Drogen, Gangster, Prostitution: Das Spiel GTA V

GTA V wurde bisher  über 60 Millionen Mal verkauft und könnte damit auch das meistverkaufte Spiel aller Zeiten werden. Es wird eine Gesellschaft voller Gewalt und Korruption dargestellt. Wie lebt man in der GTA-Stadt „Los Santos“? Welche gesellschaftskritischen Elemente finden sich?

Foto: dpa/picture-alliance

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Die Welt in GTA V

Intensive Gewalt, Blut, Gemetzel, sexuelle Inhalte und Kraftausdrücke sind nicht nur möglicherweise, sondern sicherer Bestandteil von GTA. Das Spiel ist zu Recht ab 18 und setzt survial of the gunpower um: Recht hat der, der überlebt, dessen Fäuste größer sind oder dessen Kugel den anderen trifft, bevor man selbst getroffen wird. Wild West in the 21st century! Das Spiel ist dabei keineswegs billig gemacht. Interessant ist vor allen Dingen, dass die Grenze zwischen dem, der gut und dem, der böse ist, verschwimmt. Denn im Spiel um Geld, Macht und Lustbeschaffung, sind Polizei und Gangs gleichermaßen eingebunden. Wen man unterstützt oder umnietet ist eine Frage der persönlichen Entscheidung, da nie ganz klar sein kann, wer auf welcher Seite steht.

GTA spielt in der fiktiven Stadt „Los Santos“, die an die reale Stadt Los Angeles in Kalifornien angelehnt ist. Los Santos ist voll ist von Charlie Sheens mit Knarren, Gutmenschenhoffnung wird durch harte Gewalt zerschlagen. Es ist eine Welt ohne Bedeutung, man will nur irgendwie durchkommen im Leben. Es kommt durchaus vor, dass Gangs ausgelöscht werden oder andere Massentötungen durchgeführt werden müssen, um einen Auftrag erfolgreich auszuführen. Das Gesetz der Straße steigt aus der Gosse empor und fließt blutend wieder in sie hinein. Drogen schaffen eine kurze Flucht aus dem Misthaufen und sind leicht zu haben. Lucky in the sky with diamonds macht das Leben erträglicher als hard work on the ground with dirt.

Die Charaktere in GTA V

Es gibt drei Hauptcharaktere, die man spielen kann: Trevor Philips, der ständig „aggro“ ist, von allen die brutalste Gewalt an den Tag legt, jedoch behauptet, alles insgesamt als Teil einer „kohärenten Philosophie“ zu tun. Weiterhin Michael Townley, ein Gangster, der Frau und Kinder hat und, wie sich später herausstellt, auch mit der Polizei gegen seine Freunde zusammengearbeitet hat. Schließlich Franklin Clinton, der anfangs bei einem Freund im Autohaus arbeitet. Im Laufe des Spiels kann man sich entscheiden, ob man einen der drei Gangster ausschaltet, um dadurch einen größeren Anteil an der Beute zu erhalten. Trevor wird einmal so sehr gereizt, dass er, obwohl er zunächst Freundlichkeit andeutet, jemanden nach unten stößt und ihm dann in den Kopf tritt, bis er mit zertrümmertem Schädel blutend am Boden liegt. Brutal? That’s GTA, bro! You ain’t not survive by being nice in Los Santos. Bei Trevor, dem ehemaligen Air Force Soldaten, muss man stets aufpassen nicht durch einen seiner Wutausbrüche getötet zu werden. Ansonsten ist er jedoch recht loyal. Er würde nie für Geld einen Verrat begehen. Viele seiner Morde begeht er eher aus Affekt. Er ist ein zutiefst kranker Mann. Ein aggressiver Psycho. Michael ist zwar gemäßigter und niemand, der Affektmorde begeht, aber er ist auch kälter und berechnender. Michael verrät an einer Stelle Trevor, um sich und seine Familie zu sichern. Franklin ist dazwischen. Franklin ist im Gegensatz zu Trevor und Michael kein Hardcore-Gangster, sondern eher Gelegenheitsdieb. Im Grunde ist er loyal und rettet auch an einer Stelle Michael, der bei einem Streit mir Trevor von der Mafia entführt wird. Aber auch Franklin ist unter gewissen Bedingungen bereit zumindest Trevor zu töten. Als Spieler kann man selbst entscheiden, entweder Michael bzw. Trevor zu töten, um so mehr Beute zu haben, oder aber jeden der drei am Leben zu lassen.

Eine Welt ohne Heil

GTA V zeigt, wie totale Weltbezogenheit aussehen kann. „Uns aus dem Elend […] erlösen“, wie es in der Internationalen heißt, versucht man dort mit Waffen und Geld. Manchmal sucht man Trost bei Prostituierten. Doch das bringt es alles nicht wirklich. Vor allem Trevor ist im Vollrausch oder ähnlichen Zuständen gerne mal im Bordell, jedoch weiß er nach dem Rausch oft nicht mehr, was vorher passiert ist. Als er einmal eine Frau liebt, entführt er sie. Diese Welt kennt die christliche Weisheit „denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst“, nicht. Das Spiel zeigt weiterhin, dass im Grunde jeder käuflich ist, wenn Preis und Bedingungen stimmen. Nur wenige „Einzelfälle“ setzen ihre Grundsätze über das Töten. Jedoch nur dann, wenn Freunde oder Familie berührt sind. Jenseits der eigenen Gruppe gibt es kein Recht auf Leben. Ob man es mit der Polizei oder mit Verbrechern zu tun hat, spielt oft keinen Unterschied, denn beide handeln mit Drogen. Dem Big Boss of Bills interessiert es nicht, auf wessen offizieller Seite derjenige steht, dem er seine Geldscheine gegen Geschäfte reicht.

Die Erfüllung des Lebens in GTA V

Von Nietzsche stammt der Satz: „Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.“ Ein Warum zum Leben gibt es in GTA V nicht. Um das Wie kommt man jedoch nicht herum. In einem FAZ Artikel heißt es dazu: „Am erstaunlichsten empfand ich jedoch die Einsicht, wie verwandt mein Verhalten in Los Santos mit dem im realen Leben ist – nicht hinsichtlich spezifischer Handlungen, sondern allgemeiner, in dem Sinne, dass ich mir hier wie dort permanent irgendwelche Aufgaben auferlegte, für die es keinen existentiellen Anlass gibt. Warum will ich überhaupt einen Marathon laufen, einen Roman schreiben oder Proust gelesen haben? Was erwarte ich mir vom „Danach“?“ (Juan S. Guse, Für Spieler: „Grand Theft Auto V“)
Für die Gangster bleibt jedoch noch eine letzte Aufgabe zu erledigen, die man in GTA zu spielen hat: „the big score“. Die Gangstertruppe will einen großen Millionenraub begehen. Ein letztes Mal Geld und Gold rauben, um sich dann zur Ruhe zu setzen. Mit diesem Geld ist dann ein luxuriöses Leben gesichert mit allem was dazugehört: Frauen, Drogen, Gangmitgliedern. Man muss nur aufpassen, dass man nicht von anderen Neidern erschossen wird. Das wäre Pech.

Josef Jung

Ein Gedanke zu “Drogen, Gangster, Prostitution: Das Spiel GTA V

  1. In diesem Artikel fehlt leider die andere Hälfte des Spieles, nämlich die Online-Version von GTA V.
    Und die ist die eigentlich Interessante, weil man mit bis zu 15 menschlichen Mitspielern in Los Santos agiert. Und deren Aktionen und Reaktionen lassen sich mit keinem Algorithmus erfassen…

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