Was passiert nach dem Tod mit unserer Seele

Die Religionen versprechen ein Leben nach dem Tod. Aber widersprechen diese Aussagen nicht den Erkenntnissen der modernen Wissenschaften? Ist ein Weiterleben irgendwie physikalisch möglich? Zugespitzter geht es um die Frage, ob der menschliche Geist weiter existiert, wenn das Hirn zerfällt.

Foto: Robert Hoetink / fotolia.com

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Auferstehung  des Fleisches? 

Die Frage wird vor allem dem Christentum gestellt, denn es beginnt seinen Siegeszug mit der Botschaft: Jesus ist von den Toten auferstanden – und erscheint den Jüngern wiedererkennbar in leiblicher Gestalt, auch wenn dieser Leib kein physikalisch fassbarer Körper gewesen ist.

Ist mit dem Zerfall des Gehirns eigentlich alles klar?

Ohne das Hirn und das Wachbewusstsein ist ein Mensch nicht als Person ansprechbar, kann uns nicht als sprachfähiges und entscheidungsfähiges Subjekt entgegentreten. Ohne Gehirn keine Sprache und damit nichts Geistiges mehr im Menschen. Allerdings sehen wir Menschen, die bewusstlos sind oder im Koma liegen noch als Personen, auch wenn sie so nicht mehr zu reagieren scheinen. Können wir zu einem Bewusstlosen noch Kontakt aufnehmen, ist das nicht mehr möglich, wenn jemand gestorben ist. Die Schlussfolgerung kann dann aus dem Blickwinkel der Naturwissenschaften nur sein: Mit dem Zerfall des Gehirns ist auch die Person aufgelöst. Jedoch haben schon die Frühmenschen ihre Angehörigen bestattet, ein deutliches Zeichen, dass mit dem Tod das Leben der Verstorbenen nicht einfach vorbei sein kann. Grabfunde von Frühmenschen  gelten sogar als eindeutiges Indiz, dass es sich nicht um Vorstufen des Menschen gehandelt haben muss.

Die Person, das Ich sind nicht materiell

Wenn wir jemanden als Du oder Sie ansprechen, dann wenden wir uns nicht an ein Gehirn, sondern an eine Person. Diese Person hat etwas, das mehr ist als Hirnströme, die zu irgendwelchen Vorstellungsbildern führen. Der andere erkennt sich als ein eigenständiges Ich. Bereits als Kind bezieht der Mensch sich auf sich selbst und wird früh sprachfähig. Zwar gibt es für die Sprachfähigkeit Hirnregionen, jedoch kommt ein Kind nur in die Sprache hinein, wenn es mit anderen Menschen zu tun hat. Es lernt dann die Sprache seiner Umwelt und verwendet diese als eigenständige Person. Mit dem Erwerb der Sprache wachsen ihm noch andere Fähigkeiten zu, die sich bereits im Fragealter äußern. Der Mensch kann dann über zutreffend oder falsch, über Wahrheit befinden. Schließlich entsteht ein Gewissen und über Jahre lernt der junge Mensch in der Begegnung und Auseinandersetzung mit anderen Verantwortung für seine Entscheidungen zu übernehmen.

Hirnströme erklären nicht Verantwortung

All das sind Vorgänge, zu denen die Naturwissenschaften nur Messergebnisse der Hirnströme vorlegen können. Wie man aber die Bildung von Sätzen oder gar Verantwortungsgefühl naturwissenschaftlich fassen soll, ist völlig unklar und wohl gar nicht möglich. Ein Satz wie „Ich habe vergessen, das zu erledigen“, müsste in eine physikalische Sprache, also in eine mathematische Formel umgesetzt werden. Aber mit welchen mathematischen Mitteln will man den Vorgang „Ich übernehme Verantwortung“ so fassen, dass wir daraus eine Messung ableiten können? Und genau das wollen wir auch spontan nicht, wenn es um uns als Person geht. Ich will nicht, dass mein Verantwortungsgefühl gemessen wird, wie das mit dem Lügendetektor mal versucht wurde. Ich werde zwar von anderen eingeschätzt, bekomme in der Schule und später in Arbeitszeugnissen Noten für gutes Benehmen. Aber das sind nur Einschätzungen von anderen, die mich nicht objektiv messen können, sondern nur sagen, wie ich auf sie gewirkt habe. Würden wir berechenbar gemacht, fühlten wir uns in unserer Personwürde verletzt. Das geschieht zwar faktisch bereits durch Google, Facebook und Apple, uns ist das aber nicht bewusst. Aber das Bild, dass z.B. Google sich von uns macht, ist nur ein Bild, das aus Beobachtungsdaten konstruiert wird meine Person bekommt Google auch durch Millionen Messdaten nicht zu fassen. Zwar bin ich durch die Spuren, die ich beim Surfen hinterlasse und die Google aus meinen Mails herausliest, wenn ich gmail.com nutze, ziemlich transparent, mich als Person kann der Algorithmus von Google nicht fassen. Als Person werde ich nur von anderen Personen, die mit mir in Kommunikation treten, erkannt. Das Personhafte kann man nicht mit physikalischen oder anderen Naturwissenschaften ausmachen. Nur eine Person erkennt Personhaftes, kein naturwissenschaftliches Messgerät. Deshalb kann man auch nicht „messen“, ob mit dem Zerfall des Körpers auch die Person verschwunden ist. Die Naturwissenschaften können über Personhaftes nichts feststellen, also auch nicht, dass mit dem Zerfall des Gehirns auch die Person sich aufgelöst hätte.

Newerkkirche Goslar Der blaue Hintergrund zeigt, dass Maria im Himmel auf einen goldenen Thron sitzt. Foto: E.Bieger

Newerkkirche Goslar, Der blaue Hintergrund zeigt, dass Maria im Himmel auf einem goldenen Thron sitzt.
Foto: E.Bieger

Person ohne Leib?

Wenn also mit dem Zerfall des Gehirns nichts gesagt ist, was aus der Person wird, kann man doch in Bezug auf das Materielle einen Schritt weiter denken. Personen sind in dieser Welt immer an einen Leib gebunden. Es gibt keine Bilokation, wenn der andere nicht in Rufnähe ist, brauche ich ein Telefon. Das deutet darauf hin, dass das Geistige eines Menschen sich nicht über den ganzen Raum ausbreitet, sondern nur da angetroffen werden kann, wo sein Leib ist. Es liegt nahe, das Geistige im Menschen auch nach dem Tod in Beziehung zu seinem Leib zu sehen. Es ist also wohl nicht so, dass die Seele beim Tod den Leib zurücklässt, um dann leib frei in voller Geistigkeit weiter zu leben. . So dachten es sich die Griechen. Es ist wahrscheinlich auch nicht so, dass die Seele sich in eine Weltseele auflöst, sondern die Person bleibt – mit einem Bezug zu etwas Leiblichen.

Es sind nicht nur die Auferstehungsberichte, die das nahelegen. Die Jünger erkennen Jesus sogar an seinen Wundmalen. Es gibt auch nicht wenige Menschen, die nach dem Tod eines Menschen diesen im Himmel gesehen haben. Sie erkennen den Verstorbenen an seiner leiblichen Gestalt. Diese Berichte werden inzwischen dokumentiert. Man kann auch Menschen treffen, die diese Erfahrungen gemacht haben. Der Autor ist einmal der Verwandten einer Verstorbenen begegnet, die ihre Großmutter im Himmel gesehen hat. Das klingt, wenn man es aufschriebt, vielleicht wir ein erfundener Bericht. Wenn man aber den Bericht direkt hört und erkennt, dass die Vision für die Betroffene so überraschend war, dass sie mit dieser Erfahrung lange nicht fertig wurden, kann ihren Bericht für glaubwürdig halten.

Eckhard Bieger S.J.

Dass man sehr wohl vernünftig über Gott und ein Leben nach dem Tod sprechen kann, zeigt Holm Tetens, s. dazu die Besprechung Theismus versus Naturalismus

Ein Gedanke zu “Was passiert nach dem Tod mit unserer Seele

  1. Wir können die zahlreichen gut dokumentierten Nahtoderlebnisse durchaus als ein Indiz für ein wie auch immer geartetes Weiterleben nach dem Tod verstehen. Und mhöchstwahrscheinlich ist unser Bewusstsein gar nicht im Gehirn lokalisiert. Die legt zumindest diese Studie des niederländischen Kardiologen Pim van Lommel nah:

    Was ist Bewusstsein? Wir können wahrnehmen, denken, uns erinnern. Wir sind uns unserer selbst bewusst. Doch was überhaupt ist Bewusstsein? Wie entsteht es?

    Nach gängiger materialistischer Weltanschauung ist Bewusstsein ein Produkt des Gehirns. Das sieht man vielleicht deshalb so, weil er innerhalb dieser Weltanschauung keine bessere Erklärung gibt. Das ist in etwas so, als würde man die Musik, die man im Radio hört, als Produkt dieses Radios betrachten. Die Verschaltungen im Radio bringen die Musik hervor.

    https://glueckundfreude.wordpress.com/2015/07/13/unser-endloses-bewusstsein/

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