Franz Hitze. Priester und Sozialreformer

Franz Hitze war einer der bedeutendsten Abgeordneten der Zentrumspartei und einer der Väter der katholischen Sozialpolitik. Er steht für den prägenden Einfluss der katholischen Politik im Kaiserreich und in den frühen Jahren der Weimarer Republik.

Hitze

Foto: WikiCommons Bubo


Ein Priester in bewegter Zeit 

Hitze gehört zum klassischen Typus des katholischen Geistlichen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Er stammt aus einer kinderreichen Bauernfamilie in einer katholischen Landschaft, er ist durch Studium in Würzburg und Rom auf die kirchliche Zentrale ausgerichtet und war in zahlreichen katholischen Vereinen engagiert. Er war ganz im katholischen Milieu sozialisiert und davon umgeben.

Damit musste er sich auch den Herausforderungen der katholischen Lebenswelt stellen. Im ausgehenden 19. Jahrhundert waren Katholiken im Rheinland und in Westfalen von der Industrialisierung betroffen. Die Arbeiterfrage drängte sich der Kirche auf. Denn sie musste den Arbeitern aus den Dörfern in die Städte hinterher ziehen und ein katholisches Leben in den Industrieregionen ermöglichen.


Franz Hitze: Vereinsgründer und Vater der Sozialversicherung

Hitze reagierte auf die Anfragen an die katholische Kirche. Schon 1877 veröffentlichte er sein erstes Buch „Die soziale Frage und die Bestrebung zu ihrer Lösung“. Darin befürwortete er Ideen von Ferdinand Lassalles, dem Vater der Sozialdemokratie. Er sprach sich etwa die Gründung von Arbeiter- und Produktionsgenossenschaften aus. Zur Selbstorganisation des katholischen Proletariats trugen auch die katholischen Arbeitervereine bei, an deren Gründung Hitze oft beteiligt war. Für die Bildung der Katholiken setzte sich der Volksverein des katholischen Deutschlands ein, für die soziale Not die Caritas, alles Institutionen, die Hitze mitbegründete.

Ergänzend war er von 1884 bis zu seinem Tod Reichstagsabgeordneter und Mitglied der Nationalversammlung, sowie 1882 bis 1893 und 1898 bis 1912 im Preußischen Abgeordnetenhaus vertreten. Dadurch nahm er erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des Systems der Sozialversicherung. Im Gegensatz zu sozialdemokratischen Vorstellungen setzte das Zentrum auf ein Versicherungssystem, das von beiden Sozialpartnern getragen wurde. Dieser Gedanke ist bis heute prägend für die Sozialversicherungen in Deutschland.

Hitze starb 1921. Der damalige Reichskanzler Joseph Wirth (Zentrum) bezeichnete den „edlen Prälaten“ unter den Männern, die er kannte, als bescheidensten und selbstlosesten Menschen.

Maximilian Röll

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