Marilyn Monroe – ein modernes Vorbild?

Viele junge Frauen hängen sich Poster und Bilder von Marilyn Monroe in ihre WG/Wohnung. An Alice Schwarzer sind moderne Frauen, ob sie sich nun „feministisch“ nennen oder nicht, kaum interessiert. Die moderne Weiblichkeit will sexy sein und Spaß haben. Dabei ziehen Sexsymbole der Voremanzipation wieder an. Was ist die Anziehung von Marilyn Monroe? Was macht sie zum Vorbild?

 Bild: dpa/picture-alliance

Bild: dpa/picture-alliance

Marilyn Monroe: Vorbild der modernen Frau?

Marilyn Monroe scheint in vielem der Prototyp der modernen sexy Frau zu sein. Sie verkörpert auf der einen Seite die unabhängige Karrierefrau, auf der anderen Seite gilt sie als attraktiv. Von Männern begehrt, von Frauen verehrt. In diesem Sinne ist Marilyn, die Kurzform für Mary-Lynn, die Art Gründungsfigur einer neueren Zeit. Sie stellt die sexuell aktive, öffentliche und reiche Frau dar, die aus vermeintlicher Selbstbestimmung ihren Traum vom Leben lebt. Der American Way of Life ist im Marylin Monroe Fleisch geworden.

Marylin Monroes frühe Jahre

Marylin Monroe wurde 1926 in Los Angeles als „Norma Jeane Mortenson“ geboren. Zu ihrer Taufe wurde der Nachname „Baker“ statt „Mortenson“ eingetragen. Hier offenbart sich bereits ein erster familiärer Konflikt, der ihr ganzes späteres Leben bestimmen sollte: Es war nie ganz klar, wer der Vater von Marylin, ein später von ihr gewählter Künstlername, war. Sie wuchs bei Pflegeeltern und zweitweise auch im Waisenhaus auf. Zu ihrer Jugend gehören Erfahrungen wie verlassen zu werden, unklare familiäre Verhältnisse, sexueller Missbrauch, Mit 16 Jahren heiratete Marylin, um nicht erneut in ein Waisenhaus kommen zu müssen.

Als sie während des Zweiten Weltkrieges Flugzeugmodelle lackierte, wurde die damals brünette Norma Jeane als Model entdeckt. Sie blondierte ihre Haare, lernte Schauspiel und wurde der Frauenstar Hollywoods: sexy, singend, elegant.

Marilyn Monroe als Vorbild

Marilyn Monroe verkörpert ein säkular-modernes Frauenbild schlechthin. Alle Ups und Downs sind in ihr gegenwärtig. Marilyn verkörpert eine Mode-Weiblichkeit, die sie zu einer Art Beispielfrau werden lässt. Sie stellt im Scheinwerferlicht das säkulare Vorbild dar: Reich, schön, unabhängig. Den Preis hinter der Fassade sieht man nicht. Was der Religiöse vom Himmelreich erwartet, die Vollendung der Glückseligkeit, scheint Marilyn bereits im Hier und Jetzt anzustreben. Dem American Dream sei Dank. Im Vorbild Marilyn Monroe zeigt sich – religiös gesehen – die Verlagerung der endzeitlichen Verheißung in die Gegenwart. Dass dies nur als Scheitern enden kann, zeigt sich erst auf den zweiten Blick. Der säkulare Amerikanismus Marilyn Monroes verkörpert den Versuch einer Selbsterlösung. Geld soll Gnade ersetzen. Wer sich Marilyn zum Vorbild macht, sucht und schätzt wohl auch den schönen Schein. Es wird deutlich, dass es ein Streben nach dem irdischen „Pursuit of Happiness“. Marilyn Monroe ist ein Vorbild für diese säkulare Religion.

Marilyn Monroe: Hinter der Fassade ist mehr Tragik als Traum

Es verhält sich im Ganzen jedoch wie mit vielen modernen Scheinwerferkarrieren: Sie zeigen eine schöne Fassade ohne Happy End. Marylin wurde tablettensüchtig, hatte Fehlgeburten, Abtreibungen und erlebte mehrere gescheiterte Ehen. Einer ihrer Exmänner, Joe DiMaggio, in dem es bereits im Lied „Mrs Robinson“ von Simon and Garfunkel heißt: „our nation turns it’s lonely eyes to you“ – spiegelte gleichsam auch eine andere Einsamkeit: Die Marylin Monroes. Nach außen glänzte alles topp, aber innerlich war offenbar nichts gut. Marylin hat nie die Anerkennung und Liebe erfahren, die sie suchte. Auch Ruhm, Tabletten, Alkohol und Psychotherapie halfen da nicht weiter. Kurz vor ihrem Tod ließ sie sich in ein Krankenhaus einliefern. Sie wurde nur 36 Jahre alt.

Dennoch: Marylin Monroe ist noch immer ein bepostertes Idol. Wie kann das sein? Ist sie wirklich das Vorbild für Selbstbestimmung? Hat sie die Frauen wirklich befreit? Verkörperte sie ein glückliches und erfülltes Leben oder zeigen sich in ihr nicht neue Abgründe und Abhängigkeiten, die nach Ruhm, Anerkennung, Scheinwerfer und Beliebtheit?

Was ist es, dass Marylin trotz allem so populär macht? Es geht nicht um ihr Seelenleben, sondern um die Bilder, Poster und Filme von ihr. Ihr äußerer Schein ist nach wie vor anziehend, er wirkt, trotz aller inneren Tränen.

Frei und glücklich ist so ein Leben allerdings nichts. Marilyn Monroe lebte das vor, was ihr von Hollywood und Kommerz abverlangt wurde. Marilyn war ein Verkaufsobjekt von Hollywood, ein Aushängeschild, mit dem die Film- und Modelwelt Geld verdient hat. Nicht die Person, sondern das „Produkt“ Marilyn war entscheidend und das ist die Tragik ihres Lebens.

Josef Jung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s