Lügen haben kurze Beine, können aber Spaß machen

Lüge

Foto: Jutta Mügge

Wir Menschen lügen oft, manche gut und manche schlecht. Dass Lügen kurze Beine haben, haben viele Eltern ihren Kindern beigebracht, doch in der Not helfen sich auch die Eltern mit einer Lüge. Vor Gericht wird gelogen, weil der Anwalt sagt, dass es besser sei, wenn man es etwas anders formuliere, bei der Steuererklärung rechnet man mit einer besonderen Formel, die bestimmte Zahlen einfach verschluckt. Auf der anderen Seiten hören wir gerne Lügengeschichten. Kann das so sein? Ist das jetzt eine Lüge? Oder ist es ein bisschen wahr?    

Die Lüge hat eine große Faszination. Manchmal hat es den Anschein, wer die besten Lügen auftischen kann, der hat auch den größten Erfolg im Leben. Ehrlich ist noch nie jemand wirklich reich geworden, denken viele und versuchen sich gleich mit kleinen Lügen. Und natürlich fallen sie sofort auf. Lügen will also gelernt sein. Da jedoch das Lügen als moralisch verwerflich gilt, gibt es auch keine offiziellen Lügenlehrer.

Fantasie

Es gibt begabte Lügner, die eine ausschweifende Fantasie haben und etwas, was man bislang für wahr hielt, ganz selbstverständlich umdrehen und kreativ etwas anderes als Wahrheit hinstellen. Solche Lügenkünstler verdienen als Heiratsschwindler, Betrüger oder auch Sektenführer eine Menge Geld. Das Problem ist jedoch, dass ein Lügner nur selten seine Lügen genießen kann, denn dann würde er ja auffallen. Glaubt sich der Lügner seine Lügen, dann ist er kein echter Lügner mehr, sondern einer, dem man das Symptom Konfabulation zuweist. Der wahre Lügner kennt also die Wahrheit und mit seiner besonderen Fantasie verdreht er einfach ein paar Zuordnungen oder Rahmenbedingungen, und schon gibt es eine neue Wahrheit, die im „normalen“ System sofort als Lüge entdeckt würde.

Das Spiel mit der Erkenntnis

Die Geschichten vom Baron von Münchhausen haben viele Generationen begeistert. Neugierige wurden entflammt, weil sie wissen wollten, ob die Lüge vielleicht doch nicht so dumm ist. Andere sind von der Dreistigkeit begeistert, mit der Lügen zelebriert werden. Manche haben ein Spiel daraus gemacht und sich gefragt, was wohl die Lüge und was die Wahrheit sei. Neben der Lust, solche Geschichten zu lesen oder zu hören, stellt sich eine Erkenntnis ein. Lügen können gut ausgedacht und erzählt sein, die Wirklichkeit wird ins Wanken gebracht und man muss sich fragen, warum man manche Dinge eigentlich so und nicht anders sieht. Es kann auch die Erkenntnis geben, dass man leicht einer Lüge auf den Leim geht. Andere gestehen sich vielleicht ein, dass sie zunächst einmal gar nichts glauben und hinter jeder Aussage eine Lüge wittern. Und den meisten dürfte die Erkenntnis dämmern, dass es oft kaum möglich ist, Lüge und Wahrheit genau zu unterscheiden.

Die Lust der Verunsicherung

Als Kinder hatten wir vielleicht so einen Onkel oder so eine Tante, die irgendeine Unmöglichkeit erzählt haben, um uns als Kind an der Nase herumzuführen. Sie freuten sich diebisch, wenn wir als Kinder ihren Geschichten geglaubt haben. Später enttarnte man diese Geschichten, bevor sie erzählt wurden, doch ließ man sich trotzdem in diese Lügenwelten mit hineinnehmen. Dem Onkel oder der Tante wurde es nicht übel genommen, dass sie einen solchen Quatsch ganz überzeugt erzählten. Gelernt hat man von diesen Lügendichtern, dass die Verunsicherung über Lüge oder Wahrheit Spaß machen kann. Man musste seinen Verstand einschalten, um die Lügen zu erkennen.

Interesse und Erkenntnis

Lügengeschichten dienen der Unterhaltung und heiteren Verunsicherung. Das Interesse solcher Geschichten liegt jedoch nicht darin, uns zu einer Handlung oder zu einer Überzeugung zu bringen. Wir lernen, dass etwas wahr klingen kann und doch eine richtig dicke Lüge ist. Können wir das Interesse hinter einer Lüge erkennen, verstehen wir möglicherweise, warum uns ein anderer belügt und hören auf sein eigentliches Interesse. Und umgekehrt spüren wir sehr schnell, wenn jemand mit einer Lüge uns übervorteilen will. Diese Lügenübungen führen jedoch auch dazu, dass wir eine abwegige, esoterische, religiöse oder sonstige Idee erst einmal anhören, dann überlegen, welches Interesse damit verbunden ist und entscheiden, ob wir uns weiter damit beschäftigen wollen.

Thomas Holtbernd

Ein Gedanke zu “Lügen haben kurze Beine, können aber Spaß machen

  1. Ahhh, jetzt verstehe ich. Die Bild Zeitung hat deshalb so einen Riesenerfolg, weil alle versuchen, die Wahrheit in den Lügen zu erkennen. Sie ist also das populärste Rätselheft ….

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