Maria Entschlafen Altar in Frankfurt

Foto: WikiCommons Mylius

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Der Maria Entschlafen-Altar im Frankfurter Dom ist als vollplastischer Altar einer der letzten seiner Art im Rhein-Main-Gebiet. Er gibt Zeugnis von der theologischen und künstlerischen Entwicklung der letzten Jahrhunderte.

Eine Frau schließt die Augen, während zwölf Männer trauernd um sie herum stehen. Hier geht eine Mutter im Kreis ihrer Söhne, könnte der Eindruck des Betrachters sein. Die Frau wirkt aber kaum älter als die Umstehenden, gegenüber einigen wirkt sie sogar jünger. Doch es ist eine Mutter, die da geht. Hier entschläft die Maria, die Mutter Gottes, die Theotokos, wie die Kirche sie besingt.

Keine Frau ist bekannter, keine Frau wird mehr verehrt. Und keine Frau soll nach dem Glauben der Kirche erhabener die Welt verlassen haben. Denn Maria ist nicht nur die Mutter des Herrn, sie ist auch die unbefleckt Empfangene. Im Moment, da sie im Mutterleib entstand, nahm Gott die Erbsünde von ihr. Doch wenn Maria ohne Sünde war, wie kann sie dann sterben wie alle anderen? Im Laufe der Jahrhunderte hat sich in der Kirche die Überzeugung durchgesetzt, dass Maria von ihrem Sohn mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Das wurde dadurch unterstützt, dass keine Stadt beansprucht, das Grab Mariens zu besitzen. Dogmatisch war das aber die längste Zeit nicht. Erst Papst Pius XII. verkündete 1950 die Leibhaftige Aufnahme Marien in den Himmel als Dogma.

Von dieser Entwicklung erzählt auch der Maria Entschlafen-Altar im Frankfurter Dom. Über der Sterbeszene schwebt  die Gestalt einer Frau, in ein weißes Gewand gekleidet und von Engeln getragen, zu Gottvater. Es bleibt offen, ob damit nur die Seele oder der ganze Leib Marien gemeint ist. Denn 1434, als Ulrich von Wehrstatt den Altar stiftete, galt das Dogma noch nicht. So erzählt der Altar vom Glauben der Menschen und der Kirche, der sich immer weiter entfaltet.

Maximilian Röll

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