Orthodoxe haben anderen Ostertermin

Die Orthodoxen feiern an diesem Wochenende die Auferstehung Christi. Also eine Woche nach dem lateinischen Osterfest. Denn die Einheit des christlichen Ostertermins zerfiel mit der Einführung des gregorianischen Kalenders.

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Der julianische Kalender wurde 45 v. Chr. von Julius Caesar eingeführt. Er war auf dem neusten Stand der damaligen astronomischen und mathematischen Erkenntnisse, wies aber dennoch einige leichte Fehler auf. In der Folge kam es im Laufe der Jahrhunderte zu einer Verschiebung gegenüber dem astronomischen Jahr, die sich heute auf 13 Tage beläuft. Von diesem Missstand war auch der Ostertermin betroffen. Daher hat Papst Gregor XIII. 1582 einen neuen Kalender eingeführt, der bis heute seinen Namen trägt. 

Während die katholischen Staaten den Kalender sofort übernahmen, haben viele protestantische Länder erst im Laufe der Jahrzehnte umgestellt. Einer der letzten westlichen Staaten war Schweden 1752.

Doch kam es durch den gregorianischen Kalender auch zu einer erneuten Revision der Ostertabellen. Denn die alexandrinischen Mondzyklen waren zwar die Genauesten der Antike, aber sie entsprachen nicht genau dem astronomischen Verlauf. Die Ungenauigkeit führte im Verlauf der Jahrhunderte wiederum zu einer Verschiebung um mehrere Tage vom realen Vollmond. Auch hier wurde ein einmaliger Korrektursprung vorgenommen und das System nachgebessert. Um den alten Grundsatz einzuhalten, den Ostersonntag nicht nach dem 25. April zu halten, mussten aber einige Sonderregelungen eingeführt werden.

Orthodoxer Ostertermin nach dem julianischen Kalender

Die orthodoxen Staaten stellen hingegen nicht auf den gregorianischen Kalender um. Zwar führten sie ihn im Verlauf des 20. Jahrhunderts alle ein, so die damalige Sowjetunion 1922. Die orthodoxen Kirchen behielten aber den julianischen Kalender bei. In der Folge kommt es heute zu einer Verschiebung des gregorianischen zum julianischen System von 13 Tagen, sodass etwa in Russland zweimal Weihnachten gefeiert wird. Einmal das weltliche Fest wie im Westen, einmal die religiöse Feier 13 Tage später, also am 7. Januar des gregorianischen Systems.

Neujulianischer Kalender

In den orthodoxen Kirchen gibt es derzeit zwei verschiedene Kalender. Zum einen den unrevidierten und den neujulianischen Kalender. Da man sich in den Ostkirchen der Probleme des julianischen Systems bewusst war, arbeitete der Serbe Milutin Milanković auf Basis des gregorianischen Kalender eine Revision aus, die der lateinischen Variante weitgehend entspricht. 1923 wurde auf einer Konferenz der meisten orthodoxen Kirchen dieser neujulianische Kalender angenommen. Allerdings nahm damals das russische Patriarchat als größte orthodoxe Gemeinschaft nicht teil. Daher stellten die meisten Kirchen die Einführung zurück. Aktuell wird der revidierte Kalender zum Beispiel in Griechenland und in Bulgarien verwendet.

Allerdings auch nur für die unbeweglichen Festtage. In der Folge feiern die verschiedenen orthodoxen Kirchen an unterschiedlichen Tagen Weihnachten. In der Osterfrage entschied man sich dagegen, die Gemeinsamkeit höher zu bewerten als die astronomische Genauigkeit. So verwenden bis heute alle orthodoxen Kirchen, außer der finnischen, den unrevidierten julianischen Kalender für die Berechnung des Osterfestes.

2014 feierten alle Christen gemeinsam

Der gregorianische und der orthodoxe Osterkalender unterscheiden sich durch die Beweglichkeit des Osterfestes verschieden weit von einander. Der Orthodoxe kann bis zu fünf Wochen vom westlichen abweichen. Es kann aber auch zu einem gemeinsamen Termin kommen, wenn in der Orthodoxie Ostern 13 Tage vor dem lateinischen Datum gefeiert wird. So geschehen 2014.

Dazu:
Streit um den Ostertermin (hinsehen.net)

Maximilian Röll

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