Homo-Ehe – die Ehe verliert auf jeden Fall

Mit der Entkernung der Ehe wären wir einen Schritt weiter

Autor Konstantin Yuganov, Fotolia

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Die Homo- d.h. ja wörtlich die Gleich-Ehe, weckt Widerspruch. Aber die Gegner wirken hilflos, weil sie in der Ablehnung steckenbleiben. Was wäre ihr Gegenentwurf. Man kann ja nicht unter den früheren Voraussetzungen argumentieren. Auch wenn die Ursache für die homoerotische Anziehung noch nicht geklärt sind, ist es deutlich, dass es sich um eine Anlage handelt, die man genauso wenig wegtrainieren kann wie die Augenfarbe.

Homosexualität muss akzeptiert werden

Konnte über die Kette der menschlichen Generationen die homosexuelle Neigung als etwas Unnatürliches eingeordnet werden, ist das nicht mehr so einfach möglich. Die Ablehnung war auch darin begründet, dass für den Erhalt der Sippe die jungen Männer, so man sie nicht in den Krieg schickte, sich nicht der Aufgabe entziehen konnten, Kinder groß zu ziehen. Heute kann man nicht mehr von einer Krankheit sprechen, sondern von einer anderen sexuellen Orientierung. Das erfordert, dieser Orientierung nicht durch Ausgrenzung, sondern durch Integration in die Gesellschaft gerecht zu werden. Aber folgt daraus, dass homosexuelle Partnerschaften das Gleiche wie eine Ehe sind? Unter rituellen Gesichtspunkten ist die Verbindung von zwei unterschiedlichen Polen etwas anderes als die in dem Namen „Homo“- bereits formulierte Gleichheit. Es gibt in der Gleich-Ehe eben nicht diesen Unterschied, der überhaupt erst den Ritus notwendig macht.

Gleich-Ehe – was sind die Folgekosten?

Offensichtlich stehen sich zwei Lager gegenüber. Dem einen Lager fällt nur Entrüstung ein. Die Argumente für die Gleich-Ehe scheinen auch nicht so aus dem Boden zu sprießen. Sonst müssten die Vertreter der Homo-Ehe ihre Gegner nicht diffamieren. Es funktioniert noch immer das Muster der Achtundsechziger. Wer nicht für die Homo-Ehe ist, gilt als rückschrittlich. Die Gesellschaft macht Fortschritte. Der Fortschritt ist einfach das Bessere, obwohl Politik meist darin besteht, die Folgekosten für viele Reformen nicht ins Unermessliche steigen zu lassen. Die Gleichsetzung der Homo-Ehe mit der zweier verschiedener Partner hat natürlich auch seine Kosten. Allerdings sind die nicht mehr so hoch, denn die Ehe ist bereits entkernt. Zwar steht hinter der standesamtlichen und noch mehr hinter der kirchlichen Heirat der entschiedene Wunsch, nicht nur zusammenzuleben, sondern dieser Gemeinschaft Dauer zu sichern und möglichst das Alter zu teilen. Aber auch wer sich in den Heiratsritus begibt, um damit als Schwiegertochter bzw. Schwiegersohn adoptiert zu werden, kann die Beziehung wieder auflösen. Der Weg aus einer Partnerschaft scheint leichter als der in eine solche Bindung. Erst weil die Ehe über Jahrzehnte so destabilisiert wurde, gibt es offensichtlich von den meisten Heterosexuellen kein Rivalitätsgefühl. „Was soll’s!“ wenn die Ehe sowieso ein vergilbtes Lebensmuster geworden ist. Es ist wie beim Abitur: Wenn alle Abitur machen, müssen die Ansprüche gesenkt werden und damit wird das Abitur, das doch etwas Besonderes sein soll, zum Ticket, das man erwerben muss, um seine Berufschancen zu verbessern. Oder was nutzt der Bachelor bzw. Master in einem Massenfach, wenn man als Taxifahrer endet? Die Gegner der Gleich-Ehe sollten einsehen, dass der Kampf an dieser Front nicht lohnt. Wenn die Ehe sich eher zu einer „Lebensabschnittspartnerschaft“ entwickelt hat, dann ist vorher zu viel passiert, als dass man mit einem Protestschrei den sog. „Marsch des Fortschritts“ aufhalten könnte. Dann schält sich eine Fragestellung heraus, die den gesellschaftlichen Diskurs lohnt:

Welchen gesellschaftlichen Beitrag leistet die Gleich-Ehe?

Wenn die Homo-Ehe der Ehe zwischen Mann und Frau gleichgestellt werden soll, geht das nicht biologisch, sondern nur rechtlich. Offensichtlich wollen die Vertreter der Gleich-Ehe genau den „gleichen“ Status wie die Eheleute. Weil das nicht geht und mit aller Genderforschung auch nicht erreichbar ist, sind die Reaktionen so argumentationslos und gleiten ins Gehässige. Homophobie scheint das passende Etikett, um denjenigen, der fragt, warum gleich sein soll was nie gleich werden kann, von der Diskussion auszuschließen. Aber um weiter mit dem Attribut „homophob“ belegt zu werden, die Ehe gewinnt keinen größeren Glanz, wenn diese Institution für die Homo-Ehe geöffnet wird.

Denn die Ehe hat sich ja deshalb ihren Ruf verdient, weil sie früher immer auf die Aufzucht von Nachkommen angelegt war. Sie ist für eine Gesellschaft unverzichtbar. Nun können gleichgeschlechtliche Paare nicht ohne die Hilfe Dritter bzw. durch Adoption zu einer Gemeinschaft werden, die die Verantwortung für Kinder übernehmen könnte. Es ist im Moment nicht zu erkennen, dass diejenigen, die die Partnerschaft Gleichgeschlechtlicher fordern, sich den Eheleuten mit Kindern anschließen wollen. Aber nur diese rechtfertigen den besonderen Schutz und die Privilegien, weil eben Eheleute mit Kinderwunsch einen erheblichen Beitrag für die Gesellschaft leisten wollen. Protagonisten der Home-Ehe scheinen nur Gleichberechtigung auf der Ebene der Partnerschaft zu fordern.

Das Ehegattensplitting hat sich mit der Gleich-Ehe überholt

Die CDU sollte sich durchringen, dass das sog. Ehegattensplitting nur für Familien gilt, also für Paare, die die Verantwortung für Kinder übernehmen. Ob es sinnvoll ist, homosexuelle Partnerschaften mit dieser Aufgabe zu betrauen, müsste vom Wohl der Kinder und nicht von dem Selbstverwirklichungswunsch Erwachsener entschieden werden. Das Ehegattensplitting für Paare allein hat sich sowieso überholt. Als das beschlossen wurde, gaben Frauen, die heirateten, meist ihre Berufstätigkeit auf. Das ist heute nicht mehr der Fall, so dass der Staat Steuerermäßigung denen gewähren soll und auch muss, die den gesellschaftlichen Dienst der Kinderaufzucht leisten. Das gilt auch für Adoptiveltern.
Die katholische Kirche könnte hier Hilfestellung leisten. Sie geht davon aus, dass sich die Eheleute selbst das Ehesakrament spenden. Priester bzw. Diakon sind nur die amtlichen Zeugen. Aber sie erlaubt das Paaren nicht, wenn diese keinen Kinderwunsch mitbringen. Das sakramentale Band der Ehe kommt nicht zustande, wenn es Vorbehalte gegen Kinder aus der sexuellen Gemeinschaft gibt.
Wenn die Familiengesetzgebung geändert ist, kann man in Ruhe abwarten, ob die Gleich- Ehe sich noch so weiter großer Nachfrage erfreut. Indem sie der Ehe gleichgestellt wird, hat sie auf jeden Fall das Ehekonzept weiter entkernt.

Artikel 6 des Grundgesetzes

Nicht überholt hat sich Artikel 6 des Grundgesetzes. Wenn schon die Ehe Verfassungsrang genießt, dann ist die Frage nach der inhaltlichen Füllung dringender als zu der Zeit, als das Grundgesetz als Fundament für die neue Republik gelegt wurde. Der Artikel gehört im Übrigen zu den Bestimmungen, die auch mit Zweidrittelmehrheit nicht eliminiert werden kann. Der Artikel beinhaltet die Zielsetzung und damit die Begründung für den herausgehoben Status der Ehe: Er handelt zum großen Teil von Kindern, die Ehefrau genießt besonderen Schutz, insofern sie Mutter ist.

Der Artikel lautet:
(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.
(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.
(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.
(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.
(5) Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern

In Artikel 79,3 heißt es: „Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.“

Eckhard Bieger S.J

3 Gedanken zu “Homo-Ehe – die Ehe verliert auf jeden Fall

  1. Leider hat der Autor Art. 73 III GG nicht richtig gelesen, wo es heißt „1 UND 20“. Soll heißen: Art. 6 GG kann sehr wohl mittels Zweidrittelmehrheit geändert werden und ist keinesfalls durch die Ewigkeitsklausel geschützt.
    Bei aller -auch- berechtigter Kritik, sollte man doch korrekt sein.

    Im Übrigen ist nicht ersichtlich, weshalb der Artikel überhaupt geändert werden sollte/müsste. Die gleichgeschlechtliche Ehe wäre ohne weiters ebenfalls davon erfasst.

  2. Pingback: Alles Homo | hinsehen.net

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