Ein neuer Lehrer für die Kirche

Papst Franziskus hat vor kurzem den armenischen Abt Gregor von Narek zum Kirchenlehrer der katholischen Kirche ernannt. Während Gregor in Armenien schon lange verehrt wird, war er in der lateinischen Kirche bisher weitgehend unbekannt.

Foto: WikiCommons Trycatch

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Was ist ein Kirchenlehrer

Kirchenlehrer sind Heilige, denen die Kirche eine besondere Bedeutung für die christliche Lehre zuerkennt. Der Titel doctor ecclesiae entstand im 13. Jahrhundert, um solche Heilige von den Kirchenvätern unterscheiden zu können, denn als Kirchenväter können nur Personen bezeichnet werden, die in der Antike gewirkt haben. Als letzter Kirchenvater gilt gemeinhin Johannes von Damaskus.

In der lateinischen Kirche kommt es dem Papst zu, den Titel eines Kirchenlehrers zu verleihen. Benedikt XIV. hat 1741 die Bedingungen hierfür festgelegt: Rechtgläubigkeit der Lehre, wobei darunter nicht Irrtumslosigkeit gemeint ist, sondern nur die Übereinstimmung mit der Kirche; Heiligkeit des Lebens; Anerkennung bzw. offizielle Ernennung durch die Kirche. Derzeit kennt die römische Kirche 36 Kirchenlehrer- und Kirchenlehrerinnen.

In der Orthodoxen Kirche gibt es derzeit keine genauen Regeln oder eine Institution, welche einen Kirchenlehrer anerkennt. So gibt es nur wenige Heilige, die in der ganzen Orthodoxie mit diesem Titel geehrt werden, darunter Simeon den Neuen Theologe oder Gregorios Palamas.

Wer war Gregor von Narek

Gregor von Narren wurde 950 im Dorf Narek geboren. Er stammte aus einer Familie von Gelehrten, sein Vater war der spätere Bischof Chosrov Andzevatsi. Nach dem frühen Tod seiner Mutter wurde er von seiner Cousine Anania erzogen, die im Dorf eine Schule gegründet hatte. Als junger Mann trat er wie seine Brüder in das Kloster Narekawank ein, indem er bald nach seiner Priesterweihe Abt wurde. Er starb 1005 und wurde in seinem Kloster begraben.

Gregor von Narek verdankt seinen Rang als Kirchenlehrer der Armenier seinen liturgischen und biblischen Schriften. Er verfasste zahlreiche mystische Bücher, etwa einen Text zum Hohelied, der zu den wichtigsten Werken der armenischen Literatur zählt. Sein bedeutendster liturgischer Text ist das bis heute verwendete Buch der Klagen.

Eine ökumenische Botschaft

Es ist ungewöhnlich, dass ein Heiliger außerhalb der lateinischen Kirche vom Papst zum Kirchenlehrer erhoben wird. Papst Franziskus setzt damit ein wichtiges Zeichen für die Ökumene. Denn die Kirche ist die Gemeinschaft der Heiligen. Indem der Papst jene Männer und Frauen ehrt, die in anderen Kirchen besonders verehrt werden, fördert er die Annäherung. Das funktioniert, wie die Anwesenheit des Patriarchen der Armenisch-Apostolischen Kirche, Karekin II. und des Katholikos des Großen Hauses von Kilikien, Aram I., bei der Erhebung zeigt.

Maximilian Röll

Foto: WikiCommons Trycatch

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