Handy als Religiöser Ort

Foto: KOMMWIRT / Christian Schnaubelt

Handys, besonders Smartphones, sind heute allgegenwärtig. Wer z.B. am Frankfurter Hauptbahnhof an einem Gleis steht, dem wird auffallen, dass der größte Teil der Wartenden auf einem Smartphone herumtippt, oft noch mit Hörstöpseln im Ohr. Das Smartphone wird nicht nur sehr häufig verwendet, sondern auch für alles Denkbare benutzt. Für das Schreiben von SMS oder per WhatsApp, Facebook, Bilder machen und verschicken, Videos schauen oder als Navi. Wenn das Smartphone aber mittlerweile alle Lebensbereiche erobert hat, kann es dann auch als Instrument oder als Ort religiöser Andacht genutzt werden?

Religiöse Ort als Ort des Gebetes

Der klassische Ort religiösen Handelns im Westen sind die Kirchen. Sie dienen den Menschen zum einzelnen oder zum gemeinsamen Gebet, wobei sie schon durch ihre Form und Ausstattung, als auch durch das Verhalten der Menschen dort, eine Atmosphäre besitzen, die dem Gebet förderlich ist. Man findet dort auch Materialien, die das eigene Gebet anregen sollen. Neben Gebets- und Andachtsbüchern oder -heften sind es die Darstellungen oder die Musik in Kirchen, die zum Betrachten und zum Gebet einladen. Sie sind daher auch Orte des Austausches über Gott, entweder direkt mit den Personen in der Kirche, oder indirekt über Beobachtungen anderer Anwesender. Berühmt ist die Geschichte Edith Steins, die in der Handlung einer Frau vom Markt, die den Frankfurter Dom gerade kurz besuchte, ein besonders ansprechendes Beispiel religiösen Vollzugs erkannte. In manchen Kirchen stehen zudem professionelle Personen für geistliche Gespräche zur Verfügung, sowie Priester, die z.B. die Beichte abnehmen. Kirchen sind also auch Orte der Spendung der Sakramente als einer besonderen Gotteserfahrung und -mitteilung, gleich ob gemeinschaftlich in der Kommunion oder einzeln in der Beichte.

Kirchen als Vergleichsmaßstab

Wenn wir ein Handy als einen religiösen Ort verstehen, dann ist die klassische Kirche der nächste und in unserer Kultur wichtigste Vergleichmaßstab. Kann also ein Handy Funktionen wahrnehmen wie eine Kirche?

Smartphones können eine religiöse Atmosphäre schaffen

Zunächst kann ein Smartphone eine Atmosphäre religiösen Bezuges erzeugen. Das Smartphone kann z.B. seinen Besitzer von der Außenwelt abschotten, indem es bestimmte religiöse Musik vorspielt, die über die Kopfhörer übertragen wird und die alltägliche Geräuschkulisse abdämpft oder sogar ausblendet. Es kann zudem Videos oder Bilder zeigen, auf die sich der Betrachter konzentrieren und sich damit in andere Räume, zumindest gedanklich, zurückziehen kann. Entsprechend kann es ihm natürlich auch religiöses Material zur Verfügung stellen. Neben besagten Bildern und Videos auch religiöse Texte, die die Andacht fördern. Neben geistlicher Literatur auch die Tageslesung oder eine Stundenbuch-App. Sie kann sogar liturgieförmige Züge im Austausch mit anderen Gläubigen tragen, z.B. wenn man via Twitter eine Terz betet, eine Terz als Teil des Stundengebetes und dabei Psalmverse, Sinnsprüche und Gedanken dazu twittert. Da Handys dieser Tage intensiv für alles Mögliche genutzt werden, aber oft kaum mehr für das telefonieren, kann an dieser Stelle auch noch daran erinnert werden, dass man sich damit natürlich auch über religiöse Themen mit einem anderen oder mehreren Gesprächspartnern austauschen kann. Es bietet also auch Räume des Gespräches.

Die Sakramente sind die Grenzen des Smartphones

Hier aber stößt das Smartphone an seine Grenze. Denn es bietet zwar z.B. die Möglichkeit, mit einem Priester zu telefonieren, aber es ermöglicht nicht die Beichte. Die Absolution kann der Priester nur dem direkt Anwesenden erteilen und nicht über den Äther. Die Sakramente setzen also dem Smartphone seine Grenzen. Die Kommunion kann nicht digital empfangen oder per Amazon bestellt, die Firmung nicht via Touchscreen gespendet werden. Die Sakramente als unmittelbarste Formen der Gottesbegegnung bleiben dem Smartphone verwehrt.

Ist das Handy ein religiöser Ort? Ja! Es kann die allermeisten Kriterien erfüllen, die auch eine Kirche einem religiösen Menschen bietet. Freilich bleibt sie im Vergleich zu dieser immer defizitär und beschränkt. Es kann eine gute Hilfe für viele Menschen sein, in der digitalen Welt einen persönlichen, flexiblen Ort der Gottbegegnung zu haben. Gott kann man auch im Handy finden, es ersetzt trotzdem den Tabernakel nicht.

Maximilian Röll

Foto: KOMMWIRT / Christian Schnaubelt

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