und Facebook gemeinsam 3,3 Milliarden Nutzer (im Facebook-Imperium 1,4 Milliarden Facebook-Nutzer, 800 Millionen WhatsApp-Nutzer und 300 Millionen Instagram-Nutzern sowie 800 Millionen Apple Endgerätenutzer) mit eigenen oder selbst ausgewählten Nachrichten zur marktbeherrschenden Medienmacht werden, bei der nicht mal mehr das große Google-Universum mithalten kann. Denn Apple möchte laut FAZ zukünftig auch verstärkt auf Videos setzen: „Videos werden noch wichtiger als Fotos werden“, so Mark Zuckerberg. Daher wird Facebook sicherlich nach dem Instagram-Kauf im Bereich Fotos zukünftig verstärkt in den Bereich Bewegtbilder / Videos investieren sowie seine Marktmacht weiter ausbauen…

Christian Schnaubelt

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