Wie ist Gott im Netz?

80 Internet-Protaganisten aus den Kirchen haben die Religion im Internet gesucht  – Spurensuche auf der Tagung „Kiche im Web“ in Münster

Foto: dpa / picture-allianceMehr Bekenntnis

Google zählt die Klicks. 750 Millionen Mal wurden religiöse Seiten angeklickt, mehr als 1 Millionen christliche Webseiten gibt es. Hinzugekommen sind viele Seiten und Gruppen bei Facebook.

Religion zeigt also virale Kraft, sie durchdringt das Medium. Die Dynamik kommt nicht allein von den Homepages. Mit Blogs, mit der sich eine Person ausdrückt wird die Sprache persönlicher. Zeigt eine Homepage eher das Bleibende, bewegt sich der Blogger im Zeitstrom. Noch persönlicher kommt Religiosität in den Communities vor. Schon die Einladung, die Facebook an seine Nutzer richtet, motiviert zu einer persönlicher Aussage: „Was machst Du gerade?“ Wer betet, „teilt“ das allerdings noch nicht einfach mit anderen. Wahrscheinlich wird das in unserer Kultur noch als zu intim empfunden. Deshalb verabreden sich Beter, sogar über Kontinente hinweg, um zur gleichen Zeit zu meditieren und zu beten.

Die neuen Medien fordern eine andere Vermittlung und damit ein neues Kennenlernen der Botschaft.

Es wird zu neuen Formen der religiösen Darstellung geben. Das Buch eröffnete neue Möglichkeiten, Text und Bild in Beziehung zu setzen und Seiten zu komponieren. In der Musik brauchte es das Orchester und die Solostimmen, ehe das Oratorium und die Passionsmusik zu ihrer Gestalt fanden. Die Freskenmalerei in den romanischen Kirchen wanderte in die Glasfenster der Gotik, als man auf die Idee kam, die Mauern des Kirchenraumes herauszunehmen und dafür Glasfenster einzusetzen.

Gibt es eine theologische Frage?

Die neuen Formen, vergleichbar der Buchmalerei oder dem Oratorium, zeichnen sich für das Internet noch nicht ab. Die virale Dynamik des Internets und seine Konnektivität bieten neue Gestaltungsmittel. Dabei lässt sich das Neue weniger von der statischen Homepage erwarten als von den Social Media. Die legen nahe, dass viel mehr Teilnahme und Mitgestaltung möglich ist. Partizipative Religösität ist sicher die Voraussetzung, dass Religiosität sich über die Social Media verbreitet.

Das wird, wie es das 13. Jahrhundert durch die Übernahme der aristotelischen Philosophie die Gestaltungskraft der Gotik zu einer neuen theologischen Durchdringung der christlichen Botschaft, ebenso in der Reformation. Kino und Fernsehen haben die an das Wort gekettete Theologie kaum zu neuen Einsichten bewegen können. Im Rückblick kann man sagen, dass es die theologische Durchdringung braucht, ehe die Religiosität nicht nur im Internet vorkommt, sondern ihre gestaltende Kraft entwickelt.

Theologisch ist über den Bilderstreit u.a. Kontroversen geklärt, dass Gott dem Surfer genauso nahe ist wie in einer Kirche. Es ist eher der Mensch, der Zugang zu Gott finden muss. Den findet er leichter, wenn ihm ein Weg aus seiner Kultur heraus eröffnet wird.

Eckhard Bieger S.J.

Foto: dpa / picture-alliance

Die Tagung fand vom 19. – 20. März im Franz-Hitze-Haus in Münster statt. Weitere Beiträge, die durch die „Kirche im Web“-Tagung inspiriert wurden, finden sich hier bei hinsehen.net und auf auf expilzit.net.

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