Fußball – die Männerreligion

Es kommt auf körperlichen Einsatz an, darauf unbedingt den Gegner niederzuringen, auf Leistung und Gewinnen. Auch wenn die Frauen inzwischen Weltmeisterschaften bestreiten, sie haben in ihren Reihen lange nicht die Zahl an begeisterungsfähigen Zuschauerinnen wie die Männer. Was Männer sonst weniger haben, Mitgefühl, ist beim Fußball anders. Sie können erstaunlich mit ihrer Mannschaft mitbangen. Während das Fernsehen mit Serien Frauen vor den Bildschirm zieht, kann der Fußball die Männer zu Zuschauern machen, ohne dass diese ständig mit der Fernbedienung hantieren müssen.

Foto: dpa / picture-alliance

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Die Mannschaft braucht meinen Rückhalt

Es ist schon das Wort „Mannschaft“: Männer stehen in einer Mannschaft zusammen, um gemeinsam den Gegner zu besiegen. Das haben sie immer schon gemacht, angefangen die Jäger, die gemeinsam auf die Jagd gegangen sind, die vielen kriegerischen Händel. Wo es ein gemeinsames Ziel gibt, etwas zu gewinnen, da halten Männer zusammen.
Gibt es Zuschauer, wissen die Mannschaften sich nicht allein. Im Stadion und vor dem Bildschirm stehen ihnen viele emotional zur Seite. Das wird deutlich, wenn man Männer bei einem Spiel ihrer Mannschaft ablenkt, z.B. wenn der Müll herausgetragen werden muss oder nur wenn die Frau im Fernsehzimmer etwas sucht, wird der Mann unwirsch. Es scheint so, dass wenn er nicht aufmerksam das Spiel verfolgt, ein Tor fällt. Natürlich können Frauen, lassen sie sich auf das Erleben eines Spiels ein, auch mitbangen.

Es geht im Fußball um etwas

Die Intensität des Zuschauens, die das Fernsehen bei Männern sonst selten erreicht, wird durch den Live-Effekt möglich. Man kann das leicht nachprüfen, wenn man die Aufzeichnung eines Spiels anschaut, von dem man das Ergebnis bereits kennt. Es ist wie die Rückblende bei einem Torschuss. Man sieht genauer hin, wie es zu dem Sieg bzw. der Niederlage gekommen ist. Die Spannung, die die starke Identifikation bewirkt, stellt sich in der Rückschau nicht ein. Man muss nicht unbedingt ins Stadion gehen, das Fernsehen ermöglicht es, dabei zu sein, auch wenn die Stimmung nie so sein kann wie im Stadion. Offensichtlich geht es um etwas, das den Männern viel wichtiger ist als den Frauen: Der Gegner muss besiegt werden, weil es zur Daseinsberechtigung des Mannes, dass er etwas erobert haben muss. Das erklärt vielleicht, warum Frauen sich viel mehr durch das Christentum angezogen fühlen. 

Die Frauenreligion Christentum

Im Unterschied zur keltischen wie der germanischen Religion mit ihren Opferkulten ist das Christentum unblutig. Zwar hat Jesus in der Gestalt des Brotes seinen Leib zu Essen gegeben. Aber es ist bis heute Brot und nicht Fleisch. Mit dem Christentum kamen die blutigen Opferkulten zum Erliegen.

Da Jesus auf Siegen verzichtet und den Gegner nicht durch Gegenwehr, sondern durch Hinnehmen überwunden hat, konnte er Männer wohl nur schwer überzeugen. In der Jüngergruppe, die sich nach seinem Tod weiter traf, waren es dann wohl die Frauen, die die Apostel überzeugt haben, dass Jesus gerade im Sterben Sieger geworden ist.

Wenn also das Christentum wenig Nähe zu kraftvollen Gewinnspielen hat, dann ist es nur zu verständlich, dass die Männer in unserer Kultur den Fußball brauchen, um ihre rituellen Bedürfnisse auszuleben.

Bei den Frauen lässt sich allerdings auch eine stärkere Hinwendung zum Fußball beobachten. Das könnte auch ein Hinweis dafür sein, dass die Frauen sich durch die Emanzipation erst einmal Verhaltensmuster der Männer übernommen haben.

Eckhard Bieger S.J.

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Mehr zum Thema Männerreligion auf Kath.de: http://www.kath.de/lexika/fussballreligion/maennerreligion.html

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