Stairway to heaven

Ein Park und in diesem Park sind Hügel aufgeschüttet. Die Hügel hinauf sind Treppen gebaut. Steht man davor und schaut nach oben, dann scheinen die Treppen ins Unendliche zu führen. Eine beliebte Spielerei von Landschaftsarchitekten. Der Raum wird in eine Dimension geöffnet, die keine Formen, keine Statik, keine Regeln hat. Auch wenn man nicht von der Erde abgehoben hat, fühlt man sich dennoch in einen Raum ohne Grund gezogen. Die Architektur richtet unseren Blick auf das, was sie nicht schaffen kann, in einen nicht bestimmbaren Raum.

Treppen üben eine Faszination aus, sie führen nach oben bzw. nach unten. Es ist nicht immer einsehbar, wohin sie genau führen. Sind sie eng, dann geht es oft sehr hoch hinaus. Eine schmale Wendeltreppe findet sich daher oft in Türmen. Breite Treppen laden ein, majestätisch hinunterzuschreiten. Es gibt berühmte Treppen, wie die spanische Treppe in Rom. Auf dem Flugplatz gibt es Treppen, die keinen festen Standort haben und an das gelandete Flugzeug herangefahren werden. Stehen solche Treppen frei auf dem Feld, wirken sie melancholisch, denn so sind sie nutzlos und ohne Sinn.

Treppenbewegungen

Steigt man eine Treppe hinauf oder hinunter, gewöhnt man sich schnell an die Tritthöhe. Ist eine Stufe etwas höher oder niedriger, gerät man leicht ins Stolpern. Menschen, die ein gewisses Alter erreicht haben, spüren beim Treppensteigen möglicherweise zuerst, dass sie körperlich eingeschränkt sind. Junge und sportliche Menschen nehmen dagegen gleich mehrere Stufen. Eine Wendeltreppe schnell hinunterzulaufen, verursacht einen Drehschwindel. Kinder hüpfen Treppen hinunter und manche Menschen bewegen sich in religiöser Ehrfurcht kniend die Treppen hinauf.

Treppenrichtung

Treppen sind auf eine eindeutige Richtung bezogen: oben und unten. Oft korreliert dies mit hell und dunkel. Die Bewegung ist starr festgelegt, auf einer Treppe kann man sich nicht verirren oder vom Weg abkommen. Eine Kellertreppe hat oft etwas Unheimliches, weil unten etwas Dunkles wartet und keine Ausweich- oder Fluchtmöglichkeit gegeben ist. Treppen in einem Turm lassen Höhe erfahren, wenn man beim Aufstieg durch Fenster schauen kann. Und zu einer Treppe gehört fast immer ein Treppengeländer, das sowohl zum Schutz davor dient hinunterzufallen als auch als Möglichkeit, sich abzustützen und Erleichterung beim Treppensteigen zu finden.

Treppenerfahrungen

Eine Treppe ist ähnlich wie eine Leiter ein Zwischending. Oben und unten werden verbunden. Die Treppe ist Mittel zum Zweck. Treppenhäuser sind selten schön, eher funktional und dienen allein dem Zweck, hinauf oder hinunter zu kommen. Allerdings kann die Treppe auch konspirativ sein, wie es der Treppenwitz zeigt. In Krimis bekommen Verfolgungsjagden im Treppenhaus eine besondere Spannung. Aber Treppen können auch ohne Funktion sein und dienen allein als Metapher. Sie verweisen auf ein Oben, das Stufe für Stufe erreicht werden muss. Der Weg ist zwar gerade, doch deswegen nicht beschwerdefrei.

Der Treppenblick

Geht der Blick hinauf, enden die Stufen irgendwann im nicht Sichtbaren. Dem klaren Formprinzip folgt eine totale Strukturlosigkeit. Es ist da oben etwas, was wie Metaphysik wirkt. Da ist etwas Erblicktes, das durch den Kontrast zu den Stufen, fast schon religiös wirkt. Es findet sich keine Sprache, mit der sich das beschreiben lässt, was oberhalb der Treppe kommt. Der Himmel wirkt ganz anders als ohne diesen Kontrast. Dem Himmel wird eine andere Bedeutung zugeschrieben, obwohl es derselbe Himmel ist. Es ist kein Naturschauspiel wie ein Sonnenuntergang. Der Himmel oberhalb der Treppe wirkt wie die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat. Die Antwort ist einfach da, weil der Mensch diese Treppe gebaut hat. Wenn man die Treppe als eine religiöse Spur verstehen will, dann zeigt sie Religiosität als einen Blick. Dieser Blick ist jedoch ein ganz anderer, wenn man oben an der Treppe angelangt ist, dann hat sich die Illusion aufgelöst, das vielleicht Mystische hat sich in einen Blick von oben verwandelt. Auf dem Olymp angekommen wirken die Götter menschlich. Die Erfahrung der Treppe bleibt, der Mensch hat sich die Illusion vom Himmel geschaffen und sucht eine Treppe, die vom Olymp aus weiter hinaufführt.

Thomas Holtbernd

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