Backoffen-Gruppe im Frankfurter Dom

Wer den Frankfurter Dom betritt, blickt rechts der großen Tür auf eine Kreuzigungsgruppe. Der Retter der Welt empfängt am Kreuz den Besucher des Domes. Doch er hing dort nicht immer.

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WikiCommons Ludwig Schneider

Die Backoffen-Gruppe im Frankfurter Dom hat nichts mit dem Backofen zu tun, der falsch geschrieben worden wäre. Namensgeber war der Künstler, Hans Backoffen. Er war Mainzer Bildhauer im 16. Jahrhundert und einer der bedeutendsten Vertreter der mittelrheinischen Kunst in Mainz in dieser Zeit. Für den Frankfurter Patrizier Jacob Heller schuf er die Kreuzigungsgruppe, die heute im Frankfurter Dom steht.

Doch ist sie dort erst seit etwa hundert Jahren zu sehen. Ursprünglich war sie am Friedhof beim Dom aufgestellt und diente als Memorial-Gruppe für das Ehepaar Heller, das dort auch begraben liegt. Da der Patrizier und seine Frau keine Kinder hatten, übergaben sie ihr Vermögen zahlreichen Stiftungen, die nicht nur die Erinnerungen an sie bewahren, sondern auch für ihr Seelenheil Sorge tragen sollten. In diesem Kontext wurde auch die Backoffen-Gruppe aufgestellt. Eine Seltenheit war der Altar, der vor der Gruppe aufgemauert war. Einmal im Jahr wurde dort für die Eheleute Heller die Messe gelesen.

Doch die Friedhofsgruppe, für das ewige Heil gestiftet, drohte die Ewigkeit nicht zu überstehen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der weiche Sandstein von Wind und Wetter immer mehr angegriffen, bis ihm die Umweltfolgen der Industrialisierung den Rest zu geben drohten. Um die Kreuzigungsgruppe zu retten, baute die Gemeinde sie ab und stellte sie im Dom an der heutigen Stelle wieder auf. wieder auf. Noch heute zeugen die porösen Gewandfalten des Evangelisten Johannes davon, wie nötig die Aktion war. Später wurde eine Kopie auf dem Friedhof aufgestellt, die zum Schutz noch überdacht wurde.

Die Backoffen-Gruppe weist eine weitere Besonderheit auf. Jesus hängt zwischen den beiden Verbrechern. Der eine trägt die Uniform eines Landsknechtes, der andere hingegen nur einen Lendenschurz wie Christus selber. Auch seine Zügen gleichen fast denen des gekreuzigten Herrn. Darin steckt für den bibelkundigen Beobachter eine theologische Aussage. Nach dem Lukas-Evangelium macht sich einer der beiden Verbrecher über Jesus lustig, fordert ihn auf, doch vom Kreuz zu steigen und sie mit abzunehmen. Der anderen wendet sich Christus zu, er bekennt seine Schuld und bittet den Herrn: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Und er erhält die Antwort: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Die Kirche legt diese Bibelstelle so aus, dass der Schächer noch am Kreuz Christ geworden ist und, wie Paulus schreibt „Christus als Gewand angelegt“ hat (Gal 3,27).

Maximilian Röll

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