Streit um den Ostertermin

Ostern ist immer an einem anderen Tag im Jahr. Und damit wandern auch alle anderen Festtage, die von Ostern abhängen, etwa Aschermittwoch oder Pfingsten. Denn für das Osterfest mussten zwei verschiedene Kalendersysteme zusammengebracht werden: Der römische Sonnen- und der jüdische Mondkalender. 

3 April 2015 Karfreitag Ostern Kalender

Foto: Fotolia

Das historische Ostern ist eng mit dem jüdischen Paschafest verbunden. Jesus feierte das Paschamahl mit seinen Jüngern am Gründonnerstag und ist am Sonntag nach dem Fest auferstanden. Auch inhaltlich hängen beide Feste miteinander zusammen. Die Juden begehen zum Paschest die Rettung aus Ägypten und schlachten dazu ein Lamm, in Erinnerung an die letzte Plage Gottes und den Schutz, den Gott ihnen bei dieser Plage hat zuteil werden lassen.  Damit besteht eine Verbind zwischen der christlichen Symbolik von Jesus als Opferlamm und dem Paschalamm.

Der jüdische Kalender

Das Datum des Paschafestes wird mit dem Mondkalender berechnet. Es liegt immer am 15. Nisan. Der Nisan ist im jüdischen Kalender der Monat, an dem der Frühling beginnt. Er startet mit einem Neumondtag. Der 14. Nisan als Rüsttag ist daher traditionell mit dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsanfang verbunden.

Die jüdischen Feste sind zumeist mit Riten um die Natur und den Ackerbau verbunden, etwa das Opfern von Ähren. Da der Mondkalender immer einige Tage weniger hat als der genauere Sonnenkalender, kann aber eine Verschiebung in den Jahreszeiten entstehen. Um das zu verhindern, schiebt der jüdische Kalender daher regelmäßig einen weiteren Monat ins Jahr ein, damit die Jahreszeiten wieder zum liturgischen Kalender passen.

Juden- gegen Heidenchristen

Die Christen haben sich auf verschiedene Weise am Paschafest orientiert. Die Judenchristen hielten sich unabhängig von den Wochentagen an den 14. Nisan als Gründonnerstag. Damit war für sie der 17. der Tag der Auferstehung. Die Heidenchristen dagegen verbanden Ostern mit den Wochentagen. Da Jesus an einem Sonntag auferstanden war, feierten sie in der Liturgie an diesem Tag Ostern. Um das Fest im Jahreslauf zu verorten, orientierten sie sich weiterhin am jüdischen Mondkalender. Sie feierten die Auferstehung am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang. Grundsätzlich lagen Juden- und Heidenchristen damit zeitlich eng beieinander. Denn die Heidenchristen übernahmen weitgehend die jüdische Berechnung des Frühlingsvollmondes.
Dennoch kam es seit dem 2. Jahrhundert vermehrt zu Streitigkeiten in der Oikumene, wann Ostern gefeiert werden sollte. Da die Heidenchristen schon bald die Mehrheit stellten, setzen sie im 4. Jahrhundert ihre Berechnung durch. Die judenchristliche Praxis wurde an den Rand gedrängt und ging, wie viele Traditionen, schließlich im 5. und 6. Jahrhundert unter.

Streit um den Frühlingsanfang

Aber auch unter den Heidenchristen herrschte keine Einigkeit über den genauen Ostertermin. Die Kalenderegeln konnten verschiedenartig ausgelegt werden. Zwar musste das Fest erstens im Frühling liegen, zweitens nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsanfang und drittens an einem Sonntag. Doch wann erstens der Frühling begann, zweitens in welchem Zeitraum Ostern gefeiert werden durfte und drittens wann der Frühlingsvollmond zu berechnen war, darüber waren sich die Christen uneins.

Die römische Kirche richteten sich nach dem julianischen Kalenders, der den 25. März als Frühlingsanfang festsetzte. Die Alexandriner legten den Beginn am 21. März an, was astronomisch genauer war. In Rom durfte der Karfreitag nicht vor dem 14. Nisan liegen, in Alexandria dagegen schon, ebenso wie Ostern in Rom nicht auf einen Vollmondtag fallen durfte. Im ersten Punkt folgte die Oikumene Alexandrien, im zweiten Punkt setzte sich Rom durch. Auch der Variationsraum vom 22. März zum 25. April wurde schließlich aus der Nilstadt übernommen.

Alexandria setzt sich durch

Schwieriger noch war die Berechnung des Frühlingsvollmondes. Denn die einfachste Methode, einfach zu warten, wann es Vollmond wurde, schied aus praktischen Gründen aus. Damit war keine Sicherheit für das wichtigste Fest im Jahr gewährleistet. Also nutzte man Tabellen der Mondzyklen, mit denen man den Vollmond berechnete. Allerdings nutzten verschiedene Kirchen unterschiedlich lange Tabellen, die zu verschiedenen Ergebnissen kamen. So feierten die Christen bis ins 9. Jahrhundert Ostern nicht am gleichen Tag. Erst in der Karolingerzeit hatten alle Kirchen die alexandrinischen Tabellen übernommen, die sich als die genauesten herausgestellt hatten.

Maximilian Röll

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2 Gedanken zu “Streit um den Ostertermin

  1. Das 2. Vatikanische Konzil will den Streit beilegen! Nachzulesen als Anhang zur Liturgiekonstitution:

    ERKLÄRUNG DES II. VATIKANISCHEN KONZILS ZUR KALENDERREFORM

    Das Heilige Allgemeine Zweite Vatikanische Konzil mißt dem Verlangen vieler, das Osterfest auf einen bestimmten Sonntag anzusetzen und den Kalender festzulegen, nicht geringe Bedeutung bei. Nach sorgfältiger Abwägung aller Folgen, die aus der Einführung eines neuen Kalenders entspringen können, erklärt es Folgendes.

    1) Das Heilige Konzil widerstrebt nicht der Festlegung des Osterfestes auf einen bestimmten Sonntag im Gregorianischen Kalender, wenn alle, die es angeht, besonders die von der Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhl getrennten Brüder, zustimmen.

    2) Ebenso erklärt das Heilige Konzil, daß es sich nicht gegen Versuche wendet, in der bürgerlichen Gesellschaft einen immerwährenden Kalender einzuführen. Von den verschiedenen Systemen, die zur Festlegung eines immerwährenden Kalenders und dessen Einführung im bürgerlichen Leben ausgedacht werden, steht die Kirche nur jenen nicht ablehnend gegenüber, welche die Siebentagewoche mit dem Sonntag bewahren und schützen, ohne einen wochenfreien Tag einzuschieben, so daß die Folge der Wochen unangetastet bleibt, es sei denn, es tauchten ganz schwerwiegende Gründe auf, über die dann der Apostolische Stuhl zu urteilen hat.

    4. Dezember 1963

  2. Pingback: Orthodoxe haben anderen Ostertermin | hinsehen.net

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