Moderne Fussballstadien und antike Sakralanlagen

Fussballstadien sind Gebäude, die einem modernen Kult dienen. Der Fussball ist für viele Menschen ein elementarer Teil ihres Lebens, Fussballspiele Veranstaltungen, in denen eine große Zahl Gleichgesinnter feiert und die Weltmeisterschaft identitätsstiftend für ganze Nationen.

Foto: dpa / picture-alliance

Die Fussballstadien sind das augenfälligste Moment dieses modernen Kultes. Egal ob ein Sportplatz mit Rasenrängen oder die Allianz-Arena in München, sie alle folgen dem gleichen Aufbau: Um eine rechteckige Rasenfläche, die nur von Eingeweihten in besonderen Kostümen betreten werden darf, gruppieren sich die aufsteigenden Zuschauerränge, mit dem Ziel, möglichst allen passiven Teilnehmern des Kultes eine Sicht auf das Ereignis zu geben.

Olympia, Rom, München

Diese Form haben die Fussballstadien nicht erfunden. Sie greifen auf Formen zurück, die bereits in der Antike entwickelt wurden. Eines der frühesten nachweisbaren Stadien war Austragungsort der olympischen Spiele und bestand, wie heute auf so machen Dörfern, aus Grashügeln, die sich an entlang einer länglichen Senke erhoben. Eine der beeindruckendsten Anlagen ist dagegen bis heute das Kolosseum in Rom, das in seiner Pracht und seiner Größe durchaus an die Allianz Arena in München erinnert.

Olympische Spiele waren Feiern zu Ehren des Zeus

All diese Orte waren Teil eines Kultes. Nicht nur eines sportlichen Kultes, sondern zunächst eines religiösen Götterkultes, zu dessen Feiern die Wettkämpfe gehörten. Das Stadion von Olympia befand sich nicht irgendwo, sondern gehörte zum templum, zum sakralen Raum der Tempelanlage des Zeus Olympios. Der Höhepunkt der Olympischen Spiele waren dementsprechend nicht so sehr die Wettkämpfe an sich, sondern die großen Opferfeiern um den Altar des Zeus. An beiden Orten versammelten sich die Menschen, um die Götter zu ehren und konstiuierten sich durch die Feiern als eine Gemeinschaft des griechischen Kulturraumes.

Römische Gladiatorenspiele gehörten ursprünglich zu Bestattungsfeiern

Auch das Kolosseum ist aus einem religiösen Kult erwachsen. Denn die Gladiatorenspiele gehörten in ihrer ursprünglichen Form zu etruskischen Bestattungsfeiern, die die Römer übernommen hatten. Entsprechend fanden bis in die Kaiserzeit die Gladiatorenkämpfe vor allem im Herbst statt und wurden von der senatorischen Oberschicht als Munera zu Ehren eines Verstorbenen Verwandten abgehalten. Stand also die Ehre des Ahnen und der Gens, der römischen Großfamilie, in diesen Feiern im Mittelpunkt, vollzog das kaiserliche Rom in den Gladiatorenkämpfen die eigene Sieghaftigkeit nach.

Theater als Stufenanlagen zum Heiligtum

Ähnliche Grundregeln galten auch für Theater. Hier wird die Verbindung zum Kult oft besonders deutlich. Denn die Theater waren wie die Stadien nicht nur Teil einer Sakralanlage, mitunter führten die Ränge eines Theaters direkt zu einem Tempel. So behauptete Pompeius Magnus beim Bau des ersten steinernen Theaters in Rom, dieses sei nur die Treppenanlage zum Tempel der Venus Victrix, den er auf die Spitze der Anlage setzte.

Fussballstadien in der Tradition von Sakralanlagen

Heute ist ein solcher Begründungszusammenhang nicht mehr notwendig und auch nicht mehr so offensichtlich. Aber sowohl in ihrer Form als auch in ihrem Zweck erinnern die modernen Stadien an antike Vorbilder aus dem sakralen Raum.

Maximilian Röll

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