World of Warcraft: Ein Computerspiel voller Religion

In der westlichen Welt verlieren die ehemaligen Volkskirchen immer mehr Mitglieder und die Kirchenbänke leeren sich. Gelangweilt oder enttäuscht von den Amtskirchen ziehen sich viele Menschen ins Private, in Esoterik oder aber, wie das Beispiel des Computerspiels World of Warcraft zeigt, eben auch in virtuelle religiöse Welten zurück.

E3 Expo (Electronic Entertainment Expo) in Los Angeles

Foto: dpa /picture alliance

Säkularisierung ist ein Phänomen der traditionellen Religionen und Lebensformen

Wer glaubt im Zuge der Aufklärung und Modernisierung der Gesellschaft sterbe Religion aus, der irrt. Der Zeitgeist ist nicht areligiös, Religion ist auch nicht langweilig geworden, die Beschäftigung und das Interesse an ihr haben sich nur verlagert. Da viele in den protestantischen und katholischen Volkskirchen keine Antworten mehr zu finden scheinen, wird Religion vor allem eine Frage der individuellen Angelegenheit. Auf Sinn- Heil- und Transzendenzsuche begibt sich der moderne Mensch mittlerweile überall hin. Ob in Horoskopen, im Supermarkt beim Kauf von Engeln, in Liebesbeziehungen, oder halt medial, wie hier im Fall eines Multiplayer Abenteuerrollenspiels World of Warcraft, überall sucht er den Kontakt mit der Selbstüberschreitung, dem Göttlichen.

Das Religiöse am Computerspiel Word of Warcraft

Die Welt in World of Warcraft – der Welt der Kriegskunst – ist voller Magie, religiösen Begriffen und Handlungen. Es gibt Charaktere wie Priester, Mönche und Paladine. Letztere stellen eine Art heiliger Gotteskrieger dar. Priester können heilen und Tote wiederbeleben, die Fähigkeiten der religiöse aufgeladenen Charakterklassen haben nicht selten Religiöses direkt im Namen, wie „Erlösung, „Gebet der Heilung“, „Geheiligter Schild“, „Buße“, „Verweifeltes  Gebet“ oder „Rettende Barmherzigkeit“. Niemand in World of Warcraft möchte ohne Priester in eine Schlacht ziehen, da ein Priester ein wertvoller Heiler und Wiederbeleber ist. Priester und Paladine sind die besten Gefährten, um einen Charakter von den Toten auferstehen zu lassen.

Allerdings herrscht in Word of Warcraft kein allmächtiger guter Gott, den man Vater nennt, sondern eher ein dualistisches Prinzip: Es gibt es Kampf Gut gegen Böse, Licht gegen Finsternis. Neben Menschen gibt es Orcs, Untote, Trolle, Zwerge, Pandaren, Worgen, Nachelfen, Blutelfen, Tauren, Draenai und Goblins, Sie kämpfen mit- oder gegeneinander in den Fraktionen Allianz oder Horde.  Beide Fraktionen jedoch, Allianz und Horde, kämpfen gegen den Lichkönig Arthas, einen gefallenen menschlichen Paladin, der durch  Rachsucht den  Dämonen verfallen ist und als Lichkönig ein einem Land aus Eis, Northrend genannt, darauf wartet, besiegt zu werden. Er wird im Spiel besiegt, da sein Bezwinger, ein menschlicher Paladin, nachdem dieser zum Licht gebetet hatte, um einen letzten befeienden Segen zu erhalten, die Kraft dazu erhielt. Der Glaube besiegt in World of Warcraft somit das Böse, da er in der Welt voller Magie direkte, sichtbare und wirksame Handlungen nach sich zieht.  Allerdings wäre World of Warcraft nicht World of Warcraft und Dualismus nicht gegeben, wenn es nicht bald schon einen neuen Lichkönig und neue Bedrohungen geben sollte.

Neben Priestern, Paladinen, Mönchen und Druiden, die vor allem unterstützende und heilende Zauber haben, gibt es auch Hexenmeister, Schattenpriester und Todesritter. Die Balance soll ja gewahrt bleiben.

Die Lehre aus World of Warcraft

World of Warcraft führt Religion auf ihre archetypischen Bilder zurück. Priester, Heilung, Erlösung, Teufel, Licht, Gott, Dunkelheit, Vergeltung, Buße, Reinigung – all diese Grundvorstellungen über Religion kommen irgendwie in Word of Warcraft vor. Sie sind Kauf- und Motiviationsgrundlage für das Spiel. Das zeigt zum einen, dass das Interesse, die Spannung und Faszination dieser Themen nicht tot sind. Zum anderen können auch die Kirchen davon lernen, dass die Modernisierung der Gesellschaft und der massive Verlust der tradionellen-religiösen Bindung nicht dazu führen dürfen, auch  die religiösen Bilder, Botschaften und Vorstellungen aufzugeben, denn sie sind Grundkonstanten im menschlichen Bewusstsein und verlagenn nach Beantwortung. Es ist notwendig, daran festzuhalten.  Wenn die Kirchen keinen Weg finden damit umzugehen, finden ihn die Computerspiele. Allerdings werden die Antworten und die Wirkungen andere sein. Vergebung, Heil und Erlösung wird in der virtuellen Welt niemand finden, nachdem der Stecker gezogen ist.

Josef Jung

Links:

Homepage des Spiels: http://eu.battle.net/wow/de/

Ein Gedanke zu “World of Warcraft: Ein Computerspiel voller Religion

  1. Pingback: Das Computerspiel “Starcraft”: Schöpfung, Erlösung und Apokalypse digital | hinsehen.net

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s