Apple-Tempel

P1070221Die meisten Konzerne haben Geschäfte, in denen sie ihre Waren verkaufen können. Apple hingegen hat Tempel, die Schauplatz des Apple-Kultes sind. Wie nur wenige andere Architekturen haben die Apple-Tempel einen hohen Wiedererkennungswert und einen durchgestylten Aufbau, ganz dazu geschaffen, dem Kunden ein ganzheitliches Erlebnis des Kultproduktes Apple zu schaffen.

Das erste, was einem auffällt, wenn man den Frankfurter Apple-Tempel sieht, ist die große Glasfassade. Auf der kompletten Front der beiden Stockwerke ist der Raum durchgehend einsehbar. Hier gibt es bereits das erste Versprechen von Apple: Wir bieten dir maximale Transparenz.

Du kannst keine Fehler machen

Wenn man dann das Erdgeschoss durch den Eingangsbereich betritt, erblickt man einen fast karg möblierten, nüchtern gestalteten Raum. Die Farben sind hell, die Kanten klar, seriöse Blau- und nüchterne Weißtöne dominieren. Die Tische stehen hier für den Kunden Spalier. Die Produkte – I-Phone, I-Pad und Macbook – sind in dieser Reihenfolge vom Eingang aus aufgereiht. Apple macht ca. 50% seines Gewinns mit dem I-Phone, entsprechend sieht der Kunde dieses Produkt zuerst. Die Botschaft von Apple: Wir bieten dir genau das, was du brauchst, klar und gut strukturiert, hier kannst du keine Fehler machen, bei uns bist du gut aufgehoben.

Eingang in eine digitale Welt

Wenn man dann die Reihen durchgeht, erkennt man, dass es hier keine Schilder gibt, die die Produkte benennen. Die Produktbeschreibung geht aus Tablets hervor, die neben den Objekten angebracht sind. Dort kann man dann den Preis, die Fähigkeiten und den Service erfahren, sowohl der benannten Produkte als auch des anzeigenden Tablets selber, das man nebenbei mal kennenlernt. Der potentielle Käufer wird also ganz in eine Welt der Technik gezogen, die jedem analogen Aspekt entkleidet ist und ganz auf den digitalen Apple-Kosmos setzt.

Keine Angestellten, sondern Specialists

Zu diesem Kosmos gehören auch die Angestellten. Die heißen aber natürlich nicht Angestellte oder Verkäufer, sondern Specialists. Denn hier soll ja kein Produkt verkauft werden, sondern hier werden die Apple-Jünger von Profis beraten, wie man optimal mit dem Kultobjekt arbeiten kann. Dazu passt auch die Kleidung. Alle haben ein blaues Shirt an, passend zur Wand. Und anstelle der klassischen Namensschilder haben die Specialists Kärtchen um den Hals hängen, die an die ‚Hundemarken‘ der Militärs erinnern könnten, wohl aber ein I-Phone oder einen I-Pod darstellen sollen. Apple suggeriert dem Kunden auch hier das Besondere, das Einzigartige seiner Welt, zugleich aber auch das dem normalen Geschäftlichen entkleidete.

Individuelle Ausgestaltung des Kultes

Über eine gläserne Wendeltreppe schreitet der Jünger dann in den zweiten Stock. Nachdem er im Erdgeschoss das Produkt in all seiner modernen Klarheit erworben hat, ermöglicht ihm Apple, Zusatzprodukte zu kaufen. Diese durchbrechen die Nüchternheit des Urobjektes und sind so bunt wie das Leben. Hüllen, Taschen, Kabel, Touch-Stifte in allen Formen und Farben kann der Jünger hier mitnehmen, um seinen Kult individuell pflegen zu können.

Das teuerste Produkt betont am wenigsten das Geld

Bezeichnenderweise zeigt einem der Apple-Tempel alles in größter Offensichtlichkeit und auf den ersten Blick. Außer der Kasse. Diese fügt sich so unauffällig in den Raum, dass sie quasi unsichtbar ist. Es ist die Entkleidung des Kultes vom monetären Kontext. Apple, die mit Abstand teuerste Marke im Online-Bereich, ist zugleich jene, die Geld am nachrangigsten zu behandeln scheint. Der Jünger soll möglichst wenig mit den Kosten behelligt werden, er soll eintauchen in die Apple-Welt, der stupide Bezahlvorgang soll ihn psychologisch möglichst wenig in Anspruch nehmen.

Apple-Store als lokales Kultzentrum

So bietet Apple in seinen Tempeln weniger ein Produkt an als einen – das Leben formenden –  Kult. Dessen Versprechen sind Klarheit, Effizienz und Ganzheitlichkeit, dessen Kultobjekt ist der über allem thronende Apfel, dessen Priester sind die in einen Habit gekleideten Kultspezialisten, dessen Jünger können sich aufgehoben fühlen in die unhintergehbare Verheißung, das richtige, das bestmögliche Produkt erworben zu haben. So schafft Apple, immer wieder gehyped durch medial omnipräsente Hochämter der Apple-Spitze, ein Format, das religiöse Züge trägt und einen Kult, dessen lokale Zentren die Apple-Tempel sind.

Maximilian Röll

Foto: Fassade des Frankfurter Apple-Stores. (c) Maximilian Röll / hinsehen.net

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