Machen Kriege doch Sinn?

Foto KriegBringt Gott alles wieder in Ordnung?

Kriege zerstören die Lebensgrundlage. Im Osten der Ukraine sind die Fabriken kaputtgeschossen und die Bergwerke laufen voll Wasser. Die Menschen verlieren Verwandte und Freunde, sie werden immer schlechter versorgt. Noch schlimmer in Syrien. Die Felder können nicht bestellt werden. Es gibt Orte, die können von außen nicht mehr versorgt werden. Über drei Millionen Menschen haben das Land verlassen.

Krieg verlängert sich von alleine
Warum der Krieg sich immer mehr in ein Land einfrisst, kann man erklären. Die Toten scheinen es zu verbieten, dass die Überlebenden den Kampf aufgeben. Jeder Verlust auf der eigenen Seite muss bei dem Kriegsgegner gerächt werden. Noch größere Härte wird den Gegner in die Knie zwingen. Das war das Ziel des Bombenkrieges der Alliierten, der nur den Durchhaltewillen der Deutschen verstärkte. Wer durchhält, wird den Seig erringen, auch wenn alles zerstört ist. Es scheint jeweils mehr Gründe zu geben, weiterzukämpfen als aufzuhören. Erst nach 30 Jahren waren die Parteien im deutschen Konfessionskrieg so ausgelaugt, dass sie aufhören wollten. Der Erste Weltkrieg zog sich mit Grabenkämpfen in die Länge, ohne dass eine Seite die Chance eines überzeugenden Sieges sehen konnte. Was ist das Ergebnis, wenn die Kriegsparteien aufhören?

Lange Kriege – längere Friedenszeiten
Historiker und Politikwissenschaftler haben die Kriegsfolgen analysiert und festgestellt, dass auf lange Kriege oft längere Friedenszeiten folgen. Das trifft für den Dreißigjährigen, den Zweiten, aber nicht für den Ersten Weltkrieg zu. Kriege bereinigen Spannungen, führen Gegensätze zum Ausgleich, sie scheinen notwendig, um einem gesunder Frieden Platz zu schaffen. Gibt es solche Perspektiven für die aktuellen Kriegsschauplätze.

Die Spannungen wachsen mit der der Dauer der Kriegshandlungen
Kann man wenigstens die Hoffnung auf eine längere Friedenszeit für die Ukraine oder Syrien haben? Die Ukraine wird in eine Westbindung gezwungen. Wie immer der Konflikt ausgeht, ob die von den Separatisten mit russischer Hilfe eroberten Gebiete zu Russland kommen, selbständig werden oder Teil der Ukraine bleiben, Russland wird die Ukraine nicht an den Westen verloren geben. Die Spannungen zwischen Russland und der EU werden mit keiner der Lösungen geringer werden.

In Syrien herrscht eine ähnliche Situation wie im deutschen Konfessionskrieg: Politische und religiöse Gegensätze vermischen sich. Die Spannung zwischen Sunniten und Schiiten-Alewiten wird noch Jahre die Region zerreißen. Vielleicht kommt es wie nach dem Dreißigjährigen Krieg zu konfessionell geprägten Kleinstaaten, d.h. Syrien und der Irak zerfallen, die Kurden gründen einen eigenen Staat.

Kriege sind nicht religiös zu rechtfertigen

Im Blick auf die Spannungen, die sich in der Ukraine und im Nahen Osten entladen, versprechen die Kriegshandlungen keine Lösung. Blickt man auf die Folgen, so kann man gerade zum deutschen Konfessionskriege sagen, dass er die Skepsis gegen die Religion erheblich verstärkt hat. Die Religionskritiker haben angesichts der Grausamkeit der Waffengänge Recht. Der Religion fügt der Krieg bleibenden Schaden zu. Und was soll Gott dann an den Folgen noch ändern? Es ist offensichtlich die Freiheit des Menschen, mit der er sich gegenseitig zu Tode bringt und seine Ressourcen verwüstet. Zur Heilung der seelischen Wunden fehlen die Kräfte, wenn die Menschen ums Überleben ringen müssen. Denn auch wenn der Krieg vorbei ist, die Häuser und Fabriken liegen in Trümmern. Einen religiösen Sinn im Krieg zu entdecken, gelingt nur mit verblendeten Augen.

Eckhard Bieger S.J

Einen Überblick zu dem Wechselverhältnis von Krieg und Politik gibt Frank Schimmelpfennig in „Internationale Politik“, Bd. 3831 Uni-Taschenbücher, 2012

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