Was die Kirche von der erfolgreichen Soap „GZSZ“ lernen kann

Seit 1992 läuft täglich im Vorabendprogramm von „RTL“ die Soap „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“. Es ist die erfolgreichste Soap Deutschlands. Millionen schauen täglich zu, Millionen junger Menschen wurden von ihr beeinflusst. Was kann die Kirche von der Soap lernen?

Berlin, Drehort von GZSZ, Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de

Berlin, Drehort von GZSZ, Foto: Thomas Wolf, http://www.foto-tw.de

GZSZ ist das Herz alles Zeitgeistigen

Eine Soap will den Herz-Schmerz der gegenwärtigen Menschen medial darstellen und vermarkten. Liebeskummer, Todesfälle, Arbeitslosigkeit, Migration, Multi-Kulti, sexuelle Outings, tägliche Freud und Leid der Menschen werden in Szene gesetzt. Wenn man die Zeit, in der man lebt in ihrer medialen Interpretation verstehen will, ist eine Soap dazu ein gutes Mittel.

„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“

„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“

So beginnt „Die pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute“ (Gaudium et Spes) des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Die Soap GZSZ eignet sich als medial-säkularer Ort bestens, Menschlichem allzu Menschlichem nachzugehen.Da gibt es die Rolle des älteren Anwalts „Jo Gerner“, ein kalter und geldgieriger, aber auch einsamer und zeitweise liebenswürdiger Intrigant. Licht und Schatten sind hier dargestellt. – Was treibt ihn an, was gibt ihm Freunde und Hoffnung, wo  und wie erlebt er Trauer und Angst? Weiterhin kommt die Rolle der homosexuellen „Anni Brehme“ vor, die sich mit ihren Eltern wegen ihres Coming-Out überworfen hat. Wie lebt sie als geoutete Lesbe? Migrationshintergrund, Liebesaffären, Scheidung und die Fürsorge für ein kleines Kind, dessen Eltern um das Sorgerecht streiten, verkörpert die Rolle des „Tayfun Badak“. Was hat die Kirche jemandem in so einer Lebenssituation anzubieten? Zuletzt sei noch die Rolle der Schülern „Mieze“ Lutze“ erwähnt. Zwischen Streit wegen eines „One-Night-Stand“ und Postpubertätsproblemen verbringt sie ihr Leben.

Die Kirche spielt keine Rolle im täglichen Herz-Schmerz

Liebeskrisen, Ablehnung, Migration, Outings, Ehescheidung Intrigen und vieles mehr sind die Rezepte für eine Soap aber auch – wenngleich in anderer Dosierung – die, des täglichen Lebens. Die katholische Kirche wirkt in all dem wie eine Kirche der Vorzeit. Auf die Lebensverhältnisse der neuen Generation hat sie meist keine Antworten und Hilfen. Viele Rollen in GZSZ scheinen die Kirche auch längst hinter sich gelassen zu haben, entweder sind die Rollen nicht getauft, oder es bedarf einer Hochzeit bzw. eines Todesfalles, dass man sich in ein Kirchengebäude und somit in die medialen Traditionen des vergangen oder vorvergangen Jahrhunderts begibt. Zur Bewältigung von „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ dient Kirche jedoch nicht mehr. Diese Zeiten sind, das zeigt die Soap eindeutig, vorbei. Als „Grabmäler Gottes“, wie Nietzsche die Kirchen nach dem Gottestode nennt, dienen sie nicht einmal mehr, da Gott kein Begriff mehr zu sein scheint. Und wen man nicht kennt, dessen Grabmal kann man auch nicht besuchen. Die Durchschlagskraft des Säkularen in GZSZ ist gewaltig. Jede Säule des Religiösen scheint zerschlagen. Natürlich ist die „fundamentale Gottlosigkeit“ der Serie auch eine Zuspitzung. Dass diese ein Mangel sei, wird aber wohl nur von den wenigsten bemerkt.

Die Kirche braucht ganz neue Wege, um Menschen zu erreichen

GZSZ zeigt, dass das Leben der heutigen Menschen wenig mit dem zu tun hat, was die Kirche an Lebensmodellen vorsieht und auf die sie vorbereitet ist. Die momentanen Strukturen und Methoden der „Seelsorge“ können die Generation „GZSZ“ nicht erreichen. Man spricht völlig unterschiedliche Sprachen, lebt in völlig unterschiedlichen Lebenswelten und Milieus und kann sich daher nicht verstehen. Die Kirche muss ein Ort werden, zu dem Menschen in Not und Lebenssehnsucht hinkommen können. Wie Jesus mit Zöllnern und Dirnen aß, muss die Kirche lernen denen die Freude des Evangeliums zu verkünden, die nicht einmal wissen, was ein „Evangelium“ ist, wer “ der hl. Paulus“ was, oder was „Pastoral“ sowie „Eucharistie“ bedeuten.

Deutschland ist Missionsland. Kirche muss lernen, die Sprache der Atheisten, Agnostiker und Kirchenfernen zu sprechen. Kirche muss lernen  mit den Geschiedenen, Ausgetretenen, Zusammenlebenden, Homosexuellen und mit all denen, mit denen sie in Kontakt kommt, die aber nicht ihre Normen leben, zu kommunizieren und auch ihnen zeigen welche Botschaft der Hoffnung sie anzubieten hat. Wenn sie das nicht schafft, droht ihr gesellschaftlich endgültig der Status einer Sekte. Es geht dabei nicht um die Änderung von Glaubensaussagen, sondern um die Fähigkeit auf Menschen zuzugehen und ihnen mitzuteilen:

„Christus, der für alle starb und auferstand, schenkt dem Menschen Licht und Kraft durch seinen Geist, damit er seiner höchsten Berufung nachkommen kann; es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem sie gerettet werden sollen.“ (Gaudium et Spes)

Josef Jung

Links:

Die Soap GZSZ

Die Konstitution Gaudium et Spes

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