Leben als Simulation: Das Computerspiel: „Die Sims“

„Die Sims 4“ ist der aktuelle Teil der bekannten Simulationsreihe. Seit dem Jahr 2000 kann man in diesem Spiel einen virtuellen Menschen erstellen und ein zweites Leben als selbstgeschaffene[r] Mann oder Frau führen. Worum geht es in diesem Spiel? Was macht seinen Reiz aus? Kommen Religion und Glauben vor?

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Bild: dpa / picture-alliance

Der Spielaufbau

Abhängig von dem Teil, den man spielt, variieren Spielbeginn und Spielablauf. Typischerweise beginnt es aber damit, seinen Wunschsims, also eine virtuelle Person, die man spielt, zu erstellen. Hier gibt es eine recht große Wahl. Soll sie männlich oder weiblich sein? Alt oder jung? Dick oder dünn? Hübsch oder hässlich? Nah an einem selbst oder ein ganz Anderer? Auch kann man bestimmen, ob oder wie schnell der Sim altert, welche Lebensziele und Charaktereigenschaften er haben soll. Man selbst und der Sims Charakter können in dieser Welt verschwimmen.

Ist eine Person erstellt, wird ein Grundstück gekauft oder in ein bereits bestehendes Haus eingezogen, in dem noch niemand wohnt, oder in eine WG, die noch freie Wohnplätze hat. Ist man nun in einem Haus, beginnt die berufliche, finanzielle und soziale Entwicklung mit all ihren Höhen und Tiefen. In der Zeitung oder am Computer kann man aus den freien Stellen einen Job wählen. Der Sim fängt ganz unten an und kann sich –ganz amerikanisch- bis an die Spitze hocharbeiten. Dazu muss sowohl an der körperlichen Kraft, dem Wissen, der Kreativität oder ähnlichen Fähigkeiten des Sims gearbeitet  und entsprechend viele Freunde gewonnen werden.

Wichtig ist auch, mit guter Laune zur Arbeit zu gehen, damit Chef und Kollegen zufrieden sind. Sonst gibt es keine Beförderung. Eine hohe berufliche Position verheißt mehr Geld und damit kann man die anfangs meist bescheidene Behausung zu einem Traumhaus ausbauen. Swimmingpool gefällig? Riesenfernseher oder Disco-Raum gefällig? – Kein Problem solange das Geld da ist. Materielle Herrlichkeit ist eine reine Kostenfrage.

Im sozialen Bereich ist jede Herz-Schmerzstory möglich, wie sie auch in Soaps oder im realen Leben vorkommen kann. Man kann eine Beziehung zu einem anderen Sim aufbauen. Hetero- als auch homosexuelle Beziehungen sind möglich. Ob man durch sexuellen Verkehr schwanger wird, kann selbst bestimmt werden. Das Spiel ist ab sechs bzw. zwölf Jahren – je nach Prüfstelle und Teil – freigegeben. Dementsprechend werden keine expliziten Szenen gezeigt. Sexuelle Handlungen im Bett werden als verpixelte Bettspiele dargestellt, die weniger beeindrucken können als ein Kuss in einer Telenovela. Im ersten Teil der Sims-Serie konnte man noch durch Küssen schwanger werden. Ansonsten kann man sich auch streiten, hassen, schlagen, streicheln, umarmen, scheiden, trennen, verlieben usw. Intrigen und Romantik sind gleichermaßen typisch für einen Sim. Sims sind soziale Wesen, die weinen und lachen können. Ebenso haben sie eine eigene Sprache, „Simlish“, eine Kunstsprache die verschiedene Dialekte aufgreift. Grundsätzlich sind viele Freunde gut um weiterzukommen. Doch verlangen auch Simsfreundschaften regelmäßige Kontakte, sonst gehen sie verloren.

Der Reiz der Simulation

Was macht das Spiel interessant? Ist es die Möglichkeit, sich in einer virtuellen Welt das Leben schaffen zu können, von dem im wirklichen Leben nur geräumt werden kann? Erfüllt „Die Sims“ auf virtueller Ebene die Träume und Lebenssehnsüchte der Menschen? Oder will man einfach nur mal wissen, wie so ein virtuelles Leben sein kann? Vor allem bei Frauen ist „Die Sims“ beliebt.

Der Reiz einer Lebenssimulation scheint tatsächlich darin zu liegen, sich ein Wunsch- oder Traumleben zu erstellen, ohne Krankheit, ohne Tod – sofern man „Alterung“ ausstellt oder erfolgreich mit dem personifizierten Tod als Sensenmann verhandeln kann.

Ansonsten gibt es in diesem Spiel nicht viel, dass einen reizen könnte, kennt man das meiste doch schon als mehr oder wenige langweile Betätigung im realen Leben: Der tägliche Weg zur Arbeit, Küche putzen, Toilette reinigen, ein schreiendes Kind beruhigen, Rechnungen bezahlen. All das ist auch Teil von Sims, wir aber schnell eintönig. Interessanter scheint da das Phänomen zu sein, dass auch der kurzzeitige Hype des Spiels „Second Life“ zeigt. Es geht, wie der Name schon sagt, auch in „Die Sims“ um den Reiz des zweiten Lebens, endlich mal der zu sein, der man sein will, oder mal ausprobieren können, wie es ist, anders zu sein. Mal jung, reich und attraktiv, mal fett, faul und mies gelaunt. Charmeur, Schläger, Liebhaber, Faulenzer, Freigeist, Partylöwe, Streber, Draufgänger, Fettsack, Honk, Hipster, Freak, Cooler, Trottel, Geizhals, Millionär. Egal, was man sein will, man kann es als Sim werden.

Gibt es Religion und Glauben in „Die Sims“?

Die Lebenssimulation ist an einem säkularen, amerikanisch-hedonistischen Lifestyle orientiert, der sich nicht für metaphysische und religiöse Fragen interessiert. Die Sims ist im Grunde ein Spiel, in dem man sein Glück im Materiellen und menschlich Allzumenschlichen sucht und findet. In den Bedürfnissen, die es zu erfüllen gilt, damit ein Sim glücklich wird, kommt Religion/Glaube/Spiritualität nicht vor.

Es handelt sich um Bedürfnisse, die im Grunde auch Affen und die meisten Tiere haben, sie lauten in Sims 3: Hunger, Sozial, Harndrang, Hygiene, Energie, Spaß. Auch in Sims 1, 2 und dem neusten Teil,  Sims 4, gibt es kein „Transzendenzbedürfnis“. Der Sim ist damit also weniger Mensch als Roboter, die Bedürfnisse sind durch entsprechende Geräte und Menschen zu erfüllen. Komplexe psychologische Strukturen usw. gibt es nicht. Computer gibt Spaß, reden mit anderen Sims erhöht den Balken „Sozial“.

Überirdisches kommt – wenn überhaupt – nur als Freakshow vor, in dem der Sim von Aliens entführt oder besucht wird oder er irgendwelche eigenartigen Tränke braut. Es ist auch möglich, spiritistisch tätig zu sein. Neben den grundlegenden Bedürfnissen gibt es noch komplexere Träume, deren Erfüllung zusätzliches Geld und Glück bringen kann. Neu in Sims 4 ist die Eigenschaft „Gefühle“. In dem neuesten Teil der Simulation ist es wichtig, diese ernst zu nehmen, damit der Sim nicht unglücklich wird. Dennoch bleibt es dabei:

Die Sims“ spiegelt das säkulare Zeitalter wider. Nicht Gott, sondern Geld, nicht Gebet, sondern allein Gespräch, nicht Gottesdienst sondern nur Bettspiele bereichern das Leben. Ein Sim verlangt nicht nach Gott kennt keinen Gott, sondern Bedürfnis- und Gefühlsbefriedigung. Ein Sim ist eine selbst geschaffene Kunstfigur, bei der man selbst wählen kann, ob sie altern und sterben soll. Die Sims stellt virtuellen Materialismus als kapitalistische Verheißung dar, in der es Gott und Glauben weder gab, noch gibt, noch braucht.

Josef Jung

Weitere Informationen zum Spiel hier.

Bild: dpa / picture-alliance

Ein Gedanke zu “Leben als Simulation: Das Computerspiel: „Die Sims“

  1. Hat dies auf hinsehen.net rebloggt und kommentierte:

    Seit nunmehr 15 Jahren kann man in „Die Sims“ einen virtuellen Menschen erstellen und ein zweites Leben als selbstgeschaffene[r] Mann oder Frau führen. Worum geht es in diesem Spiel? Was macht seinen Reiz aus? Kommen Religion und Glauben vor?

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