Bildung oder Vermittlung von Wissen

Eine Gesellschaft, die ihren Begriff von Bildung verändert hat, die die Aneignung von Wissen vor allem darin sieht, fit für den Arbeitsmarkt zu sein, erweist sich auch als ein schwieriges Umfeld für die, die Bildung aus einem christlichen Menschenbild heraus verstehen. Der Verlust gelebter Religion als Anbindung an eine Kirche, sinkende Religiosität als Fortführung einer bestimmten Tradition, allgemein die Veränderung religiösen Lebens ist nicht nur Produkt einer Konsumgesellschaft oder eines rein auf materielles Wohl bedachten Individuums. Das veränderte Verständnis von Sexualität, die Vorstellungen zur Sterbehilfe, die fehlende Bindung an eine Kirche, ein geringes religiöses Wissen mögen als Effekte eines Modernismus und eines Relativismus angesehen werden, diese Entwicklungen können mit den veränderten Familienstrukturen erklärt werden und dem Schwinden der gesellschaftlichen Bedeutung der Kirchen. Ein anderer Zugang wäre es, prägende Einflüsse wie Bildung und den Umgang mit Informationen bzw. Wissen daraufhin zu untersuchen, wie sich eine grundsätzliche Einstellung zur Welt und das Selbstverständnis des Menschen darin abbilden oder ob Entwicklungen auszumachen sind, die Bildung von solchen Fragen abkoppelt.

Während nach christlicher Auffassung der Mensch als Abbild Gottes geschaffen wurde und Bildung damit eine „Zurückführung“ bedeutet, das Wissen ist dem Menschen bereits inhärent, ist der moderne Bildungsbegriff davon gekennzeichnet, Kompetenzen für die Gestaltung des Lebens, vor allem des Arbeitslebens zu erwerben. Die Bedeutung der Formung der Persönlichkeit bezieht der moderne Bildungsbegriff lediglich insofern ein, als dass der Einzelne ein Angebot bekommt, wie sein Berufsleben gelingen kann. Der christliche Bildungsbegriff ist dagegen als ein Verstehen des Menschen als göttliches Ebenbild zu deuten und damit keine Möglichkeit des Auswählens, sondern die Annahme einer umfassenden Freiheit.

Die oft beklagte Veränderung religiösen Lebens verlangt unter dieser Perspektive eine andere Herangehensweise. Es ist weniger die Frage, welche spirituellen Angebote gemacht werden können oder wie man sich in der heutigen Gesellschaft entsprechend äußert und verhält. Das Herstellen eines Bezugs zum Ganzen erscheint in einer globalen Gesellschaft notwendiger zu sein als in einer relativ homogenen Gemeinschaft. Der angebliche Islamismus kann so auch als ein Versagen der Bildung angesehen werden, weil in der westlich-säkularen Gesellschaft mit der „Abschaffung“ des Christentums der Bezug zu einem Ganzen generell aufgegeben wurde und fundamentalistische Gruppierungen diese Lücken füllen.

© Thomas Holtbernd

Ein Gedanke zu “Bildung oder Vermittlung von Wissen

  1. Es ist die Dummheit ,die die Reichen reich macht.
    Und es ist das -schon in Kleinkindern angelegte und in Schulen durch Informationsüberfluss erstickte – sokratische Fragen,wovor die Reichen und die Lehrenden Angst haben…
    Bildung ist reflektiertes Wissen und gelingt nur über Fragen !
    Wir brauchen ein Schulsystem,welches das Fragen lehrt und fördert.

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