Das Kommen Gottes

Foto zu Gottesfrage

Advent zwischen Naturwissenschaften und den Unmenschlichkeiten des 20. Jahrhunderts

Wir haben Jahrzehnte intensiver naturwissenschaftlicher Forschungen hinter uns – mit erstaunlichen Ergebnissen. Mit Teleskopen sind wir bis an die Grenzen des Universums vorgestoßen, 13 Milliarden Lichtjahre mit unzählig vielen Galaxien gibt es in einem Raum, der trotzdem fast leer ist. Die Teilchenbeschleuniger haben innerhalb des Atoms weitere Bausteine erkennbar gemacht. Aber weder haben die Teilchenbeschleuniger in der Materie noch die Kernspintomographen im Gehirn des Menschen Spuren von Gott gefunden. Aber gibt er sich, wie der Naturalismus behauptet, nicht zu erkennen? Die Antwort geben diese Wissenschaften selbst.

Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Methoden

Die Naturwissenschaften haben nicht nur die Grenzen der Erkenntnis weit hinausgeschoben. Sie haben auch prinzipielle Grenzen bezeichnet. Wir können im Weltall nicht weiter schauen als Licht uns von fernen Galaxien erreicht. Da wir im Kleinsten nur mit den vorhandenen Energieteilchen messen können, ist das Planck’sche Wirkungsquantum h der Grenzstein, über den wir nicht hinauskommen. Die Naturwissenschaften kommen also nicht bis ganz an die Grenze, wo das andere, wir nennen es Nichts, beginnt. Es ist wie der Grenzstreifen von 5 km, den die DDR für ihre normalen Bewohner zur Verbotszone gemacht hatte. Sie durften in diese Zone nicht fahren und konnten daher nicht einsehen, was hinter dem Grenzzaun lag.
Weil Gott nicht auf den Bildschirmen der Teilchenbeschleuniger oder Kernspintomographen erscheint, kommt er im Weltbild des Naturalismus nicht vor. Wenn wir diese uns zugängliche Wirklichkeit als wirklich annehmen, es gibt keinen Grund, die Ergebnisse der Naturwissenschaften zu bezweifeln, dann wird Advent, das Warten auf Gott, zur Frage, auf welchem Bildschirm denn Gott dann erscheinen wird.

Der Mensch als der Bildschirm Gottes

Judentum und Christentum geben darauf eine zweistufige Antwort. Bereits auf der ersten Seite der Bibel heißt es vom Menschen: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“ Der Vers in Genesis 1,27 ist auf die übrige Schöpfung hin gesprochen. Tiere, Pflanzen, ja der ganze Kosmos soll, indem sie auf den Menschen schauen, Gott erkennen. Hildegard von Bingen hat das zum Angelpunkt ihrer Theologie gemacht.

Die Bibel wie die Evolutionstheorie sieht das Universum als großes Entwicklungslabor. Die Entwicklung zielt auf den Menschen. Der Mensch soll es sein.
Die Botschaft von Weihnachten überhöht den Satz auf der ersten Seite der Bibel. Nicht nur steht der Mensch vor dem restlichen Kosmos als Gottes Ebenbild, Gott ist selbst Mensch geworden.Jedoch nach all den Erkenntnissen, die unseren Blick enorm erweitert haben, steht der Mensch ratlos vor dem Kosmos. Es ist weiter verständlich, dass er nach all den Kriegen, dem Holocaust und dem Gulag, im Menschen nicht mehr das Bild Gottes erkennen kann. Er hat Gott in all diesen Grausamkeiten vermisst. „Wie kann Gott das zulassen?“, ist die zornige Frage. Die Rechtfertigung Gottes angesichts all der Untaten und Naturkatastrophen, die Theodizee, bestimmt seit 200 Jahren das Denken über Gott. Wenn Gott gefunden werden kann, dann offensichtlich nicht mehr unter den Menschen. Wir suchen anderswo und sind enttäuscht, dass die Naturwissenschaften mit ihrer Methodik uns keine Antwort geben. Auch wenn uns die Naturwissenschaften zeigen, dass unser Erkenntnisvermögen kurz vor der Grenze unseres Weltalls und im Kleinsten kurz vor der Grenze zum Anderen, zum Nichts, Halt machen muss wir warten, da sie jeder menschlichen Unzulänglichkeit entkleidet sind, von ihren Methoden die Antwort.

Die religiöse Situation unserer Zeit

Was Sicherheit verspricht, eben die Naturwissenschaften, sie haben kein Instrument, uns über die Grenzen dieses Kosmos hinaus zu führen. Der Mensch, der mit seinem Bewusstsein ebenso wenig im Kernspintomographen sichtbar wird und dessen freien Willen wir nicht physikalisch fassen können, ist desavouiert – er hat im 20. Jahrhundert, dem Jahrhundert der großen Erkenntnisse über die Natur, so versagt, dass er für die meisten Zeitgenossen nicht mehr Bild Gottes sein kann.
Es bleibt noch die Gabe der Freiheit, in der der Mensch über sich verfügt, die ihn zum Bild Gottes werden lassen könnte. Aber hier liegt die Religion, ob christlich oder muslimisch, gerade im Hader mit der Neuzeit. Kann der Mensch, der sich als frei versteht, Gott überhaupt noch anerkennen? Führt nicht gerade die Entdeckung der Freiheit zur Ablehnung Gottes. Dazu in der nächsten Woche ein weiterer Beitrag hier bei hinsehen.net

Text und Foto Eckhard Bieger S.J.

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