Die Banken und ihre Türme. Zwischen Machtsymbol und Abschottung

EZBBanken brauchen Türmen

Auf dem Foto ist das Gebäude der Europäischen Zentralbank zu sehen. Es beherrscht den Frankfurter Osten. Um es auch von Süden zu erreichen, wurde eine neue Brücke über den Main gebaut, von der diese Aufnahme gemacht ist. Einige hundert Meter weiter sieht man weitere Türme. Als ob es darum ging, soviel Geld zu speichern, dass die Bank den Himmel berührt. Aber in diesen Türmen liegen kein reales Geld, keine Banknoten, schon gar keine Gold- und Silbermünzen. Es ist nur digitales Geld, auf Konten notiert, ohne einen realen Wert, nur so lange ein Zahlungsmittel, wie die Kunden den Banken und die Banken sich untereinander vertrauen. Schaffen die Türme dieses Vertrauen?

Vertrauen basiert auf Stärke und Einsicht

Vertrauen basiert unter anderem auf zwei Aspekten: Auf Stärke und auf Einsicht. Wenn ich jemandem vertraue, dann gehe ich davon aus, dass er stark genug ist, seine Versprechen wahr zu machen. Zugleich muss es für mich einsichtig sein, warum und wie er, der andere handelt, gerade, wenn er in meinem Interesse handeln soll.

Erhabenheit und Erfolg

Die Bankentürme symbolisieren Stärke. Sie streben in den Himmel und geben damit dem Betrachter, der von unten nach oben schaut, ein Gefühl von Erhabenheit und Monumentalität. Das beeindruckt. Zugleich stehen die Türme auch für Erfolg, denn der gewöhnliche Passant und Bankkunde geht davon aus, dass solche Gebäude nur von erfolgreichen Unternehmen errichtet werden können.

Einsicht wird verwehrt

Die Einsicht hingegen verweigern diese Türme. Ihre riesigen Fensterfronten sind in aller Regel verspiegelt. Die Banker lassen die Kunden nicht hineinsehen, sowenig wie dem Kunden wirklich erklärt wird, was dort in diesen Büros eigentlich geschieht. Man erfährt nur, was den Bankern dient, über alles andere wird ein Schleier des Geheimnisses gebreitet. Das führt zu Herrschaftswissen, zugleich erhöht es den mystischen Charakter des Big Business.

Die Finanzwelt hat die Religion überflügelt

So groß sind diese Bankentürme und ihre Geschäfte mittlerweile geworden, dass sie die Orte und die Bedeutung des Religiösen übertrumpft haben. Klein wirkt der Frankfurter Kaiserdom gegen den Commerzbankturm und das Monument der Zentralbank. Auf jeden Fall lassen sie den Turm des Frankfurter Kaiserdoms klein erscheinen und seine vergangene Bedeutung für die Menschen vergessen. Das Geld hat die Religion übertrumpft. War es einst die Kirche, die ihm Widerstreit mit den Staaten um die Vorherrschaft in den christlichen Staaten rang oder wenigstens um ihre Unabhängigkeit, so sind nun Wirtschaft und Staat die beiden dominierenden Kräfte unserer Welt geworden.

Brüchiges Vertrauen

Die Türme demonstrieren die Macht des Geldes, doch sie fallen zusammen, wenn die Banken das in sie gesetzte Vertrauen weiter verspielen. Doch dieses Vertrauen ist brüchig, denn das Vertrauen der Bürger in die Stärke der Banken und ihr Vertrauen, dass sie ehrlich beraten werden, hat abgenommen. Noch ragen die Türme machtvoll in den Himmel, doch ihr abweisender Charakter ist den Kunden deutlicher geworden. Wenn das letzte Vertrauen verspielt ist, dann kann man nur noch im Dom eine Kerze anzünden.

Text und Foto: Maximilian Röll & Eckhard Bieger

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