Ich glaube nicht an Gott, sondern an Bio, Smoothie, Veggieday

Heute gilt ein Bekenntnis zum Christentum oft als unzeitgemäß. Lieber bekennt man sich zu Obst, Gemüse, Bio-Smoothie und Tofuhähnchen. Eine Zeitgeistbetrachtung.

Foto: dpa/ Picture-Alliance

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Der Biowahn

„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“ So beginnt das Apostolische Glaubensbekenntnis, das verbindliches Dogma für alle evangelischen, katholischen und orthodoxen Kirchen ist. Doch die Kirchen gelten heute vielen als weltfremde Relikte der Vorzeit. Viel lieber bekannt man sich zum „ökologisch gerechten Anbau“. Dabei sind in der Ökoreligion alle grundlegenden Elemente der Religion enthalten, nur dass sich der persönliche Gott zu einer „Naturreligion“ für bessere Menschen entwickelt hat. Sie drohen bei Nichtbefolgung ihrer Lehren mit apokalyptischen Szenarien: Krankheiten und Weltuntergang. Ja, wer nicht das Heil in Bio sieht, wird von der „Natur“ mit Krebs, Herzinfarkt oder schlimmstenfalls mit dem Weltuntergang betraft. Wie kann man dem entgehen? Der moderne Ablasshandel ist teuer und totalitär: Das ganze Leben muss unter die Herrschaft des „Bio-Siegels“ gestellt werden. – „Wenn Bio auf der Tomate klebt, der Weltuntergang vorrübergeht“. Natürlich muss man in den Urlaub und zum Shopping nach London fliegen, aber im Supermarkt soll es Bio sein.

Der Lebensstil darf nicht leiden, das Biosiegel beruhigt das Gewissen, man fühlt sich besser, weiß, man ist ein guter Mensch, kein „Klimakiller“, keiner, der „bösen Anbau“ unterstützt. Dass Bioprodukte mitunter erheblich teurer sind, ihre angeblich höhere Gesundheit oft gar nicht erwiesen ist, die industrielle Massenproduktion ein Segen ist, der den Hunger besiegt hat, all diese Argumente lassen harte Biogläubige nicht gelten. Bio ist besser, so das ewig wahre Dogma. Besser Verzicht üben als feige Verrat an der heiligen Sache begehen. Bio fühlt sich gut an, man fühlt sich auf der richtigen Seite. Wer vermag es, gegen die Macht des guten Gefühls anzugehen?

Der Veggieday

Ein fleischfreier Tag pro Woche, mindestens, das ist die Forderung der Vertreter des Veggiedays. Wer sich hier noch an den fleischfreien Freitag der Katholiken erinnert, kann erahnen worum es geht. Natürlich liegt beim Veggieday die Begründung woanders, ebenfalls der Wochentag. Mit dem Fleischverbot der Katholiken möchte man nichts zu tun haben, hat doch der Donnerstag als Veggieday – als fleischfreier Tag – zu gelten. Man verzichtet beim Veggieday aus „ethischen Gründen“ auf Fleisch, nicht als Erinnerung an ein Heilsgeschehen. Weil Fleischessen wegen der armen Tiere, nicht wegen eines göttlichen Verbotes, als „Sünde“ gilt, soll man am Veggieday auf Fleisch verzichten. „Rein“ und „unrein“, was früher religiöse Speisekategorien waren, wird säkular transformiert. Daher gab es auch Versuche zur Zwangsvegetarisierung der Gesellschaft mittels fest vorgeschriebenem Donnerstag als Veggieday.

Diese ist jedoch am Widerwillen der Bevölkerung gescheitert. Die Unterscheidung Mensch-Tier wird ohnehin immer mehr reduziert, den Schwärmern des Veggiedays gelten Tiere fast wieder als heilig, der Hinduismus ersteht im Westen neu auf. Natürlich ist es so, dass auch im Christentum Tierquälerei Sünde ist, da sie gegen die Schöpfung verstößt. Thomas von Aquin hat sich hier bereits vor 800 Jahren hervorgetan. Massentierhaltung und Legebatterien sind nicht christliche Werke, sondern Folgen der Kapitalisierung aller Lebensbereiche. Dennoch kennt das Christentum kein generelles Fleischverbot. In der Bibel wird nach der Sinnflut der Verzehr von Fleisch, der anfangs verboten war, zugelassen: „Alles Lebendige, das sich regt, soll euch zur Nahrung dienen. Alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen. Nur Fleisch, in dem noch Blut ist, dürft ihr nicht essen.“ (Gen. 9,3-4). Später wird im Christentum die Speiseordnung geändert und alle tierische und pflanzliche Nahrung für essbar erklärt: „Was Gott für rein erklärt, nenne du nicht unrein!“ (Apg. 10,15). Der Veggieday hat keinen Heilsbezug, sondern ist bestenfalls eine Tat des guten Willens, der durch den Zwang zum Fleischverzicht allerdings in Abwehrhaltung endet. Es klingen hier auch Sehnsüchte nach heiler Welt, nach „Reinheit“ und Rechtschaffenheit mit, die in der Menschheitsgeschichte, wie sie in der Bibel steht, bereits behandelt wurde. Der Veggieday scheint jedoch nur unbewusst das aufzunehmen, was den religiösen Menschen bereits seit Jahrtausenden bewegt, die Frage nach dem rechten Leben. Kühn transformiert er religiöse Bräuche ins Säkulare, treibt den eigentlichen Sinn in eine bloße Absichtsbekundung hinein, die weder eine letzte Gerechtigkeit, noch eine allumfassende Erfüllung kennt. Opfer ohne Erlösung.

Der wirkliche Ausweg

All diese säkularen Religionsversuche sind Kompensationen, die aus der unbewussten Religionssehnsucht entstehen. Das Transzendente kann sich jedoch nicht im Säkularen sublimieren. Es will gelebt werden. Es ist Zeit, wieder religiös aktiv zu werden.

Josef Jung

3 Gedanken zu “Ich glaube nicht an Gott, sondern an Bio, Smoothie, Veggieday

  1. Nicht verschwiegen werden sollte, dass Gender Mainstreaming auch ein wenig ungesund für Frauen, Mütter und Kinder ist. Zum Beispiel das Negieren bedeutsamer und dem Mann überlegener weiblicher Eigenschaften mit der Folge, dass häufig der Body nur noch wichtig und die an sich höhere weibliche Depressionsneigung noch gesteigert wird. Vergessen der für Sprach- und Kognitiventwicklung wichtigen frühkindlichen Mutterbindung (infolge
    des frühen flüssigkeitsgekoppelten Hörens des Foeten im Mutterleib) mit der
    Folge von Sprach-, Lese- und Rechtschreibstörungen durch Fremdbetreuung.
    Probleme durch Cortisolausschüttung (gefährliches Stresshormon) und
    Schlafmangel mit entsprechendem Wachstumshormonmangel von Krippenkindern mit Hippocampusminderung (Lernmaschine des Gehirns).
    Erschreckende Zunahme von Depressionen auch bei Kindern und Jugendlichen.
    [siehe „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ in: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 5. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2015: ISBN 978-3-9814303-9-4 und „Es trifft Frauen und Kinder zuerst – Wie der Genderismus krank machen kann“, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2015: ISBN 978-3-945818-01-5]

  2. Ich greife die Annahme auf das es sich bei den drei genannten weltanschaulichen Haltungen um Religionsversuche handelt. Die Nachteile der bisherigen Form industrielle Massenproduktion sind belegt, an den Vorteilen von Bio gibt es keinen Zweifel. Auch das Konzept Gender ist verständlich und nachvollziehbar. Auch die Argumente für den Veggiedays sind nachvollziehbar und auch Vorteile sind belegbar. Die Argumente und Motive der Vertreter kann ich gut verstehen und nachvollziehen und bei wichtigen Punkten haben sie sogar handfeste Belege für ihre Ansichten, das die daraus gefolgerten Schlussfolgerungen nicht alle gut begründet sind, weil z.B. es mehrere Möglichkeiten der Umsetzung gibt und eine Lösung als einzig mögliche präsentiert wird oder einige Schlussfolgerungen sehr spezifisch sind und als allgemein gültig gesehen werden, ändert es nichts an der Nachvollziehbarkeit ihrer Ausgangspositionen.
    Für mich sind die drei Religionsversuche überzeugender als das Christentum, es wird keine widersprüchliche und geheimnisvolle Entität benötigt und die Folgen der versprochenen Erlösung sind für die meisten Menschen prüfbar.
    Es sind keine kümmerliche Kompensationen, sondern eine zeitgemäß Religionsversuche, einfach weil sie einfach das weglassen, es ist der größte Schwachpunkt des Christentums.

  3. Warum Gutes so kritisch betrachten? Seht ihr Bio, Veggie und Gender als Konkurrenz zum göttlichen Glauben? Es wird als Religion vielen nicht ausreichen. Das gemeinsame Beten zu Gott fehlt dort. Das nicht Erklärbare mit seinen Wundern fehlt. Dies bleibt Gottes Glaubensgemeinschaften vorbehalten.

    Seht ihr, wie gut ihr es habt? Ihr gehört dazu. Ihr seid nicht allein. Wenn ihr dies seht: Habt ihr Kraft anderen zu helfen, in die Glaubensgemeinschaften wieder hineinzufinden? Was seid ihr bereit dafür zu tun, anderen zu helfen, aus der Einsamkeit herauszufinden? Seid ihr bereit, etwas dafür zu tun? Seid ihr bereit, ein wenig Gewohntes für euren nächsten zu verändern?

    Mehr Zeitgeist in den Kirchenalltag zu integrieren, damit sich wieder mehr Menschen in der christlichen Kirche zuhause fühlen können? Vielleicht wird es für euch selbst auch wieder passender……

    Gebet: „Gott unser im Himmel, geheiligt werde dein Name…..“- denn Gott ist viel mehr als Vater und Mutter zusammen.
    Das Kreuzzeichen mit „Im Namen Gottes, des Kindes und des Heiligen Geistes……“-so würde ich mich als Frau in der Kirche angenommener fühlen können und der Mann bleibt ebenbürtig vertreten.

    ……….Ein Glaube für alle Menschen benötigt Ansprache für alle Menschen.

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